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Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit BAG.
Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit BAG.
Bild: keystone

Corona-PK verpasst? Das sind die 7 wichtigsten Punkte

Die vierte Welle ist definitiv da und die Hospitalisationen steigen auch bei Jüngeren – vor allem Ungeimpften. Die Experten fanden diese Woche deutliche Worte ...
24.08.2021, 18:01

Die aktuelle Corona-Situation

Die derzeitige epidemiologische Lage sei als «ungünstig und besorgniserregend» einzuschätzen, auch wenn sie mit vielen Unabwägbarkeiten verbunden sei. Man könne durchaus von einer vierten Welle sprechen, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag vor den Medien in Bern.

«Die derzeitige epidemiologische Lage ist ungünstig und besorgniserregend.»
Patrick Mathys

Es gebe bezüglich der gemeldeten positiven Fälle zwar eine leichte Entschleunigung zur Vorwoche. Sie blieben aber auf dem Niveau des Höhepunktes der dritten Welle. Insgesamt habe das Infektionsgeschehen stark an Fahrt aufgenommen, mit einer weiteren Verschlechterung der Lage sei zu rechnen. Es besteht laut Mathys ein «bedeutendes Risiko für eine starke Infektionswelle».

In den Spitälern habe sich die Zahl der wegen einer Covid-19-Erkrankungen eingewiesenen seit Anfang Juli verdreissigfacht. In den Intensivstationen habe sich die Zahl der Patienten verfünffacht. «Wir nähern uns zügig dem Niveau vom Frühling, dem Höhepunkt der dritten Welle.» Das sei besorgniserregend, so Mathys, zumal neun von zehn Hospitalisierten nicht geimpft seien.

Bei den Todesfällen gebe es keine Veränderung. Sie bewegten sich auf tiefem Niveau und es gebe keine Anzeichen für eine Trendwende.

Wie entwickeln sich die Zahlen?

In der aktuellen Situation sei es wirklich schwierig, Voraussagen zu treffen, ob die Bewegung der Fallzahlen nach seitwärts oder zurückgeht, sagte Urs Karrer, Vizepräsident der National Covid-19 Science Task Force, am Dienstag. Es sei schwierig zu sagen, wo die Schweiz in einem Monat stehe. Man merkte, wie sich die Experten mit Prognosen zurückhielten, Karrer sagte dann auch:

«Sie wissen ja, dass unsere Kristallkugel bereits den einen oder anderen Bruch erlebt hat.»

Momentan bestünden sehr relevante Risiken. Der Effekt der Reiserückkehrer spiele eine Rolle. Eine zusätzliche Beschleunigung des Geschehens könnte Spitäler hart treffen, sagte Karrer vor den Medien.

Urs Karrer, Vizepräsident der National Covid-19 Science Task Force (Archivbild).
Urs Karrer, Vizepräsident der National Covid-19 Science Task Force (Archivbild).
Bild: keystone

Jeder einzelne könne dazu beitragen, dass es nicht so komme. Doch die Leute würden den Sommer ausdehnen wollen. Die Lust, Masken zu tragen, sei nicht gross, könne aber in der jetzigen Situation kurzfristig helfen, sagte Karrer.

Gibt's neue Massnahmen?

Wird der Bundesrat auf die hohen Zahlen reagieren? Man weiss es noch nicht. Patrick Mathys zeigt aber die grossen Tücken auf: «Die grosse Schwierigkeit für den Bundesrat ist es, den richtigen Zeitpunkt für zusätzliche Massnahmen zu finden.»

«Ergreift der Bundesrat zu früh Massnahmen, wird es laute Kritik geben – tut er es zu spät, ist eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung nicht mehr gewährleistet.»

Er beneide den Bundesrat nicht, diese Entscheidungen treffen zu müssen, erklärte Mathys am Dienstag vor den Medien in Bern: «Gerade weil wir uns in einer Lage mit vielen Fragezeichen befinden.» Mathys sagt weiter:

«Wenn wir es einfach laufen lassen, dann sind wir in vier bis sechs Wochen an einem Punkt, wo die Spitäler am Anschlag sind.»

Es gebe aber auch Faktoren, die dagegen sprechen würden. Eine Überlastung der Spitäler bedeute nicht, dass Menschen gar nicht mehr gesundheitlich versorgt werden könnten.

Welche Rolle haben die Reiserückkehrer?

