Schweiz
Coronavirus

Scharfe Kritik gegen BAG aus dem Kanton Bern

Scharfe Kritik gegen BAG: «Der Bund hat offensichtlich nicht die nötigen Fachkompetenzen»

Dem Berner Gesundheitsdirektor ist der Geduldsfaden geplatzt. Er übt wegen der Impfstrategie und den Lieferungen scharfe Kritik gegen das BAG.
17.04.2021, 13:3717.04.2021, 13:59
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Was ist passiert?

Am Donnerstag hat Bundesrat Alain Berset bei einem Treffen mit allen kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren mehr Tempo bei der Corona-Impfung verlangt. Gefordert wurde, dass etwa die zweite Dosis nicht mehr zur Reserve an Lager gehalten werden.

Dumm nur: Das geforderte Tempo kann nicht eingehalten werden. Am Freitagabend teilte der Bund den Kantonen mit, dass die angekündigte umfangreiche Lieferung an Moderna-Impfstoff nur in sehr geringem Umfang eingetroffen sei.

Wie lautet die Kritik?

Regierungspraesident Pierre Alain Schnegg spricht an einer Medienkonferenz zum Abstimmungsergebnis zur Kantonszugehoerigkeit der Stadt Moutier, am Sonntag, 27. Maerz 2021, in Loveresse. Die Stimmbevoe ...
Pierre-Alain Schnegg ist Berner Gesundheitsdirektor.Bild: keystone

Die Forderung nach mehr Tempo und dann die Meldung, dass der Impfstoff nicht wie angekündigt geliefert werde: Diese beiden Nachrichten vom Bund kamen beim Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg alles andere als gut an. Er ist stocksauer und liess auf Twitter Dampf ab.

«Der Kanton Bern fordert den Bund auf, sich personell neu zu orientieren und die Verantwortung für das Lieferungs- und Impfprogramm Fachleuten aus der Wirtschaft zu übertragen, um einen professionellen Ablauf sicherzustellen», heisst es wörtlich in einer Mitteilung der Berner Gesundheitsdirektion vom Samstag.

Der Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) geht im Gespräch mit der Boulevardzeitung «Blick» weiter mit seiner Kritik. Die Forderung begründet er dort mit: «Das muss man Fachleuten aus der Wirtschaft übergeben, da der Bund offensichtlich die nötigen Fachkompetenzen nicht hat.»

Was bedeutet das für das Impftempo?

Vorerst nicht viel – zumindest laut BAG-Chefin Anne Lévy. Sie wehrte sich gegen die Kritik und stellte die Lieferverzögerung weniger dramatisch dar: Von den 350'000 angekündigten Impfdosen würden heute Samstag 70'000 Dosen geliefert. Der Rest käme nächste Woche, sagt sie im «Blick».

Anne Levy, Direktorin, Bundesamt fuer Gesundheit BAG, spricht an einem Point de Presse mit Fachexperten des Bundes zur Corona-Pandemie Covid-19, am Dienstag, 2. Maerz 2021. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Halb so schlimm, findet Anne Lévy, BAG-Chefin.Bild: keystone

Doch Schnegg bleibt bei seiner Kritik. Wegen der Lieferverzögerung müsse sein Kanton nun die kantonale Impfplanung anpassen. Impfwillige bestimmter Alterskategorien müssten mit einer Verschiebung rechnen.

Die Schweiz kämpft schon länger mit Problemen bei der Organisation der Covid-Impfung. Offiziellen Zahlen im «Covid-Dashboard» des Bundes zufolge wurden erst 1'966'485 Impfdosen verimpft. Die Zahl stammte vom vergangenen Mittwoch.

(pit)

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sapere Aude
17.04.2021 14:01registriert April 2015
Während die Kantone und der Bund sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, sich die Lieferung des Impfstoffes mal wieder verzögert, soll am Montag gelockert werden. Nach über einem Jahr scheint es immer noch so, als ob wir Corona nicht können. Grossartig!
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Liebu
17.04.2021 13:57registriert Oktober 2020
Als über Ostern nicht geimpft wurde, wurde das kritisiert. Dass nicht an Abenden und Wochenenden geimpft wird ebenfalls.
Dass man aber die vorhandenen Kapazitäten noch nicht mal Wochentags vollständig nutzen kann wegen Impfstoffmangel, davon spricht keiner. Viele Impfzentren haben zusätzliches Personal eingestellt, die jetzt nur kosten.
Ich hoffe doch sehr, dass endlich Impfstoff kommt und die Kantone dann aber auch wirklich bereit sind. Ab dann gibts keine Ausreden mehr.
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Walter Sahli
17.04.2021 14:57registriert März 2014
Jaja, Leute aus der Privatwirtschaft können alles. Das sind nämlich Profis und es arbeitet keine einzige Pfeife in der Privatwirtschaft, die sind nämlich alle beim Staat angestellt. Gemäss dieser Logik muss Moderna ein staatliches Unternehmen und Schnegg eine Pfeife sein...
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