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75 Jahre Kriegsende – eine Zeitreise mit meinen Grosseltern

Am 8. Mai 1945 endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Damals war die Schweiz eine andere. 75 Jahre blicken meine Grosseltern noch einmal zurück – in eine Schweiz ohne Penicillin, in der die Fahrstunde 5 Franken kostete und junges, fettes Kuhfleisch gefragt war.



«Manchmal», erzählt mir meine Grossmutter, «manchmal erinnert uns die aktuelle Coronakrise an die Zeit während des Zweiten Weltkrieges». Wir treffen uns auf dem Bauernhof meiner Grosseltern und sitzen auf der Veranda, zwei Meter sichere Entfernung, keine Umarmung, kein Händedruck, kein Körperkontakt.

Mein Grossvater (Jahrgang 1935) ist während und nach dem Zweiten Weltkrieg im Kanton Aargau aufgewachsen. Meine Grossmutter wurde mitten im Krieg geboren. 75 Jahre nach Kriegsende tauchen sie noch einmal in ihre Vergangenheit ein, in eine Schweiz, die vornehmlich auf dem Land lebte und tagelang an einer Angina litt – bis das Penicillin entdeckt wurde.

Ein Zeitungsverkaeufer, in der linken Hand die Faehnlein der alliierten Streitkraefte und der Schweiz haltend, verkauft die Abendausgabe des

«La Guerre est finie»: Ein Zeitungsverkäufer in Lausanne am 8. Mai 1945. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Beginnen müssen wir aber in der Gegenwart, in der sich die Schweiz «in der grössten Krise befindet, wie sie es in der Geschichte der Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat». So hat es Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga formuliert. Und auch meine Grosseltern sehen gewisse Parallelen.

Aus den Erinnerungen meiner Grosseltern:

«Auf der ganzen Welt gibt es nur noch ein Thema. Alle stellen sich die Frage: Wann geht diese Krise endlich zu Ende? Wie lange werden wir die Folgen davon noch zu spüren bekommen?

Bis heute kann ich mir kaum vorstellen, wie es für eine Mutter war, während des Krieges ein Kind zu gebären. Was für eine Zukunft erwartet mein Kind?»

Fast alle Aspekte des täglichen Lebens haben sich in den letzten 75 Jahren verändert. Viele davon sind in Geschichtsbüchern für die Ewigkeit festgehalten – einige Details bleiben in den Erinnerungen von Zeitzeugen.

Von der Land- zur Stadtbevölkerung

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Bild: watson

Gut vier Millionen Einwohner zählte die Schweiz, als im Jahr 1945 der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. Es war ein Land, in dem zwei von drei Personen auf dem Land lebten. Darunter auch meine Grosseltern, die beide auf einem Bauernhof aufwuchsen. Das Leben in der Stadt bekamen sie damals selten zu sehen.

«Zum ersten Mal eine Stadt sah ich auf einer Schulreise in der 2. Klasse, wir besuchten den Zoologischen Garten in Zürich. Dort durfte ich zum ersten Mal einen Pfirsich probieren – so süss und ungewohnt, diesen Moment werde ich wohl nie vergessen.»

A farmer's wife brought in a basket food and drinks for the farm workers to the field. Pictured in Switzerland in the 1940s. (KEYSTONE/PHOTOPRESS ARCHIVE/Str)

Eine Bauersfrau hat Landarbeitern in einem Korb Verpflegung aufs Feld gebracht. Aufgenommen in den 1940er-Jahren in der Schweiz. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Eine Bäuerin bringt den Arbeitern auf dem Feld das Mittagessen. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Der Stellenwert der Religion

1945 gab es zwar sehr wohl Personen, die keine regelmässigen Kirchenbesuche machten. Auf dem Papier konnte man sie allerdings in jedem Fall einer Religion zuordnen. Heute gehört rund ein Viertel der Bevölkerung keiner Religion an – Tendenz steigend.

