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Die 34-jährige Jasmin will ihr Schweigen brechen und spricht über das Leben mit drogensüchtigen Eltern. bild: watson

«Der Drogenkonsum war nicht das Schlimmste» – Jasmin über ihr Leben bei süchtigen Eltern

Der Kinohit «Platzspitzbaby» rückt Kinder von suchtkranken Eltern in den Fokus. Auch die 34-jährige Jasmin ist bei drogensüchtigen Eltern aufgewachsen. Nun will sie das erste Mal über ihr Leben erzählen.



Der Schweizer Film «Platzspitzbaby» füllt seit Wochen die Kinosäle. Der Film erzählt unter anderem von der Kindheit von Michelle Halbheer, die in den 90er-Jahren bei einer drogensüchtigen Mutter aufgewachsen ist. Auch Jahre nach der Veröffentlichung ihres Buches sind die Zuschauer noch geschockt und empört: Wie konnten die Behörden so lange zuschauen und nicht eingreifen?

Das Schicksal von Halbheer ist in der Schweiz kein Einzelfall. Noch heute leben schätzungsweise mehr als 100'000 Kinder bei Eltern oder einem Elternteil mit einem Suchtproblem.

Die 34-jährige Jasmin ist eine von ihnen. Sie sitzt im «Kafi für Dich» in Zürich, trägt längeres blondes Haar und einen gelben Pulli. «Als ich 16 Jahre alt war, lag ich zusammen mit Michelle Halbheer im selben Spitalzimmer», beginnt Jasmin zu erzählen. Ihre Eltern konsumierten Heroin und andere Drogen.

Jasmin im Video:

Video: watson/Jara Helmi, Lino Haltinner

«Wir haben uns sofort gut verstanden», fährt sie fort. Sie wusste, dass die damals 16-jährige Michelle bei einer Pflegefamilie lebt und diese wiederum wusste, dass Jasmin im Heim wohnt. «Wir haben uns aber beide verschwiegen, dass unsere Eltern drogensüchtig sind. Ich dachte, wir könnten dann keine Freundinnen mehr sein.»

Nach dem Spitalaufenthalt schrieben sich die beiden Briefe. «Als Michelle mich fragte, was es denn sei, das ich ihr partout nicht erzählen wolle, blockte ich ab.» 2013 veröffentlichte Halbheer ihre Autobiografie, erst dann erfuhr Jasmin, dass sie beide fast dasselbe Schicksal teilen. «Meine Geschichte mit Michelle zeigt, wie sehr sich Kinder von süchtigen Eltern davor fürchten, über das Tabuthema zu reden.» Nun will auch Jasmin ihr Schweigen brechen und das erste Mal über ihre Geschichte sprechen.

Von der «normalen» Familie in die Drogen

Diese beginnt bereits vor ihrer Geburt. Denn ihre Eltern kamen schon früh in Berührung mit Drogen. Als ihre Mutter mit 19 Jahren schwanger wird, hört sie komplett auf – auch der Vater von Jasmin. So wird sie in eine «ganz normale» Familie geboren mit «super Eltern». «Ich erinnere mich an Weihnachten, als ich drei Jahre alt war. Ich wollte unbedingt einen eigenen Christbaum. Mein Papi hat mir dann einen Tannenzweig abgeschnitten und liess mich ihn schmücken. Es war wirklich so eine liebevolle Beziehung.»

Auch später sind ihre Eltern fürsorglich, nur eben anders. Denn als Jasmin fünf Jahre alt war, beginnen ihre Eltern, Heroin zu konsumieren. Ihr Vater geht weiterhin auf dem Bau arbeiten. Ihre Mutter hingegen driftet weiter ab. «Meine kleine Schwester war den ganzen Tag in denselben Windeln und ich kam immer zu spät in den Kindergarten.» Die Grossmutter von Jasmin macht kurz daraufhin eine Gefährdungsmeldung. Obwohl ihr Vater für die Kinder sorgen will, ist dies nicht möglich. «Damals gab es noch fast keine Therapieeinrichtungen für Drogensüchtige. Und einem alleinerziehenden Vater gab man die Kinder sowieso nicht.» Deshalb kommen Jasmin und ihre Schwestern ins Kinderheim und erleben ihre «schlimmste Zeit», wie es die 34-Jährige heute erzählt.

