Schweiz
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Nachbefragung auf dem Prüfstand

Wie entsteht eigentlich eine VOX-Analyse? Eine Erklärung in fünf Schritten

Inzwischen ist der Begriff VOX-Analyse in aller Munde. Wir erklären hier, wie sie genau gemacht wird und wer für die einzelnen Arbeitsschritte zuständig ist. 



Um die Ergebnisse besser zu verstehen, werden nach eidgenössischen Abstimmungen Nachbefragungen durchgeführt. An den VOX-Analysen sind die Firma gfs.bern sowie die politikwissenschaftlichen Institute der Universitäten Bern, Genf und Zürich beteiligt. 

Die Arbeitsteilung zwischen gfs.bern und den Universitäten ist klar geregelt. Die VOX-Analyse erfolgt in fünf Schritten: 

1. Fragebogen ausarbeiten

Das Forschungsinstitut gfs.bern erarbeitet in Zusammenarbeit mit den universitären Instituten einen Fragebogen mit ungefähr 40 Fragen. Die Anzahl der Fragen variiert und hängt von den Abstimmungsvorlagen ab.

Abgefragt werden einerseits Angaben zur Person, darunter Alter, Bildung, Beruf und Einkommen. Andererseits zur politischen Einstellung wie Parteipräferenz und politisches Interesse. Dazu kommen konkrete Fragen im Zusammenhang mit den jeweiligen Abstimmungen: Ob jemand an der Abstimmung teilgenommen hat, wie man sich informiert hat und welche Argumente aus dem Abstimmungskampf angekommen sind. Am Schluss wird nach dem Abstimmungsentscheid gefragt. 

2. Telefonisch befragen

Auf Basis dieses Fragebogens führt der gfs-befragungsdienst in den ersten zwei Wochen nach der Abstimmung sogenannte CATI-Interviews, d.h. computergestützte Telefoninterviews, durch. 

Die Interviewer arbeiten von zu Hause aus und sind über eine spezielle Software mit dem gfs-Labor verbunden. Ein solches Telefon-Interview dauert in der Regel nicht länger als 25 Minuten. 

Es werden Interviews mit rund 800 Personen aus der Deutschschweiz, 400 aus der Romandie und 300 aus dem Tessin gemacht. Wichtig ist, dass in der Stichprobe anteilsmässig gleich viele Frauen und Männer sowie Personen pro Altersgruppe enthalten sind, wie sie auch in der Gesamtbevölkerung vorkommen. 

Um auf die angestrebten 1500 Interviews zu kommen, müssen allerdings wesentlich mehr Festnetznummern angewählt werden. Längst nicht jede zufällig ausgewählte Nummer ist noch gültig und viele erreichte Personen lehnen eine Teilnahme ab. Wegen dieser hohen Ausfallquote hat man es nicht mehr mit einer Zufallsauswahl zu tun. 

Die Verweigerungsquote ist hierzulande allerdings etwa gleich gross wie in den USA oder in Deutschland. Ein anderes Befragungsinstitut in der Schweiz würde mit der gleichen Befragungsmethode sehr ähnliche Resultate erhalten.

3. Rohdaten erstellen

Alle Daten aus den Telefoninterviews werden von gfs.bern zu einem Datensatz zusammengeführt. Dies sind die sogenannten Rohdaten. Diese Rohdaten werden anschliessend einem der politikwissenschaftlichen Institute der Universitäten Bern, Genf oder Zürich übergeben. 

4. Gewichten und analysieren

Die eigentliche VOX-Analyse nimmt ungefähr einen Monat Zeit in Anspruch und wird an einer der drei genannten Universitäten nach einem festgelegten Turnus durchgeführt.

Dabei wird zum Beispiel untersucht, welchen Einfluss Parteizugehörigkeit oder das Alter auf den Abstimmungsentscheid hatten. Auch welche Argumente aus dem Abstimmungskampf überzeugt haben und welche nicht und wie sich die Befragten über die Vorlage informiert haben, lässt sich nun abschätzen.

Je nach Forschungsfrage werden die Daten gewichtet. Das bedeutet, dass den Antworten aus den Rohdaten mehr oder weniger Einfluss in der Analyse zugestanden wird. Dies ist notwendig, weil die Befragungsdaten kein Abbild der Gesamtbevölkerung sind: Besser informierte und stärker an Politik interessierte Personen gehen nicht nur häufiger abstimmen, sie sind auch eher bereit, an einer Befragung teilzunehmen. 

Mit diesem Problem sind alle Analysten konfrontiert. Die Verfahren zur Gewichtung der Daten sind unterschiedlich. Je schlechter die ursprüngliche Datenbasis, desto anspruchsvoller die Analyse und desto höher das nötige methodische Fachwissen.

Die Gewichtungsfaktoren für den Datensatz der VOX-Analysen werden den Universitäten vom Forschungsinstitut gfs.bern vorgegeben. Sie ergeben sich aus der langjährigen praktischen sowie methodischen Erfahrung von gfs.bern in der Schweiz. 

5. Ergebnisse veröffentlichen

Nach Abschluss der Analysen schreibt das universitäre Institut einen rund 40 Seiten umfassenden Bericht. Die Veröffentlichung des Berichts nimmt gfs.bern vor. 

Der wichtigsten Ergebnisse aus dem Forschungsbericht sind öffentlich einsehbar, wobei VOX-Abonnenten etwas früher Zugang erhalten. Die Daten der VOX-Analysen werden in der Schweizerischen Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften (FORS) in Lausanne archiviert. 

Je nach Publikumsinteresse nach einer bestimmten Abstimmung wird eine Medienkonferenz abgehalten. Dort informieren die Forscher der ausführenden Universität umfassend über alle gewonnenen Erkenntnisse und gehen auf journalistische Fragen mündlich ein. 

Die Berichterstattung über die vorgestellten Forschungsergebnisse und das Hervorheben einzelner Resultate liegt in der Verantwortung der verschiedenen Medienhäuser. 

Sarah Bütikofer 

Sarah Bütikofer ist Politikwissenschaftlerin. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Zürich und ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz. Für watson schreibt sie regelmässig über politik- und sozialwissenschaftliche Themen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lumpirr01 02.07.2014 15:09
    Highlight Highlight Tönt sehr wissenschaftlich, trotzdem habe ich so meine Zweifel betreffend korrekter Meinungsermittlung. Spricht der vom Institut beauftragte Anrufer ein perfektes akzentfreies Hochdeutsch, blockiert und hapert es bei den meisten Deutschschweizern in Form einer Abwehrreaktion.
  • papparazzi 23.04.2014 18:43
    Highlight Highlight interessanter Hintergrundbericht watson. Danke
  • Thomas F. 23.04.2014 14:43
    Highlight Highlight Danke für den Beitrag. Das klingt nach Hokuspokus, denn das Resultat am Telefon heute, könnte ja Morgen bereits anders klingen und längst nicht jeder ist bereit, ein 25 Minütiges Telefoninterview über sich ergehen zu lassen. Von mir aus könnte man in Zukunft auf solche Analysen verzichten.

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