Schweiz
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Schweizer Bahnverkehr

Mit dem Pyjama gegen das Aussterben der Nachtzüge

Aktivisten um Nationalraetin Aline Trede, rechts, demonstrieren in Pijamas für die Erhaltung des Nachtzugs im Zuercher Hauptbahnhof am Dienstag, 20. Januar 2015. Die verkehrspolitische Umweltorganisation umverkehR hat am Dienstag eine Kampagne zur Rettung des Nachtzugs lanciert. (KEYSTONE/Michel Schmidlin)

«Rettet die Nachtzüge», so lautet die Petition, die die Organisation umverkehR am Dienstag Morgen in sinnbildlicher Aufmachung präsentiert. Bild: KEYSTONE

Aktivisten von umverkehR haben am Dienstag mit einer Aktion am Hauptbahnhof Zürich auf «das langsame Aussterben der Nachtzüge» aufmerksam gemacht. In einer Petition fordert die Organisation Bundesrätin Doris Leuthard und SBB-Chef Andreas Meyer auf, «den Nachtzug zu retten».



Die Kampagne «Rettet den Nachtzug» startete umverkehR mit einer sinnbildlichen Aktion. Acht in Pyjamas gekleidete Aktivisten der verkehrspolitischen Umweltorganisation machten auf einem Perron Pendler auf ihr Anliegen aufmerksam.

Die verkehrspolitische Umweltorganisation wirft der SBB vor, in den letzten Jahren wichtige Nachtzugsverbindungen eingestellt oder nichts gegen die Einstellung unternommen zu haben. 

Diese Linien sind seit 2003 aufgehoben worden:

Laut Aline Trede, Co-Präsidentin von umverkehR, war die Schweiz vor wenigen Jahren noch das Herz der europäischen Nachtzugsverbindungen.

Übrig geblieben seien gerade noch sieben direkte Verbindungen, sagte die grüne Berner Nationalrätin gemäss Mitteilung an der Aktion im Zürcher HB.

In einer Petition fordert umverkehR Verkehrsministerin Doris Leuthard und SBB-Chef Andreas Meyer auf, die sieben bestehenden Nachtzugslinien zu erhalten und die seit 2003 gestrichenen vier Linien wieder in Betrieb zu nehmen. Bundesrätin Leuthard soll zudem eine Strategie für den internationalen Schienenpersonalverkehr ausarbeiten.

SBB: Zugreisen ins Ausland werden günstiger

Wer mit dem Zug ins benachbarte Ausland fährt, zahlt ab dem kommendem Monat um bis zu einen Fünftel weniger. Die SBB reagieren mit der Preisreduktion für internationale Billette auf den erstarkten Franken. In der Regel passen die SBB den Umrechnungskurs für Billettpreise im internationalen Verkehr quartalsweise an. Direktverbindungen nach Italien und Frankreich würden dadurch um rund 18 Prozent günstiger. Dieselbe Preisreduktion gelte auf dem ausländischen Streckenabschnitt bei Tickets nach Deutschland und Österreich. (sda)

Nachtzüge sind umweltfreundlich

Die Förderung der Nachtzugsverbindungen sei mit Blick auf die Klimaziele des Bundes ein Gebot der Stunde, schreibt umverkehR. Die Reise mit dem Zug von Zürich nach Berlin verursache beispielsweise nur ein Drittel der CO2-Emissionen, weniger als ein Zehntel der Stickoxid-Emissionen und verbrauche weniger als die Hälfte der Energie des Flugverkehrs.

Für Nachtzüge spreche aber auch die nach wie vor grosse Nachfrage. Ein gut ausgebautes Nachtzugsangebot erhöhe die Standortattraktivität und habe gerade in grösseren Städten und Ballungszentren Potenzial.

«Die Rettung der Nachtzüge ist eine europäische Aufgabe»

zeigt sich Philippe Koch, Geschäftsführer von umverkehR, überzeugt. Die Schweiz als ÖV-Land im Herzen Europas sollte mit gutem Beispiel vorangehen und eine zukunftsweisende Strategie für die klimafreundlichen Nachtzüge ausarbeiten. 

Falsche Adresse

SBB-Mediensprecher Christian Ginsig findet, die Forderungen von umverkehR richten sich an die falsche Adresse: «Unsere Nachtzugflotte wurde bereits vor Jahren verkauft, wir betreiben gar keine eigenen Nachtverbindungen mehr». Nur noch die Infrastruktur werde von den Bundesbahnen zur Verfügung gestellt. 

«Konsequenterweise müssten sich die Forderungen von umverkehR also an private Nachtzug-Betreiber richten, in der Schweiz herrscht freier Netzzugang.» 

Die SBB fokussiere sich im Personenverkehr auf Destinationen im Reisezeitraum zwischen vier und sechs Stunden. Bei längeren Strecken sei die Konkurrenz durch die Billigfluglinien schlicht zu gross, so Ginsig im Gespräch mit watson. (wst/sda)

Der Nachtzug in der Popkultur

Von Roger Moores Meinungsverschiedenheit mit dem Hakenmann in «Leben und Sterben lassen» ...

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youtube/Double-O Agent: 9409

... über Cary Grants und Eva Marie Saints Bettgeflüster in «Der Unsichtbare Dritte»...

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youtube/

... bis zu Hercules Poirots (alias Albert Finney) Spürnase im «Mord im Orientexpress».

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Nachtzüge, braucht es die?

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