Im Heim wartet die Gewalt

Für die damals Sechsjährige bricht eine Welt zusammen. Sie wird aus der Familie gerissen und kann nicht verstehen, warum sie nicht bei ihren Eltern leben kann. Im Heim wird sie von einzelnen Betreuern geschlagen, bestraft und schikaniert. Das kleine Kind bekommt wenig Zuneigung, wenig liebe Worte, keine Umarmung. «Ich litt sehr. Ich hatte schon so früh einen riesigen seelischen Schmerz und ging fast kaputt», erzählt Jasmin. Doch anvertrauen kann sie sich niemandem. Ihre ältere Schwester ist ihre einzige Bezugsperson, doch auch diese soll ihr nicht erhalten bleiben, denn sie wird kurze Zeit später umplatziert.

Zu ihren Eltern darf sie jedes zweite Wochenende, sie leben inzwischen getrennt, nehmen beide aber noch Drogen. Sie freut sich jedes Mal, sie zu sehen. Ob Ausflüge an den See oder auf die Skipiste – sie verbringt auch immer wieder unbeschwerte Zeiten mit ihren Eltern. «Von ihnen bekam ich die Liebe, die ich so fest brauchte.» Aber die Umstände im Haus sind nicht immer kindergerecht. An gewissen Wochenenden sieht sie ihre Eltern konsumieren und bei ihrer Mutter ist das Geld und deshalb auch das Essen immer knapp; sie gibt alles für die Drogen aus. «Wir mussten auf die Strasse betteln gehen oder ihr unser Taschengeld leihen.» Nicht selten nimmt ihre Mutter sie auf die Gasse mit, die Mutter mit der Bierdose, die Kinder mit der Cola-Flasche in der Hand. Es sind jedoch nicht diese Zustände, unter denen die kleine Jasmin litt. «Am schlimmsten waren die Versprechungen, die nicht gehalten wurden.» Obwohl die Mutter versichert, Zeit mit ihnen zu verbringen, lässt sie die Kinder alleine zuhause und kommt ab und an zugedröhnt zurück. «Ich konnte es nicht ausstehen, wenn sie so verladen war.»

Trotzdem will das Jasmin ihren Eltern nicht übel nehmen. «Sie haben das Beste getan, was sie konnten. Sie haben an mich geglaubt und mir beigebracht, mir selber treu zu bleiben. ‹Wenn es dir schlecht geht, denk an etwas Schönes›, das hat mir mein Vater selbst in seinen zugedröhntesten Momenten gesagt.» Dennoch fühlt sich Jasmin dauernd für ihre Eltern verantwortlich. Im Heim denkt sie ständig an sie und fragt sich, ob es ihnen gut geht. Wenn sie sich länger nicht melden, macht sie sich Sorgen. «Ich hatte zudem Schuldgefühle, weil meine Eltern mir mal sagten, dass sie immer weinen müssen, wenn sie sich die leeren Kinderbettchen anschauen. Das hat mich sehr geprägt.»

Was sie am Wochenende bei ihren Eltern erlebt und wie sie im Heim Gewalt erfährt, will Jasmin niemandem erzählen. «Ich konnte meinen Eltern nicht sagen, wie schlimm es im Heim war, sonst hätten sie sich schlecht gefühlt. Gleichzeitig wollte ich im Heim nicht über die Zustände zuhause sprechen, sonst hätten sie mir nicht mehr erlaubt, nach Hause zu gehen.»

