DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Fall Walker: Oberstaatsanwalt erhebt erneut schwere Anschuldigungen: «Das ist für die ‹Rundschau› mehr als peinlich»

Die Komplott-Theorie der «Rundschau» sei von der SRF-Sendung konstruiert worden, hielt der Urner Oberstaatsanwalt Imholz im Fall Ignaz Walker vor Gericht fest. Das beweise ein Aktenstück, das an Walkers Wohnort sichergestellt worden war.
30.10.2015, 12:1730.10.2015, 15:53
Carmen Epp
Oberstaatsanwalt Thomas Imholz.<br data-editable="remove">
Oberstaatsanwalt Thomas Imholz.
Bild: KEYSTONE

Der Fall Walker – ein Überblick:

  • Der Erstfelder Cabaretbetreiber Ignaz Walker soll im November 2010 einen Killer beauftragt haben, um seine damalige Ehefrau umzubringen.
  • Mit der Waffe, mit welcher der Auftragskiller geschossen haben soll, soll Walker selber im Januar 2010 auch auf einen holländischen Gast, Johannes Peeters, geschossen haben.
  • Das Urner Landgericht verurteilte Walker 2012 für die beiden Taten zu zehn Jahren Haft, ein Jahr später erhöhte das Obergericht die Strafe auf 15 Jahre.
  • Das Bundesgericht hob das Urteil gegen Walker im Dezember 2014 auf.
  • Recherchen der «Rundschau» hatten bereits Zweifel an der Schuld Walkers gesät. Diese wurden im Laufe des Prozesses der Berufungsverhandlung bestätigt.
  • Die Staatsanwaltschaft ist mit dem Vorwurf konfrontiert, sie soll den Aufenthaltsort des Kronzeugen, Johannes Peeters, verheimlicht haben.

Linus Jaeggi, der Verteidiger von Ignaz Walker, hatte am Mittwoch dargelegt, dass sämtliche Akten des Falls «vergiftet» seien. Dies, da man nun, nachdem die Staatsanwaltschaft offenbar die Unwahrheit bezüglich Peeters gesagt habe, nicht mehr wisse, was in den Akten nun wahr ist oder nicht. Oberstaatsanwalt Thomas Imholz ging in seinem Parteivortrag am Freitag, 30. Oktober, vor Gericht nicht gross auf die Ausführungen von Linus Jaeggi ein. Viel wichtiger sei das Dokument, das am Mittwoch zu den Akten genommen wurde.

Stellungnahme: So reagiert die «Rundschau»
«Vorwürfe der Einflussnahme auf das Gericht weist die Rundschau dezidiert zurück. Der für den Auftragsmord-Versuch verurteilte Sasa Sindelic rückte gegenüber der Rundschau nur häppchenweise mit der neuen Tatversion heraus. Darum hat ihn die Rundschau mehrmals interviewt.
Das jetzt diskutierte Schriftstück belegt eben gerade, dass die Rundschau auch die Aussagen von Sindelic kritisch hinterfragt und nochmals bei ihm nachgehakt hat. Selbstverständlich haben wir die Staatsanwaltschaft und auch den Verteidiger von Ignaz Walker immer wieder mit den Recherche-Ergebnissen konfrontiert.
Die Rundschau hat nie Schuldzuweisungen an bestimmte Personen gemacht, sondern lediglich Zweifel an der Theorie der Staatsanwaltschaft thematisiert.»

Es handelt sich um einen Brief von Sindelic an die «Rundschau», welcher im September in Walkers ehemaliger Wohnung in Ebikon gefunden worden war. Damit sei der Beweis erbracht, dass Walker und Jaeggi direkten Kontakt mit Sindelic oder der «Rundschau» hatten – und das Interview von Sindelic in der «Rundschau» zur Verteidigungsstrategie von Jaeggi gehört habe, so Imholz. Die ungeschwärzte Version, die Sindelic der «Rundschau» im April schilderte, enthalte auch keinen unbekannten Schützen. Vielmehr nenne Sindelic hier den Freund von Nataliya K. als Schützen.

    Fall Walker
    AbonnierenAbonnieren

Da diese Version nicht aufgegangen sei, so Imholz, musste ein unbekannter Schütze her. Dieses Schreiben sei auch für die «Rundschau» «mehr als peinlich», so Imholz. Es bedeute nämlich den endgültigen Beweis dafür, dass die Story vom Mordkomplott konstruiert und Sindelic zu Aussagen gedrängt wurde. Claudia Zumtaugwald, die Anwältin von Nataliya K., ging sogar noch weiter. Die «Rundschau» habe mit diesem Vorgehen aktive Hilfe zu Falschanschuldigungen geleistet. Vielleicht aus Dummheit oder Unbedarftheit, so Zumtaugwald. Oder aus der bösen Absicht, die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen.

Nach und nach zur Wahrheit gestossen

Ignaz Walker (r.) und sein Verteidiger<br data-editable="remove">
Ignaz Walker (r.) und sein Verteidiger
Bild: KEYSTONE

Jaeggi wies die Vorwürfe zurück. Er sei von der «Rundschau» mit dem Brief von Sindelic konfrontiert worden und habe seine Zweifel geäussert, dass wirklich Claudio V. der Schütze sein könne. Dann, so Jaeggi, habe die «Rundschau» weiter recherchiert und sei so nach und nach zur Wahrheit gestossen. Ausserdem handle es sich bei dem Brief um Anwaltspost, die nicht zu Ungunsten von Walker gewertet werden dürfe.

Der Verteidiger bekräftigte daraufhin noch seine bereits am Mittwoch vorgetragenen Beweisanträge: Die Akten Peeters vollständig beizuziehen und Heinz Gisler vom Landgericht zu befragen. Er soll sagen, von wem er im Oktober 2012 erfahren hatte, dass Peeters möglicherweise in U-Haft sitzt. Sowohl Imholz als auch Zumtaugwald wehrten sich gegen die Beweisanträge.

Bild: KEYSTONE

Auf die erneute Frage von Jaeggi an die Adresse von Imholz, wieso er sein Wissen um Peeters nicht preisgegeben hatte, wich Imholz aus. Bereits 2012 habe sowohl das Gericht als auch die Verteidigung gewusst, dass Peeters möglicherweise in U-Haft sitze. «Zum Zeitpunkt, als Peeters gesucht wurde, kannte die Staatsanwaltschaft den Aufenthaltsort nicht. Sonst hätte sie ihn genannt», so Imholz.

Ob die Beweisanträge gutgeheissen werden oder nicht, hat das Gericht noch nicht entschieden. Am Nachmittag hält Ignaz Walker das letzte Wort.

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

22 Jahre irrtümlich Schweizer – Winterthurer blitzt vor Bundesgericht ab

Ein Winterthurer, der 22 Jahre lang fälschlicherweise als Schweizer registriert war, kann seine Situation nicht durch eine erleichterte Einbürgerung regeln. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Mannes abgewiesen.

Der Mann wurde 1993 als Kind einer französisch-schweizerischen Mutter und eines libanesischen Vaters in Winterthur geboren. Die Mutter hatte das Schweizer Bürgerrecht durch die Heirat mit einem Schweizer erworben. In einem solchen Fall sah die damalige Rechtslage vor, dass ein Kind …

Artikel lesen
Link zum Artikel