«Die Konfession spielte damals natürlich eine sehr grosse Rolle. In unserem Dorf lebten zwei Drittel Katholiken und ein Drittel Reformierte. Nach diesem Schlüssel mussten auch sämtliche Vereinsvorstände besetzt sein, etwas anderes war undenkbar.»

Religionszugehörigkeit

Bild: watson

Menschen versammeln sich am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation Deutschlands, vor dem Berner Muenster, um das Kriegsende in Europa zu feiern. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Menschen versammeln sich am 8. Mai 1945 vor dem Berner Münster, um das Kriegsende zu feiern. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Heiraten im Verlauf der Zeit

Die Familienplanung und damit verbunden die Hochzeit wurde früher in Angriff genommen als es heute bei vielen Paaren der Fall ist. Gründe dafür waren einerseits, dass die Ausbildung damals weniger lange dauerte (wenn sich denn überhaupt die Gelegenheit zu einer ergab) – andererseits führte die von der Kirche verlangte Enthaltsamkeit ebenfalls dazu, dass Paare jung heirateten.

Erstheirat Alter

Bild: watson

So heiratete man 1945 im Schnitt noch mit 26 Jahren (Ehefrau), respektive 29 Jahren (Ehemann). In den 1970er-Jahren ist dieser schweizweite Schnitt sogar nochmals gesunken. Heute sind beide Ehegatten im Schnitt über 30 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal heiraten.

Die Meisterin im Eiskunstlauf-Paarlauf und Schweizer Tennismeisterin Pierrette Dubois (1921-2013) heiratet am 25. November 1945 in Rapperswil Fredy Knie (1920-2003), den Pferdedresseur und Mitinhaber des Circus Knie. Das Paar, aufgenommen neben einem Auto stehend, am Tag der Hochzeit. Waehrend vieler Jahre ist Pierrette Knie-Dubois fuer die Zirkuskasse verantwortlich und bedient die Besucherinnen und Besucher persoenlich. Daneben betreut sie bei Knie jeweils Gaeste aus Politik, Wirtschaft und Showgeschaeft. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Studer)

Die Eiskunstläuferin Pierrette Dubois heiratete im November 1945 im Alter von 24 Jahren den 25-jährigen Zirkus-Mitinhaber Fredy Knie (gestorben 2003). Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Das Leben in grossen Familien

Wer früher heiratet, hat länger Zeit, um Kinder zu bekommen. Viele Kinder. Grossfamilien mit fünf oder mehr Kindern gibt es heute kaum mehr – noch vor 75 Jahren war das keine Seltenheit.

Das Kriegsende war der Auftakt einer geburtenreichen Zeit – die zwischen 1946 und 1964 Geborenen werden heute Baby-Boomer genannt und sorgten jüngst für Schlagzeilen.

Geburten pro Frau

Bild: watson

Dass man heute kleinere Familien hat, widerspiegelt sich auch in der Geburtenziffer. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges brachte eine Frau in der Schweiz noch durchschnittlich 2,6 Kinder auf die Welt. Heute liegt der Wert bei etwa 1,5 Kindern pro Frau.

Aufnahme einer Grossfamilie. Bis zum Jahr 1945 hat diese Mutter 13 Kindern das Leben geschenkt. (KEYSTONE/Photopress-Archiv/Str)

Eine Schweizer Familie mit 13 Kindern aus dem Jahr 1945. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Sobald die vielen Kinder erst mal grösser waren, gab es immer weniger Platz im Haus – schliesslich hatte man oft auch noch Grosseltern zuhause. Mit dem religiösen Hintergrund der Gesellschaft wurde eine gemeinsame Wohnung mit dem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin bekanntlich erst nach der Hochzeit Thema.

«Heute ziehen die jungen Leute einfach aus, weil sie alleine wohnen und frei sein wollen. Das gab's halt früher nicht. Man blieb zuhause, bis der Platz zu knapp für alle wurde – erst dann hat man über eine andere Lösung nachgedacht.»