Nach der Mutter folgt die Schwester

Obwohl sie in den letzten Jahren mit den anderen Jugendlichen zusammenhält und bessere Zeiten erlebt, zählt Jasmin die Tage und kann es nicht erwarten, endlich auszuziehen. Sie rebelliert, verschanzt sich; kaum will eine Betreuungsperson in ihr Zimmer kommen, wirft sie Dinge nach ihnen. «Ich war wütend und wollte ihnen nichts erzählen. Ich dachte mir: ‹Ihr habt gut reden, ihr könnt Feierabend machen und alles hinter euch lassen. Das ist mein Leben und es hört nicht einfach auf.›»

Mit 16 Jahren zieht sie in eine begleitete Wohngemeinschaft ein, just zwei Blöcke neben ihrer Mutter. Sie hofft, dass nun alles vorbei ist. Doch es kommt wieder anders. Als Jasmin 18 Jahre alt ist, wird ihre Mutter nochmal von einem anderen Mann schwanger. Jasmin fühlt sich erneut für ihre Mutter verantwortlich und kann nicht loslassen.

Das Familiendrama erreicht kurze Zeit später seinen Tiefpunkt. Ihre ältere Schwester konsumiert erste Male Heroin und wird süchtig. «Ich wollte nicht glauben, dass ich wieder jemand aus der Familie an die Drogen verliere und habe alles dafür gegeben, dass sie davon wegkommt.» Also nimmt Jasmin ihre Schwester für den Entzug zu sich. Später nimmt die Mutter die älteste Tochter zu sich und versucht, zu ihr zu schauen. Stattdessen konsumieren die beiden gemeinsam und stürzen weiter ab. Bis heute ist ihre Schwester drogenabhängig.

Jasmin hat selber nichts mit Drogen am Hut. «Als ich zwölf war, habe ich die Wohnung meiner Mutter geputzt, weil es mich geekelt hat. Dabei bin ich auf das Drogenkästchen meiner Mutter gestossen. Dann überlegte ich mir, ob ich es mal probieren soll. Ich hatte dann aber so Panik, weil wusste: Wenn ich es anfasse, ist niemand mehr für meine Familie da.»

Auch als Erwachsene hört es nicht auf

Ausserdem will Jasmin nicht denselben Fehler machen, wie ihre Eltern. «Das ist meine Geschichte, ich kann sie ändern. Wenn ich Drogen nehme, lebe ich die Geschichte meiner Eltern weiter.» Sie will beweisen, dass sie es schafft, auch wenn es Leute gibt, die sagen, dass es die Heimkinder zu nichts bringen. Also macht sie eine Lehre und arbeitet mittlerweile selbstständig auf dem Beruf.

Dass die Belastung durch die suchtkranken Eltern auch im Erwachsenenalter nicht aufhört, weiss Jasmin heute. Ihr Vater ist zwar seit 22 Jahren clean, und zu ihm pflegt sie ein gutes Verhältnis. Ihre Mutter hingegen ist immer noch drogenabhängig. In der Beziehung mit ihr hat Jasmin längst die Mutterrolle übernommen. Nachdem sie vor sechs Jahren eine Gefährdungsmeldung wegen ihrer kleinen Schwester eingeben musste, brach sie den Kontakt zur Mutter komplett ab. Bis vor einem Jahr, als sie eines Tages einem schlechten Bauchgefühl gefolgt ist und die Mutter in einem schlechten Zustand vorfand und sich um sie kümmerte. «Ich will trotz allem für sie da sein und gebe sie nicht auf.» Als Kind hat sie sich pausenlos verantwortlich gefühlt und ihre Bedürfnisse hinten angestellt. Heute weiss sie, dass sie sich abgrenzen und kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn es ihr gut geht, auch wenn ihre Mutter leidet.