In den vergangenen vier Wochen hat sich die Zahl der Spitaleinweisungen drei Mal verdoppelt. 40 Prozent der Erkrankten im Spital sind aus den Ferien zurückgekehrt. Neun von zehn schweren Covid-Erkrankungen wären laut der Task Force vermeidbar gewesen – mit einer Impfung.

«Wir beobachten in den Spitälern eine Epidemie der Ungeimpften», sagte Urs Karrer, Vizepräsident der wissenschaftlichen Task Force des Bundes am Dienstag vor den Medien. «Neun von zehn schweren Erkrankungen wären vermeidbar. Sie sind nicht geimpft.»

Die Situation erinnere stark an diejenige vor einem Jahr – mit zwei Ausnahmen:

«Die Welle ist zwei Monate früher da und die Patientinnen und Patienten sind viel jünger.»

Die meisten Patienten sind 40- bis 50-Jährige, jedoch dicht gefolgt von 20- bis 31-Jährigen. «Diese Entwicklung muss uns zu denken geben.»

«Unter den Hospitalisierten sind 40 Prozent ungeimpfte Reiserückkehrer – die meisten waren in Südosteuropa», erklärte Karrer weiter. Hier müssten weitere Anstrengungen gemacht werden, um diese Personen zu erreichen.

Wie geht's dem Pflegepersonal?

Die Personaldecke in den Spitälern ist nach wie vor dünn, die Motivation «erstaunlich hoch», eine gewisse Ermüdung vorhanden. Vor diesem Hintergrund gebe es eine «gewisse Frustration, weil neun von zehn Spitalpatienten mit Covid-19 nicht geimpft sind», sagte Urs Karrer.

Bei dieser Gelegenheit betonte er nochmals die Wichtigkeit der Impfung: Man soll sich für einen selbst und für alle anderen, also die Gemeinschaft, impfen lassen. Das Gesundheitspersonal werde dankbar sein. Denn:

«Klatschen ist gut, impfen besser.»
Urs Karrer

Das sei für das Pflegepersonal zuweilen «schon schwierig zu schlucken». Aber man behandle selbstverständlich alle Patienten, egal mit welcher Vorgeschichte. «Aber das geht schon nicht spurlos an einem vorbei», erklärte Karrer.

Die dünne Personaldecke gebe aber schon zu denken. Karrer: «Der Personalstand ist so trocken, wie man sich das nur vorstellen kann.»

Aber die Spitäler kamen doch gar nicht so ans Limit ...?!

Immer wieder hört man Aussagen, dass es doch selbst beim Höhepunkt der zweiten Welle in den Spitälern gar nicht so übel ausgesehen hätte. Davon wollen die Experten des Bundes aber nichts wissen.

Vogelstrauss-Politik diene niemanden, antwortete Karrer an der PK. «Wir sehen in den Spitälern die Schwerkranken, die jeden Tag um den Atem ringen und über lange Zeit krank sind.» Man positioniere sich einfach auf der Seite des Faktischen. Aber es sei immer so, dass man nicht so populär sei, wenn man schlechte Neuigkeiten verbreite.

«Überlastung heisst nicht, dass Leute vor dem Spital sterben müssen.»

Und Mathys antwortet genervt: «Natürlich waren die Spitäler überlastet.» 500 von 1000 Intensivbetten waren belegt. Das seien 500 Patienten, die da nicht hingehören dürften. Zudem hätten 30'000 Eingriffe verschoben werden müssen. Wenn alle 1000 Betten belegt wären, dann hätte auch ein verunfallter Töfffahrer keinen Platz mehr. «Überlastung heisst nicht, dass Leute vor dem Spital sterben müssen.»

Impfung für 12-Jährige empfohlen

Ausserdem empfiehlt das BAG neu allen Jugendlichen ab 12 Jahren, sich impfen zu lassen. Die jüngsten Studien würden keinen Anlass zu Bedenken geben.

Die Nebenwirkungen seien bei den Impfstoffen bei Jugendlichen ähnlich wie bei den Erwachsenen – dies zeigten die jüngsten Studien, erklärte Christoph Berger an der Pressekonferenz.

Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF).
Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF).
Bild: keystone

Die Anpassung der Impf-Empfehlung ab 12 Jahren erfolge aufgrund der epidemiologischen Lage und der jüngsten Erkenntnisse. Berger erklärte:

«Es ist wichtig, dass die Schulen offen bleiben.»

Neu wird auch allen schwangeren Frauen die Impfungen empfohlen. Die neusten Studien würden keine anderen Wirkungen nachweisen als bei nicht schwangeren Frauen.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

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quelle: keystone / peter schneider
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