Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.


Fall Walker: Oberstaatsanwalt erhebt erneut schwere Anschuldigungen: «Das ist für die ‹Rundschau› mehr als peinlich»

Die Komplott-Theorie der «Rundschau» sei von der SRF-Sendung konstruiert worden, hielt der Urner Oberstaatsanwalt Imholz im Fall Ignaz Walker vor Gericht fest. Das beweise ein Aktenstück, das an Walkers Wohnort sichergestellt worden war.

Carmen Epp

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz auf dem Weg zum Rathaus in Altdorf am Freitag, 30. Oktober 2015, wo der Prozess gegen den angeklagten Erstfelder Barbetreiber Ignaz Walker fortgesetzt wird. Das Obergericht Uri verurteilte Walker im September 2013 wegen versuchter vorsaetzlicher Toetung und versuchten Mordes in Mittaeterschaft zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren und erhoehte damit die vom Landgericht verhaengte Strafe um 5 Jahre. Im Dezember 2014 hiess das Bundesgericht eine Beschwerde Walkers teilweise gut, hob das Urteil auf und schickte den Fall zur Neubeurteilung ans Obergericht Uri zurueck. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz.
Bild: KEYSTONE

Der Fall Walker – ein Überblick:

Linus Jaeggi, der Verteidiger von Ignaz Walker, hatte am Mittwoch dargelegt, dass sämtliche Akten des Falls «vergiftet» seien. Dies, da man nun, nachdem die Staatsanwaltschaft offenbar die Unwahrheit bezüglich Peeters gesagt habe, nicht mehr wisse, was in den Akten nun wahr ist oder nicht. Oberstaatsanwalt Thomas Imholz ging in seinem Parteivortrag am Freitag, 30. Oktober, vor Gericht nicht gross auf die Ausführungen von Linus Jaeggi ein. Viel wichtiger sei das Dokument, das am Mittwoch zu den Akten genommen wurde.

Stellungnahme: So reagiert die «Rundschau»

«Vorwürfe der Einflussnahme auf das Gericht weist die Rundschau dezidiert zurück. Der für den Auftragsmord-Versuch verurteilte Sasa Sindelic rückte gegenüber der Rundschau nur häppchenweise mit der neuen Tatversion heraus. Darum hat ihn die Rundschau mehrmals interviewt.
Das jetzt diskutierte Schriftstück belegt eben gerade, dass die Rundschau auch die Aussagen von Sindelic kritisch hinterfragt und nochmals bei ihm nachgehakt hat. Selbstverständlich haben wir die Staatsanwaltschaft und auch den Verteidiger von Ignaz Walker immer wieder mit den Recherche-Ergebnissen konfrontiert.
Die Rundschau hat nie Schuldzuweisungen an bestimmte Personen gemacht, sondern lediglich Zweifel an der Theorie der Staatsanwaltschaft thematisiert.»

Es handelt sich um einen Brief von Sindelic an die «Rundschau», welcher im September in Walkers ehemaliger Wohnung in Ebikon gefunden worden war. Damit sei der Beweis erbracht, dass Walker und Jaeggi direkten Kontakt mit Sindelic oder der «Rundschau» hatten – und das Interview von Sindelic in der «Rundschau» zur Verteidigungsstrategie von Jaeggi gehört habe, so Imholz. Die ungeschwärzte Version, die Sindelic der «Rundschau» im April schilderte, enthalte auch keinen unbekannten Schützen. Vielmehr nenne Sindelic hier den Freund von Nataliya K. als Schützen.

Da diese Version nicht aufgegangen sei, so Imholz, musste ein unbekannter Schütze her. Dieses Schreiben sei auch für die «Rundschau» «mehr als peinlich», so Imholz. Es bedeute nämlich den endgültigen Beweis dafür, dass die Story vom Mordkomplott konstruiert und Sindelic zu Aussagen gedrängt wurde. Claudia Zumtaugwald, die Anwältin von Nataliya K., ging sogar noch weiter. Die «Rundschau» habe mit diesem Vorgehen aktive Hilfe zu Falschanschuldigungen geleistet. Vielleicht aus Dummheit oder Unbedarftheit, so Zumtaugwald. Oder aus der bösen Absicht, die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen.

Nach und nach zur Wahrheit gestossen

Ignaz Walker, rechts, und sein Anwalt Linus Jaeggi, links, auf dem Weg zum Rathaus in Altdorf am Freitag, 30. Oktober 2015, wo der Prozess gegen den angeklagten Erstfelder Barbetreiber fortgesetzt wird. Das Obergericht Uri verurteilte Walker im September 2013 wegen versuchter vorsaetzlicher Toetung und versuchten Mordes in Mittaeterschaft zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren und erhoehte damit die vom Landgericht verhaengte Strafe um 5 Jahre. Im Dezember 2014 hiess das Bundesgericht eine Beschwerde Walkers teilweise gut, hob das Urteil auf und schickte den Fall zur Neubeurteilung ans Obergericht Uri zurueck. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Ignaz Walker (r.) und sein Verteidiger
Bild: KEYSTONE

Jaeggi wies die Vorwürfe zurück. Er sei von der «Rundschau» mit dem Brief von Sindelic konfrontiert worden und habe seine Zweifel geäussert, dass wirklich Claudio V. der Schütze sein könne. Dann, so Jaeggi, habe die «Rundschau» weiter recherchiert und sei so nach und nach zur Wahrheit gestossen. Ausserdem handle es sich bei dem Brief um Anwaltspost, die nicht zu Ungunsten von Walker gewertet werden dürfe.