Diese Erkenntnis und ihre Erfahrungen will sie den jetzigen Kindern von süchtigen Eltern weitergeben. Statt mit dem Finger auf die Behörden zu zeigen, will sie gemeinsam mit ihnen etwas verbessern. «Es gibt noch heute zu wenige Angebote für diese Kinder. Ich würde gerne eine Anlaufstelle initiieren, wo sie anonym über ihre Probleme sprechen können oder sich mit Älteren, die dasselbe erlebt haben, austauschen können.» Jasmin wird oft gefragt, was das Richtige wäre für die Betroffenen. Darauf antwortet sie: «Wir müssen davon wegkommen, dass es nur einen richtigen Weg gibt. Jeder Fall ist individuell, schliesslich geht es darum, herauszufinden, was dem Kind gut tut.» Für sie war es traumatisierend, dass sie so früh aus der Familie gerissen wurde und im Heim Gewalt erlebte. Sie hätte stattdessen Vertrauen, Liebe und Sicherheit benötigt. «Rückblickend weiss ich nicht, wo meine Kindheit schlimmer gewesen wäre, im Heim oder bei meinen drogensüchtigen Eltern. Eine Platzierung muss immer gut überdacht werden. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass es Fälle gibt, wo sofort eingegriffen werden muss.»

Das zeigt auch der Film «Platzspitzbaby»: Das Kind kämpft unerbittlich dafür, dass ihre Mutter clean wird und verlässt sie dann. Auch Jasmin hat sich den Film angeschaut. «Das erste Mal ging er emotional völlig an mir vorbei. Ich habe nur beobachtet, was bei mir nicht so schlimm war und habe gewisse Dinge schöngeredet. Als ich ihn ein zweites Mal anschaute, ging er mir näher. Es gab aber auch Szenen, die ich detaillierter dargestellt hätte: Wie der zu saubere Boden oder der Unterarm der Schauspielerin, der nicht zerstochen war.» Dennoch ist sie froh, dass Halbheer den Stein ins Rollen gebracht hat. «Ich will mit meiner Geschichte anderen Kindern und Jugendlichen Mut machen. Mein Schicksal hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin und dafür bin ich dankbar.»

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • urdinkel 19.02.2020 08:36
    Highlight Highlight Ja leider ist das Realität. Ich musste das selbst auch erleben und verbrachte meine Kindheit in Heimen und Pflegefamilien. Schliesslich starb mein Vater an den Drogen, seither weiss ich er ist an einem besseren Ort!
    Am wichtigsten ist, dass man seine eigenen Ziele verfolgt und sich nicht unterkriegen lässt.
  • 0 o 18.02.2020 18:04
    Highlight Highlight Meiner persönlichen Erfahrung nach, möchten die meisten ihre Geschichte erzählen können, ohne dafür in irgend einer Weise gewertet zu werden.

    Das hat zumindest denen, die mir begegnen bei der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse geholfen.
    Heute stehen sie allesamt mit beiden Beinen im Leben :-)

    Schön zu lesen, dass diese Kinder endlich Gehör finden. Es steckt weit mehr hinter den Geschichten, als ein flüchtiger Blick auf der Gasse vermitteln kann.
  • banda69 17.02.2020 22:44
    Highlight Highlight Das geht mir unglaublich nahe.
    Die Gefühle fahren Achterbahn.
    Schmerz. Wut. Trauer.
    Und ich bin zutiefst beeindruckt von Jasmin. 🙏❤️


    Vor vielen Jahren habe ich einen Jugendfreund von mir an die Drogen verloren. Ein unglaublich lieber und intelligenter Kerl. Mit 12 Alk, später Kiffen. Und dann Platzspitz und Härteres. Bis zum goldenen Schuss in einer Toilette.
  • amalen 17.02.2020 21:54
    Highlight Highlight Vielen Dank watson, dass ihr ein weiteres Mal die Thematik suchtkranker Eltern aufgegriffen habt und auch danke Jasmin für das Erzählen Deiner Geschichte.
    Auch ich habe meine ersten 8 Lebensjahre mit drogensüchtigen Eltern verbracht. Heute bin ich 26 und habe oft das Bedürfnis (gerade im Moment, wo ich dem Thema in den Medien begegne) mich mit Menschen, die ähnliches erlebt haben, auszutauschen. Weiss jemand ein solcher Ort oder eine solche Plattform, wo ein Austausch stattfindet oder gibt es vielleicht weitere "Platzspitzbabies", die sich so einen Austausch wünschen?
  • atorator 17.02.2020 20:44
    Highlight Highlight Bin mit einer schwer depressiven Mutter aufgewachsen. Und nicht so daher gesagt, schwer, sondern im klinischen Sinn. Jahrelang täglich zum Psychiater. Niemand durfte ein falsches Wort sagen, cholerische Anfälle und Instabilität. Megalustig als Kind...
  • emilybrontë 17.02.2020 14:56
    Highlight Highlight Ich verstehe an der Geschichte vor allem nicht, warum man die Kinder voneinander getrennt hat.

