Die «Landfrauenküche» soll Männer diskriminieren – SRF-Redaktion wehrt sich
Die SRG-Sendungen werden über das Jahr verteilt praktisch dauernd Ziel von Kritik. Diese prasselt von rechts, von links und von ziemlich überall sonst auch auf die öffentlich-rechtliche Medienanstalt der Schweiz ein. Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer tun ihre Abneigung gegen gewisse Teile des TV- und Radioprogramms auch via Beschwerde bei der Ombudsstelle kund. Im vergangenen Jahr wurden über 1400 solche Beanstandungen bei der Stelle eingereicht. Besonders oft geht es um den Krieg in Nahost, worauf 2025 etwa ein Viertel aller Beanstandungen entfielen.
Doch auch andere Themen sorgen für Unmut. So hat es auch die beliebte Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» erwischt. Wie der Sonntagsblick berichtet, störte sich ein Zuschauer oder eine Zuschauerin an der Erfolgssendung über die Kulinarik in ländlichen Teilen der Schweiz. Ein Dorn im Auge ist der Person dabei, dass Frauen grossmehrheitlich im Zentrum der Aufmerksamkeit der Sendung stehen. Frauen würden darin «über Jahre hinweg als Protagonistinnen gezeigt, während andere Geschlechter faktisch ausgeschlossen bleiben». Weil Frauen im Haushalt, in der Küche und bei der Care-Arbeit gezeigt werden, würden zudem «traditionelle Rollenbilder unreflektiert reproduziert».
In der Beanstandung wird auch moniert, dass damit «Männer und andere Geschlechter weitgehend unsichtbar bleiben, was eine normative Wirkung und soziale Vorurteile verstärkt». Deshalb verstosse SRF mit der Sendung gegen die Gleichstellungsgesetze der Schweizer Bundesverfassung, die unter anderem besagen, dass niemand wegen des Geschlechts diskriminiert werden darf.
Die Redaktion der «Landfrauenküche» lässt diese Kritik nicht auf sich sitzen. Die Sendung, die bald das 20-Staffel-Jubiläum feiert, würde nicht für sich beanspruchen, eine umfassende Abbildung aller Geschlechterrollen in der Landwirtschaft wiederzugeben. Stattdessen zeige man einen Einblick «in einen bestimmten Ausschnitt der ländlichen Kultur und Tradition, der historisch und kulturell stark von Frauen geprägt ist».
Dass Stereotype und konservative Geschlechterrollen weitergegeben würden, weist das SRF ebenfalls zurück. Die Redaktion verweist darauf, dass sich die Sendung auch weiterentwickelt habe. Sei in den ersten Staffeln vor allem das Kochen im Vordergrund gestanden, würden die Frauen heute auch bei allerlei weiteren Arbeiten auf den Höfen gezeigt. Es handle sich oft um «moderne Landfrauen, (...), die als versierte Managerinnen die Familie, den Bauernhofbetrieb und oft ein zusätzliches Standbein unter einen Hut bringen».
Dass Männer diskrimiert würden, weist die Redaktion unter Verweis auf eine ähnliche Sendung mit dem Namen «SRF bi de Lüt – Männerküche» zurück, von der insgesamt sieben Staffeln ausgestrahlt worden waren. Dort waren dem Namen entsprechend Männer die Protagonisten beim Kochen.
Die Ombudstelle teilte die Auffassung der SRF-Redaktion grossmehrheitlich und wies die Beschwerde ab. Von Diskriminierung könne nicht gesprochen werden, weil sich das Format zwar auf eine spezifische Gruppe konzentriere, aber dabei keine andere benachteiligt werde. Zudem sei es aus Mediensicht nachvollziehbar «eine geschlechtsspezifische Darstellung der Kochtätigkeit in Bauernhaushalten» zu zeigen:
(con)
