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In Dänemark wurde die Briefpost abgeschafft – Vorbild für die Schweiz?

Ein Bild der Vergangenheit: Die legänderen roten Briefkästen wurden in Dänemark abgebaut.
Ein Bild der Vergangenheit: Die legänderen roten Briefkästen wurden in Dänemark abgebaut.Bild: imago

In Dänemark wurde die Briefpost abgeschafft – Vorbild für die Schweiz?

Die staatliche Post liefert in Dänemark nur noch Pakete aus. Will wirklich niemand mehr Briefe und Postkarten verschicken?
03.01.2026, 07:0603.01.2026, 07:06
Raffael Schuppisser / ch media

«Der Postbote klingelt immer zweimal», heisst ein bekannter Roman. In Dänemark klingelt er gar nicht mehr. Er kommt nicht mehr vorbei, bringt kein eingeschriebenes Senden an die Tür und wirft keine Briefe ein. Der Staatsbetrieb Postnord hat die Briefzustellung ab diesem Jahr komplett eingestellt und liefert nur noch Pakete aus.

Was sich in Bits und Bytes darstellen lässt, muss nicht in einen Umschlag gesteckt werden. Und das ist in Dänemark fast alles. Seit das Land vor 15 Jahren ein digitales Identifikationssystem eingeführt hat, werden offizielle Dokumente von Behörden und Banken konsequent übers Internet verschickt. Seit dem Jahr 2000 ist der Briefversand um 90 Prozent zurückgegangen.

Da ist es nur folgerichtig, dass man 400 Jahre nach der Gründung der Briefpost diese abschafft und Tausende öffentliche Briefkästen abbaut. Braucht kein Mensch mehr. Dass 1500 Briefträger ihren Job verlieren, muss man irgendwie in Kauf nehmen, man kann sie ja nicht aus folkloristischen Gründen durch die Dörfer fahren lassen.

Der Schweizer Infrastrukturminister Albert Rösti (SVP) und der Postpräsident Christian Levrat werden genau nach Dänemark blicken, wenn sie nach guten Argumenten suchen, um auch hierzulande die Briefpost nicht mehr täglich und nicht mehr innerhalb eines Tages auszuliefern.

Der Medienwandel ist eine Tatsache. Dennoch fragt man sich, ob in einem veränderten Mediensystem der Brief oder die Postkarte nicht doch eine Bedeutung bewahren können. Das Telefon hat ja durch die Videotelefonie auch nicht ausgedient, ebenso wenig das Radio nach der Erfindung des Fernsehens. Für viele ist ein Brief wertvoller, persönlicher: weil man ihn anfassen kann, weil er womöglich sogar von Hand geschrieben ist.

Auch in Dänemark wird das fortan so bleiben. Denn in die Bresche des Poststellenkahlschlags springen private Unternehmen, die nach wie vor Briefe und Postkarten zustellen. Das ist nicht mehr ganz so einfach und kostet mehr – der Wert des Briefes wird dadurch aber nur gesteigert. Wer zum nächsten Jahreswechsel in Dänemark noch Glückwünsche auf einer Postkarte erhält, wird sich darüber umso mehr freuen. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: museum für kommunikation, plk_02042
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Dieser «Bote» wollte etwas anderes, als die Post bringen – das ging in die Hose
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129 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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magicfriend
03.01.2026 07:47registriert Oktober 2014
Ganz kurz zu den Fakten:
- die Schweiz hat kein einheitliches digitales ID-System
- Bargeld hat noch einen hohen Stellenwert
- UKW wird wieder aufgeschaltet
- alleine bei Rechnungen werden noch weit über 25% physisch per Post versendet
Sind wir so weit? Nein, wir sind nicht so weit.
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darmflora
03.01.2026 09:16registriert März 2021
Die Dänen haben neben der digitalen ID aber auch schon seit ca. 15 Jahren ein digitales und gesichertes Bürgerpostfach für den amtlichen Schriftverkehr und medizinischen Angaben, das auch von Firmen etc. genutzt werden kann. Also überhaupt nicht zu vergleichen mit unserem Stand der digitalen Kommunikation.
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Gina3
03.01.2026 08:36registriert September 2023
Ich schreibe gerne Postkarten und Briefe und freue mich auch, wenn ich welche erhalte.
Das ist etwas Besonderes, persönlicher als eine WhatsApp-Nachricht oder eine SMS.
Außerdem besteht die Hoffnung, dass man beim Schreiben von Hand etwas mehr nachdenkt als bei Posts/ Tweets in den sozialen Medien.
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