    Selbst wenn eine Heimplatzierung vielleicht das Beste war (kann ich nicht beurteilen) und selbst wenn es dort keine Gewalt gegeben hätte, bleibt die Trennung von den Eltern doch was Krasses für Kinder. Schön, wenn wenigstens ein Geschwister da ist!

    Selbst wenn man herzlos und ökonomisch denken will: Warum diese Ressource verschwenden??
    • Asha 17.02.2020 19:22
      Highlight Highlight Grundsätzlich versucht man dies heute wann immer möglich zu vermeiden und eben diese „Ressource“ nicht zu verschwenden. Wenn jedoch für ein Kind die Möglichkeit besteht, in einer Familie platziert zu werden und diese Familie keine zwei Kinder aufnehmen will, stellt sich bereits wieder die Frage nach der richtigen Entscheidung.
  • Name_nicht_relevant 17.02.2020 14:46
    Highlight Highlight Meine Mutter hat statt Drogen lieber einen Stock genommen und aus Übervorderungen oft zugeschlagen, Sie war Jung und plötzlich Alleine in einem Fremden Land mit 5 Kindern. Ich musste ebenso früh die Mutterrolle übernehmen und muss es heute noch, jedoch helfen mir heute meine Geschwister. Es war wirklich eine harte Zeit und ich bin so oft weggelaufen und habe mich geritzt und war verzweifelt. Wollte ich reden, wurde alles schlimmer. Sie hat so recht es braucht mehrere Wege für Kinder und fremdplatzieren ist leider nicht immer die Lösung. Falls du Hilfe brauchst melde dich, ich bin dabei.
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 17.02.2020 14:32
    Highlight Highlight Wenn Drogenkonsumenten einfach ihre Drogen konsumieren und es unterlassen würden, Kinder in die Welt zu setzen, hätten wir einige Probleme weniger.

