Schweiz
Drogen

Verurteilter Drogendealer kämpft gegen Ausweisung nach Tunesien

Verurteilter Drogendealer kämpft gegen Ausweisung nach Tunesien

18.05.2026, 17:2618.05.2026, 17:26

Ein Tunesier, der im Januar wegen der Organisation eines gross angelegten Haschischhandels im Aldrin-Quartier in Siders im Wallis verurteilt worden war, ist vor dem Bundesgericht gescheitert. Sein Anwalt kündigte am Montag eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an.

In zweiter Instanz war der 23-jährige Maghrebiner zu 45 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe sowie zu sieben Jahren Landesverweis aus der Schweiz verurteilt worden. Das Walliser Kantonsgericht hatte ihn wegen mehrerer Delikte schuldig gesprochen: schwere Widerhandlung sowie Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz, qualifizierte Erpressung, versuchte qualifizierte Erpressung sowie Gehilfenschaft zur versuchten qualifizierten Erpressung.

Nach Auffassung des Kantonsgerichts betrieben der Angeklagte und ein mutmasslicher Mittäter, der bislang noch nicht vor Gericht stand, einen Haschischhandel im Umfang von mindestens 450 Kilogramm – durchschnittlich 15 Kilogramm pro Monat über einen Zeitraum von 30 Monaten. Sie erzielten damit einen Gewinn von 135'000 Franken.

Beim zweiten Prozess am 8. Januar hatte der Angeklagte eingeräumt, 250 Kilogramm Haschisch verkauft zu haben. Eine Beteiligung an verschiedenen Drohhandlungen bestritt er jedoch.

Der Mann legte über seinen Anwalt Beschwerde gegen seine Ausweisung aus der Schweiz ein. Das Bundesgericht hielt in seinem Urteil fest, dass "der Beschwerdeführer angesichts der Schwere der begangenen Straftaten, mangelnder Einsicht sowie seiner Vorstrafen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle. Deshalb überwiege das öffentliche Interesse an seiner Ausweisung sein privates Interesse am Verbleib in der Schweiz.

«Eine unmenschliche Entscheidung»

Der Anwalt des Tunesiers, Rechtsanwalt Grégoire Rey, will in den kommenden Tagen den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg anrufen. Das sagte er am Montag dem Lokalradio Rhône FM.

«Er spricht die Sprache nicht und hat keinerlei Familie in Tunesien. Ihn in ein Land zurückzuschicken, zu dem er weder direkt noch indirekt irgendeine Verbindung hat, ist eine unmenschliche Entscheidung», sagte der Jurist. «Man muss diese Entscheidung abwarten, bevor die gegen diesen jungen Mann ausgesprochene Ausweisung vollzogen wird.»

(Urteil 6B_173/2026 vom 22. April 2026) (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Drogen-Funde aus aller Welt
1 / 16
Drogen-Funde aus aller Welt
Bei einem Einsatz im Nordwesten Kolumbiens haben Sicherheitskräfte über acht Tonnen Kokain beschlagnahmt. Das Rauschgift sei in einem unterirdischen Versteck auf einer Bananenplantage im Departement Antioquia entdeckt worden.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Ich habe eine halbe Million Franken für Drogen ausgegeben»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
13 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Mijasma
18.05.2026 17:50registriert Oktober 2018
Das hätte er sich halt vorher überlegen sollen. Es hat ihn schliesslich keiner gezwungen Drogenhändler zu werden.

Das ist schon unerfreulich für ihn wenn er die Sprache nicht kann. Aber die können sie in der Regel auch nicht wenn sie zu uns kommen und das hält sie auch nicht davon ab.

Die Frage ist eher warum nur sieben Jahre Landesverweis?
440
Melden
Zum Kommentar
avatar
tops
18.05.2026 17:46registriert Juni 2018
Hätte man sich vielleicht überlegen sollen bevor man straffällig wird. 🙄
310
Melden
Zum Kommentar
13
Gegen SVP-Initiative: Economiesuisse-Boss fordert mehr Engagement von FDP und Mitte
Wirtschaftsboss Christoph Mäder warnt vor einer Annahme der SVP-Initiative – und wünscht sich mehr Kampfgeist von seinen Verbündeten. Derweil lanciert FDP-Ständerat Andrea Caroni ein altes Rezept neu.
Gut einen Monat vor der Abstimmung über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» warnt Christoph Mäder, Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, vor den Folgen einer Annahme des SVP-Anliegens. «Die Initiative schafft Chaos in vielerlei Hinsicht», sagte Mäder in einem Interview mit dem «Sonntagsblick». Sie ziele auf eine Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU ab.
Zur Story