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Der oberste Bauer zerzaust die Agrarpolitik des Bundes

Der oberste Bauer zerzaust die Agrarpolitik des Bundes

11.08.2020, 08:3711.08.2020, 08:37

Der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, Markus Ritter (CVP/SG), hat die Agrarpolitik des Bundes stark kritisiert. «Der Bundesrat will uns Bauern ein trojanisches Pferd schenken», mahnte er in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Dienstag.

Nationalrat Markus Ritter, Praesident Schweizer Bauernverband SBV, spricht an der Jahresmedienkonferenz des Schweizer Bauernverbands, am Freitag, 3. Januar 2020, in Worb. (KEYSTONE/Marcel Bieri)
Kämpft für die Sache der Bauern: Markus Ritter.Bild: KEYSTONE

«Dieses Geschenk mit seinem gefährlichen Inhalt dürfen wir nicht gutgläubig annehmen», betonte er. «Mich stört gewaltig, dass uns Landwirten im Inland immer noch mehr Vorschriften gemacht werden. Aber beim importierten Rindfleisch und Poulet schaut man in Bern einfach weg», erklärte Ritter.

Blockade bei Mercosur-Abkommen

Der Bund versuche, Standards zur Nachhaltigkeit in Freihandelsverträge aufzunehmen. Im Bericht zur Agrarreform stehe aber klar, dass Standards bei den Importen unmöglich seien. Da könne es nur einen 'Dialog' geben. «Wenn das Parlament uns Bauern so viele Vorschriften macht, wie die Agrarreform das vorsieht, kann ich den Freihandelsvertrag nicht akzeptieren. Dann werde ich Mercosur bekämpfen. Und zwar vehement», kündigte Ritter an.

Die Landwirtschaft habe nunmehr zwei Optionen: «Entweder wir bekommen mit den Stimmen des Freisinns eine wirtschaftsnahe Landwirtschaftspolitik, die beim Freihandel Möglichkeiten lässt. Oder wir nähern uns den Grünen an und machen beim Freihandel die Tür zu», sagte er weiter. Die Grünen seien da wenigstens konsequent, denn sie setzten die Latte für Schweizer Bauern hoch, aber sie forderten auch die gleichen Auflagen für importierte Produkte, erklärte Ritter diesbezüglich.

Weniger Selbstversorgung und mehr Bürokratie

Der Bauernverbandspräsident ist obendrein etwa mit dem Weg bei der Selbstversorgung der Schweiz unzufrieden. «Uns Bauern wurde vor drei Jahren im Parlament versprochen, dass die Schweiz den Grad der Selbstversorgung erhält, auch in Zukunft. Jetzt sagt der Bundesrat: Vergesst die Produktion - wir importieren mehr Essen», kritisierte er.

Gleichzeitig beklagte Ritter in dem Interview die steigende Bürokratie für die Landwirtschaft. «Die Agrarbürokratie überbordet in der Tat - und sie nimmt mit der Reform noch massiv zu», warnte er.

Als Beispiel nennt Ritter die Beiträge für Landschaftsqualität. «Ein Riesenaufwand. Ich habe die Administration mit dem Junior zusammen gemacht. Wir mussten messen, wie viel Umfang unsere Bäume haben. Wie lang unsere Holzzäune sind. Wie lang die Trockenmauern sind. Wir waren vier Stunden nur am Messen» erklärte er.

Jeder Betrieb müsse mit solchem Aufwand den ökologischen Leistungsnachweis erfüllen, hiess es zudem. Daher wäre Ritter schon froh, wenn es für Schweizer Landwirte nicht noch mehr Bürokratie gebe, betonte er gegenüber der «NZZ». (sda)

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