Berufliche Perspektiven

Trotz der damals noch viel bedeutenderen Landwirtschaft war die Industrie vor 75 Jahren der grösste Arbeitgeber. Über die Jahre wandelte sich die Schweiz aber in eine Dienstleistungs-Gesellschaft. Rund drei Viertel aller Erwerbstätigen sind heute in diesem Sektor beschäftigt.

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Bild: watson

Interessant dabei: Parallel zum Ausbau des Dienstleistungssektors entwickelte sich die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Anfangs bildeten Dienstbotinnen in Privathaushalten sogar den allergrössten Teil des Dienstleistungssektors, später kam der Detailhandel dazu – und auch dort wurden anfangs vorwiegend Frauen eingesetzt.

Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wuchsen aber auch das Gastgewerbe, die Post, Telekommunikation und die öffentliche Verwaltung.

Und: Eines der weltweit besten Gesundheitssysteme wurde aus dem Boden gestampft – heute sind über 400'000 Personen im Schweizer Gesundheitswesen tätig.

«Wirklich einschneidend war das Aufkommen von Penicillin. Vor dem antibiotischen Medikament litt man beispielsweise an einer Angina tagelang furchtbar. Mit dem Wundermittel Penicillin wurde vieles besser.»

Im Inselspital Bern ist wieder eine Lieferung des begehrten antibiotisch wirksamen Medikaments Penicillin aus den USA eingetroffen. Der Nachschub liegt weit unter dem Bedarf und fuehrt immer wieder zu Engpaessen in der Versorgung, aufgenommen am 6. Dezember im Kriegsjahr 1944. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Schmidhauser)

Eine Mitarbeiterin des Inselspitals Bern erhält eine Lieferung des begehrten antibiotisch wirksamen Medikaments Penicillin aus den USA (Dezember 1944). Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Was auf dem Teller landete

Auf dem Land waren 1945 die allermeisten Menschen Selbstversorger und bauten Gemüse, Salat und Kartoffeln an, während man sich in den Städten auf Märkten eindeckte.

Riesige Gemüseabteilungen, wie man sie aus den heutigen Läden kennt, gab es nicht. Bananen, Avocados und andere Importprodukte fanden erst Jahrzehnte später den Weg in unsere Läden.

«Gemüse und Früchte wurden in den Läden generell kaum angeboten – die Ware wäre auch schlicht zu schnell ‹überegheit›, schliesslich gab es keine Kühlregale. Heute ist ein Garten für die meisten ein Hobby, damals hatte er eine viel grössere Bedeutung.»

Um die knappen Güter wie Eier und Milch, aber auch Kleider und Brennstoff fair an die Bevölkerung zu verteilen, führte der Bund während des Zweiten Weltkrieges Rationierungsmarken ein.

«Gut in Erinnerung habe ich die Zeit, als die ‹Märkli› nach Kriegsende abgeschafft wurden. Auf einen Schlag konnte man wieder von allem so viel kaufen, wie man wollte! Aber die Rationierung war definitiv sinnvoll – damals gab es keine Hamsterkäufe, wie sie zu Beginn der Coronakrise zu sehen waren. Gut, wir brauchten natürlich auch kein WC-Papier, dafür reichten damals Zeitungsschnipsel...»

Eine Frau bezahlt im Lebensmittelgeschaeft mit Rationierungsmarken, aufgenommen im Maerz im Kriegsjahr 1942. Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage im Krieg werden Lebensmittel und andere Gueter knapp, weshalb es zu einer Rationierung kommt. Um die Gueter gerecht an die Bevoelkerung verteilen zu koennen und Hamsterkaeufe zu verhindern, werden sogenannte Rationierungsmarken verteilt. Die knappen Gueter wie z.B. Brot, Milch, Brennstoff und Kleider sind in den Laeden nur noch durch die zusaetzliche Abgabe dieser Rationierungsmarken moeglich. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Im März 1942 zahlt eine Frau mit Rationierungsmarken in einem Schweizer Laden. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Deutlich gestiegen ist in den letzten 75 Jahren der Fleischkonsum. Heute isst eine Person in der Schweiz fast ein Kilogramm Fleisch pro Woche, 1945 war es noch nicht einmal die Hälfte.