Der Verteidiger bekräftigte daraufhin noch seine bereits am Mittwoch vorgetragenen Beweisanträge: Die Akten Peeters vollständig beizuziehen und Heinz Gisler vom Landgericht zu befragen. Er soll sagen, von wem er im Oktober 2012 erfahren hatte, dass Peeters möglicherweise in U-Haft sitzt. Sowohl Imholz als auch Zumtaugwald wehrten sich gegen die Beweisanträge.

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz betritt das Rathaus in Altdorf am Freitag, 30. Oktober 2015, wo der Prozess gegen den angeklagten Erstfelder Barbetreiber Ignaz Walker fortgesetzt wird. Das Obergericht Uri verurteilte Walker im September 2013 wegen versuchter vorsaetzlicher Toetung und versuchten Mordes in Mittaeterschaft zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren und erhoehte damit die vom Landgericht verhaengte Strafe um 5 Jahre. Im Dezember 2014 hiess das Bundesgericht eine Beschwerde Walkers teilweise gut, hob das Urteil auf und schickte den Fall zur Neubeurteilung ans Obergericht Uri zurueck. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Bild: KEYSTONE

Auf die erneute Frage von Jaeggi an die Adresse von Imholz, wieso er sein Wissen um Peeters nicht preisgegeben hatte, wich Imholz aus. Bereits 2012 habe sowohl das Gericht als auch die Verteidigung gewusst, dass Peeters möglicherweise in U-Haft sitze. «Zum Zeitpunkt, als Peeters gesucht wurde, kannte die Staatsanwaltschaft den Aufenthaltsort nicht. Sonst hätte sie ihn genannt», so Imholz.

Ob die Beweisanträge gutgeheissen werden oder nicht, hat das Gericht noch nicht entschieden. Am Nachmittag hält Ignaz Walker das letzte Wort.

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Cavi 30.10.2015 16:28
    Highlight Highlight Merkt ihr Leser und Journis nicht, wie einseitig die Berichterstattung Richtung Sensationslust geht? Ich selber habe in einem Teil des Falles genaue Kenntnis und muss erkennen, dass auch hier in watson die Dinge vollständig verdreht geschrieben wurden. Dies aus Unkenntnis. Man gibt sich offenbar wenig Mühe, die Dinge wirklich zu verstehen. Und wenn dann die Urner trotzig reagieren, ist das Unverständnis noch grösser. Wenn der Verteidiger die Dinge verdreht, ist das sein Recht. Aber glauben muss man ihm nicht alles, ohne selber das Hirn einzuschalten.
    • chrisdea 31.10.2015 18:56
      Highlight Highlight Dann erleuchte uns bitte...
    • Cavi 08.11.2015 21:01
      Highlight Highlight Würde ja gerne, darf aber nicht. Wenn alles vorbei ist, erkläre ich gerne alles, aber dann interessiert es ja niemand mehr. Komisch nur, dass die Schlusswertung der Varianten, die dem Tagi und der Rundschau über die Verteidigung im Original vorlagen, nie von diesen Medien kommentiert wurde. Auch nicht, weshalb die Variante der Verteidigung nicht funktioniert. So wie es klar und deutlich vor Gericht erklärt wurde. Ist wohl keine genug grosse Sensation, wenn etwas klar erklärt wird. Nur dann wenn etwas vermeintlich komisches passiert, das niemand erklärt.

Gewusst? Im Kanton Uri darfst du mit einem Funkgerät keine Pilze sammeln

Pilze suchen mit Hilfe von Funkgeräten ist im Kanton Uri verboten. Diese Regel könnte Justizdirektorin und Ex-Bundesratskandidatin Heidi Z’graggen den rostigen Paragraphen bescheren, den die IG Freiheit alljährlich für das dümmste Gesetz verleiht.

Die Trophäe ist 35 Zentimeter hoch, etwa zwei bis drei Kilogramm schwer – und der «Lohn» für das dümmste und unnötigste Gesetz: Der rostige Paragraph, den die IG-Freiheit jedes Jahr Politikern oder Behördenvertretern verleiht.

Der bis jetzt prominenteste Preisträger ist der ehemalige Verkehrsminister Moritz Leuenberger. Sein Departement installierte 2010 eine Kindersitzpflicht für Kinder bis 12 Jahre.

In diesem Jahr figuriert im fünfköpfigen Kandidatenfeld zwar kein Bundesrat, aber immerhin …

Artikel lesen
Link zum Artikel