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Gesellschaft & Politik

Sie war die erste Nationalrats-Präsidentin: Elisabeth Blunschy verstorben

Sie war die erste Nationalrats-Präsidentin: Elisabeth Blunschy verstorben

02.05.2015, 10:1502.05.2015, 12:28

Die ehemalige Schwyzer Nationalrätin Elisabeth Blunschy ist am Freitag im Alter von 92 Jahren gestorben, wie einer am Samstag publizierten Todesanzeige der Familie zu entnehmen ist. 1977 präsidierte die CVP-Politikerin als erste Frau den Nationalrat.

Elisabeth Blunschy wurde am 13. Juli 1922 in Schwyz geboren. Sie wuchs in Lausanne auf und besuchte später das Gymnasium in Freiburg. An den Universitäten Lausanne und Freiburg studierte sie Rechtswissenschaften. Das Studium schloss sie mit dem Doktorat ab. Im Kanton Schwyz erwarb sie sich das Anwaltspatent.

Elisabeth Blunschy mit ihrer Tochter, drei Tage nach ihrer Wahl im Bundeshaus.
Elisabeth Blunschy mit ihrer Tochter, drei Tage nach ihrer Wahl im Bundeshaus.Bild: KEYSTONE

In den Nationalrat gewählt, bevor das Frauenstimmrecht überall eingeführt wurde

Blunschy arbeitete in Frauenorganisationen, gemeinnützigen, konfessionellen und kulturellen Organisationen mit sowie in Expertenkommissionen des Bundes wie etwa jener zur Revision des Ehe- und Familienrechtes.

Elisabeth Blunschy 1977 in Schwyz.
Elisabeth Blunschy 1977 in Schwyz.Bild: KEYSTONE

In den sechziger Jahren engagierte sich Elisabeth Blunschy für das Frauenstimmrecht. 1971 wurde sie als erste Schwyzerin in den Nationalrat gewählt. Dies, obwohl der Kanton Schwyz das Frauenstimmrecht erst ein Jahr später eingeführt hatte. Am 2. Mai 1977 übernahm mit ihr erstmals eine Frau das Nationalratspräsidium.

Zehn Jahre lang Präsidentin von Caritas

Im Nationalrat wirkte sie unter anderem als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission und präsidierte verschiedene andere Kommissionen. Insbesondere befasste sie sich mit Fragen des Asylwesens, der Entwicklungshilfe, der Umwelt und Gesundheit, des Ehe- und Kindesrechts sowie weiteren rechtlichen Themen. Blunschy stand dem christlich-sozialen Flügel der CVP nahe.

Elisabeth Blunschy war von 1977 bis 1987 auch Präsidentin der Caritas Schweiz. Nach dem Rücktritt als Nationalrätin 1987 engagierte sie sich politisch nicht mehr. 1981 erhielt sie den Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Universität Luzern.

2010 veröffentlichte Blunschy zusammen mit Heidy Gasser ein Buch mit dem Titel «Ein Leben für mehr soziale Gerechtigkeit». Darin lässt die Tochter des ersten Schwyzer Bundesrichters in Lausanne die Leser an ihren Jugenderinnerungen teilhaben. Als Frau eines christlich-sozialen Politikers und Anwalts erlebte sie den Alltag in Gemeinde, Bezirk und Kanton Schwyz. (lhr/sda)

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