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Bild: watson

«Auf dem Bauernhof landete bei uns naturgemäss reichlich Fleisch auf dem Teller. Weil es aber noch keine Tiefkühler gab, wurde vieles geräuchert oder gesalzen – alles schmeckte in etwa gleich. Heute schätze ich die Auswahl, die wir bei Fleischwaren haben in den Läden.

Übrigens wurde während des Krieges in Inseraten oft ‹junges, fettes Kuhfleisch› angepriesen: Die Leute waren auf kalorienreiches Essen angewiesen. Durch die Rationierungen und die körperliche Arbeit war sowieso niemand übergewichtig.»

A cow is taken to the slaughterhouse in Bern around 1940. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Studer)

Eine Kuh wird in das Schlachthaus Bern gefuehrt um 1940. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Studer)

Eine Kuh wird in das Schlachthaus Bern geführt (um 1940). Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Wie die Autos Fahrt aufnahmen

Lange war das Autofahren aus finanziellen Gründen der obersten Gesellschaftsschicht vorbehalten. Die Krise in den 1930er-Jahren verteuerte die Sache zusätzlich. Erst mit dem Konjunkturaufschwung der 1950er-Jahre begann die Massenmotorisierung. Über die damals noch ungeteerten Strassen ohne jede Signalisation rollten Jahr für Jahr mehr Autos.

Autos pro 1000 Einwohner

Anzahl Personenwagen pro 1000 Einwohner. grafik: watson / daten: bfs, statistisches jahrbuch der schweiz 1945

Während im September 1945 nur gerade 18'279 Personenwagen eingelöst waren, sind es heute 4,6 Millionen. In der Schweiz besitzt heute also mehr als jeder Zweite ein Auto – inklusive Kindern.

«Ein Auto hatte nach dem Kriegsende kaum jemand, in unserem Dorf nur gerade der Doktor, der Viehdoktor, der Gemeindeschreiber und der Posthalter. Musste jemand notfallmässig in den Spital, hat man halt eine dieser Personen um einen Fahrdienst gebeten – eine Ambulanz gab es natürlich noch nicht.

Meine Familie legte sich erst Jahre nach dem Kriegsende das erste Auto zu. Für eine Fahrstunde habe ich 5 Franken bezahlt. Hätte ich das schönere Auto meines Fahrlehrers genommen, hätte es sogar 7 Franken gekostet – aber dieses Geld wollte ich lieber sinnvoller investieren.»

Taxi-Chauffeure im Dienst in winterlichen Zuerich haben ihre Fahrzeuge auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof Zuerich stehen, aufgenommen im letzten Kriegsjahr am 25. Januar 1945. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Hermann Schmidli)

Taxis gab es in der Stadt schon damals: hier direkt beim Hauptbahnhof Zürich (Januar 1945). Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Die Auswirkungen auf das Klima

Nicht nur wegen, aber auch dank der Motorisierung hat der Klimawandel in den letzten 75 Jahren seine Spuren hinterlassen. So ist es beispielsweise in Bern heute im Schnitt fast zwei Grad wärmer über's ganze Jahr gesehen.

«Dass die Winter weniger kalt sind, fällt mir schon auf. Ich kann mich gut erinnern, dass der Zürichsee regelmässig gefroren war im Winter – viele Seen und Weiher in der Region waren begehbar. Das sieht man heute kaum noch.»

Jahresmitteltemperatur Säntis und Bern

Bild: watson

Auch in den höheren Lagen ist es wärmer geworden: Im Säntis war es im vergangenen Jahrzehnt jeweils noch knapp unter Null im Jahresschnitt. In den 1940er-Jahren war es im Jahresschnitt noch -1,8 Grad Celcius.