    Ich komme nur schon kaum nach, rauchenden Müttern jeweils zu sagen, sie sollten nicht so egoistisch sein und ihrem Kind doch auch gleich eine Zigi ins Maul stecken. Deren Blicke: Unbezahlbar.
    • loewenzahnkind 17.02.2020 19:49
      Highlight Highlight Ich kann verstehen das sie wütend werden wenn jemand Drogen konsumiert und jeder selber verantwortlich ist für sein handeln. Jedoch gibt es genügend Eltern die kein Suchtproblem haben und es besser wäre sie hätten keine Kinder.
      Doch soll es hier mit meiner Geschichte NICHT der Konsum von Drogen im Fokus liegen, sondern was verbessert oder geändert werden kann. Auch wenn ich mit dem Finger auf andere Zeige und Urteile ist das Problem nicht gelöst. Urteilungen führen vielmehr dazu das Kinder nicht darüber reden aus Angst. So wird die Situation der Kinder nur noch schlimmer durch das Schweigen!
    • Pitefli 17.02.2020 21:14
      Highlight Highlight Ich würde jetzt nicht so weit gehen und Raucher und Junkies in einem Zug erwähnen aber die Mütter die vor ihren Kindern oder auf dem Spielplatz rauchen, kann ich einfach nicht verstehen
  • Hustler 17.02.2020 13:47
    Highlight Highlight Was mich immer so traurig macht ist, dass Kinder die ehh schon unten durch müssen auch noch z.b in Heimen schikaniert werden.
  • Toerpe Zwerg 17.02.2020 13:15
    Highlight Highlight Suchtproblem? Ich rauche
    • Mia_san_mia 17.02.2020 16:26
      Highlight Highlight Ja und?
    • Maracuja 17.02.2020 17:58
      Highlight Highlight Hoffentlich nicht in der Wohnung!
  • stevemosi 17.02.2020 12:19
    Highlight Highlight Ich erlebte als Kind zwei Tote mit goldenem Schuss in der Wohnung meines Vaters.
    Manchmal ist/wäre ein Heim besser für das Kindwohl
    • loewenzahnkind 17.02.2020 13:41
      Highlight Highlight Lieber stevemosi, das tut mir sehr leid zuhören was du erleben musstest, dass hat kein Kind verdient :-( Mit meiner Geschichte möchte ich das Tabu Thema brechen und niemals behaupten was richtig oder falsch ist. Es sind meine persönlichen Erfahrungen und sollte nicht mit anderen Kindern verglichen werden. In deinem Fall wäre eine Umplatzierung besser gewesen, ganz klar! Danke für deinen Kommentar und Mut darüber zusprechen.Nur mit den Stimmen von den vergessenen Kindern kann etwas bewirkt und verändert werden.
    • Mafi 17.02.2020 15:14
      Highlight Highlight Mein Beileid, ich hoffe du gehst deinen Weg.
    • stevemosi 17.02.2020 17:02
      Highlight Highlight @Mafi. Darauf kannst du einen lassen. Ich hatte genug Kraft aus den Fehlern meiner Familie zu lernen. Aber ich sage immer es ist 50/50 entweder du lernst daraus oder wirst selber ein wrack. Ich hatte glück und einen gefestigten charakter...
      @loewenzahnkind: absolut. Ich wollte auch deinen (hammer) Bericht nicht kritisieren, sondern aufzeigen dass manchmal pest halt besser ist als cholera. Aber nochmals: super artikel und danke für den Mut
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lolus 17.02.2020 12:08
    Highlight Highlight Wow! Solche Artikel machen mich sprachlos. Die Kraft, das Verständnis und der unglaubliche Wille von Jasmin ist unglaublich.
    Ich habe in meiner Kindheit ebenfalls ähnliches erlebt, nicht aus den gleichen Gründen, nicht so extrem und trotzdem ist mir das so bekannt und nah.
    Das Gefühl wenn man als Kind seine Mutter am Boden findet, nicht ansprechbar und man plötzlich Erwachsen sein muss, phuuh Erinnerungen...
    @Jasmin Wenn ich dich irgendwie bei deinem Vorhaben untersützen kann würd ich mich freuen! Eventuell kann Watson einen Kontakt herstellen?
    • Magenta 17.02.2020 15:03
      Highlight Highlight @Lolus, Du sprichst mir aus dem Herzen. Bei mir war es leider auch so. Meine Mutter ist schwerst depressiv und war nicht in der Lage, sich um mich zu kümmern. Ich fand sie regelmässig irgendwo in der Wohnung am Boden liegend vor. Mich hat der Film "Platzspitzbaby" extrem berührt, es ist sehr vieles wieder hochgekommen, auch wenn meine Geschichte nicht mit Drogen zu tun hatte.
  • Hoci 17.02.2020 10:56
    Highlight Highlight Was ich draus ziehe. Aich wenn die Eltern eine Katastropge sind sollte man nicht sofort nach Kinder wegnehmen schreien, eeil Heime Eltern nicht annähernd ersetzen können. Wenn schon Pflegefamilien.wäre wohl besser gewesen sie jung ganz rauszunehmen bis die Eltern länger clean sind.