Jahresmitteltemperatur Säntis und Bern

Bild: watson

Von schneereichen Wintern

Vor 75 Jahren erlebte die Schweiz ein aussergewöhnlich warmes Jahr – und das trotz eines kalten Jahresstarts. Im Witterungsbericht des Jahres 1945 von MeteoSchweiz liest sich: «Der Januar zeichnete sich allgemein durch ungewöhnlich niedrige Temperaturen aus. [...] Die Niederschläge sind im Mittelland fast ausschliesslich als Schnee gefallen.»

«Schneit es heute mal, ist die weisse Pracht nach zwei Tagen verschwunden. Wir konnten wenigstens einige Tage auf Holzskis den Hang runter rutschen.»

With a large crowd watching, a skier rides up onto Monts Chevreuils mountain with the ski-lift on the day of its inauguration, pictured on February 10, 1945 in Chateau-d'Oex in the canton of Vaud, Switzerland. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Studer)

Am Tag der Einweihung des Skilifts faehrt ein Skifahrer von vielen Zuschauern beachtet mit dem Skilift - der mit Gurten und ohne Buegel funktioniert - auf den Monts Chevreuil, aufgenommen am 10. Februar 1945 in Chateau-d'Oex im Kanton Waadt. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Studer)

Ein neuer Skilift in Chateau-d'Oex VD wird eingeweiht – er funktioniert mit Gurten und ohne Bügel. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

In Bern fiel in den 1940er-Jahren im Schnitt 70,9 cm Schnee über den ganzen Winter. In den letzten 10 Jahren waren es noch knapp 60 cm – der schneelose Winter, der direkt hinter uns liegt, noch nicht mit eingerechnet.

Schneemengen

grafik: watson / daten: meteoschweiz

Ebenfalls im Witterungsbericht vermerkt sind «mehrere bedeutende Lawinen» in der Zentralschweiz.

In Andermatt, Kanton Uri, werden am 8. Maerz 1945 bei einem Lawinenniedergang grosse Gebaeudeteile von Kasernenbauten (im Vordergund) voellig zerstoert. Dabei fanden elf Soldaten den Tod und wurden viele verletzt. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Am 8. März 1945 riss eine Lawine grosse Teile einer Kaserne mit sich. Elf Soldaten kamen dabei ums Leben, viele wurden verletzt. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

«Schon mein Vater sagte zu mir: ‹Früher hatten wir noch richtige Winter mit viel Schnee› – aber ich muss das Gleiche zu dir sagen. 30 cm Schnee waren zu dieser Zeit keine Seltenheit im Mittelland. Mit einem Gespann von vier Pferden, die ein V-förmiges Holzgestell hinter sich her zogen, schob man die dicke Schneeschicht zur Seite, wenn's nötig war auch mehrmals pro Tag.»

Das emotionale Kriegsende

Als «Tag der Befreiung» wird der heutige 8. Mai in vielen europäischen Ländern gefeiert. Damit gedenkt man der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Wer diesen 8. Mai 1945 miterlebt hat, verbindet damit viele Emotionen.

«Wir hatten selbst kein Radio zuhause, gingen aber während des Krieges oft zu den Nachbarn und hörten uns die markante Stimme von Hitler an. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben – ich würde seine Stimme aus Hunderten heraushören.

Als der Krieg vorbei war, strömten alle Familien im Dorf aus ihren Häusern und man diskutierte auf der Strasse über die Nachrichten. Mitten am Tag läuteten schweizweit alle Kirchenglocken – ein sehr emotionaler Moment, der unter die Haut ging.»

Die Muensterbruecke in Zuerich, Schweiz, am Abend des Kriegsendes am 8. Mai 1945. Die Bevoelkerung nutzt den freien Nachmittag und die sommerliche Witterung fuer spontane Volksfeste. Im Hintergrund die Fraumuensterkirche. Im ganzen Land laeuten die Kirchenglocken. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Auf der Münsterbrücke in Zürich versammelt sich die Bevölkerung zu einem spontanen Volksfest am 8. Mai 1945. Im ganzen Land läuten die Kirchenglocken. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

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