    • Pümpernüssler 17.02.2020 13:12
      Highlight Highlight Ich war 5 Jahre in einem Kinderheim. War die beste Zeit meiner Kindheit. Gibt überall schwarze Schafe. Heime als Schlecht darstellen ist viel zu überspitzt.
    • loewenzahnkind 17.02.2020 13:51
      Highlight Highlight Wie ich schon im Video gesagt habe ,sind dies meine Erfahrungen. Es ist nicht fair und nicht richtig pauschal zu sagen das ein Kinderheim schlecht ist. Es gibt so tolle Betreuer die mit Herz dabei sind und nur das beste für die Kinder wollen. Auch eine Pflegefamilie heisst nicht das es besser ist als ein Kinderheim, denn auch dort gibt es Kinder die schlechte Erfahrungen machen müssen. Meine Botschaft mit meiner Geschichte ist zu zeigen was ein Kind braucht! Und dies kann ein Kind in einem Kinderheim, Pflegefamilie oder in einer sehr streng betreuter Familie mit Suchtprobleme bekommen.
    • Hoci 18.02.2020 02:39
      Highlight Highlight Ok danke für den Input, dachte im Kinderheim gäbe es zu wenig persönliche Wärme und Aufmerksamkeit.
  • nafets 17.02.2020 10:41
    Highlight Highlight eine wirklich traurige, aber trotzdem positiv-endende Geschichte die berührt...
    für mich nicht nachvollziehbar ist die Tatsache, dass x-Parteien für auswärtige Themen, welche sich politisch gut bis sehr gut vermarkten lassen, Millionen ausgeben und hier in der Schweiz geschehen solche tragische Ereignisse und die Politik schaut weg, wohl zu heikel diese Themen. wenn nur 20% von all den Geldern, welche "freundlicherweise" in Ausland wandern, hier für solche Themen eingesetzt würden, dann gäbe es definitiv weniger solche Schicksalsschläge - aber eben - damit brüstet sich ja eh kein Politiker..
    • Lolus 17.02.2020 14:48
      Highlight Highlight Humanitäre Unterstützung ist im In- und Ausland wichtig und meiner Ansicht nach unerlässlich.
      Das ist auch BEIDES möglich! Verstehe nicht wie man hier jetzt wieder das Thema Ausland bringen kann und dann noch mit den hübschen Anführungszeichen... Glauben Sie mir wenn ich sage das sich Politiker auch sehr gut mit Unterstützung im Inland profilieren können.
    • SanchoPanza 17.02.2020 15:49
      Highlight Highlight ja los nafets, dann setzen sie ihre Stimme ein das ALLE Parteien für sich Unterstützung von hier wohnhaften Familien einsetzen. Aber nein, es sind immer die anderen gell...
    • nafets 18.02.2020 11:15
      Highlight Highlight @SanchoPanza - Sie können versichert sein, dass ich meinen Teil dazu beitrage, um aktive Unterstützung von Familien, Einzelpersonen, Benachteiligte Menschen mit Handicap etc. sicherzustellen und zu gewährleisten. und ja - es sind wirklich viele Andere unterwegs, die diese Taten und Gedanken ganz stark vermissen lassen.
  • Hummingbird 17.02.2020 09:45
    Highlight Highlight Ich würde am liebsten alle betroffenen Kinder umarmen und ihnen eine schöne, unbeschwerte Kindheit ermöglichen. Zum Glück hat Jasmin einen guten Draht zum Vater. Dies hat ihr bestimmt die Resilienz gegeben, um nicht auch abzustürzen. Traurig ist, dass schon Kinder nicht offen über ihr Leid reden können und so alleine sind damit. Toll möchte Jasmin etwas auf die Beine stellen, um dies zu ändern. Was mich in der Gesellschaft immer wieder schockiert ist, wie schnell Leute einen Bogen um "Auffällige" macht. Das beginnt schon im Kindergarten.
    • De-Saint-Ex 17.02.2020 12:06
      Highlight Highlight Danke für diesen Kommentar! Insbesondere als direkt Betroffener (Kind süchtiger Eltern, dann selber süchtig und seit ein paar Jahren clean und trocken) tun solche Bekundungen einfach gut.
    • Commander Salamander 17.02.2020 13:09
      Highlight Highlight Alles Gute für dich, De-Saint-Ex!
    • jimmyspeakstruths 17.02.2020 13:25
      Highlight Highlight Es liegt bei uns selbst was wir zulassen wollen. Sei es der Junkie oder Alki an dem alle vorbeilaufen oder die Kinder von Problemfällen, die Kollegen und Freunde von betroffenen die aus scham nicht helfen wollen.... es ist schwer, hart und wird nicht gedankt, aber genau deswegen müssen wir ALLE hinschauen und helfen.

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