Schweiz
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Gilli

«SonnTalk»-Moderator Markus Gilli im Tele-Züri-Studio.
Bild: screenshot/telezüri

Thomas Minder: «Eritreer sind für mich Wirtschaftsflüchtlinge»



Gleich zu Beginn des «Sonntalk» auf TeleZüri zündelte Moderator Markus Gilli bei der Vorstellung seiner Gäste: «Wir haben hier Ständerätin Pascale Bruderer, Ständerat Thomas Minder, und dieser Herr will wahnsinnig gern dazugehören: Martin Bäumle». Bruderer gluckste, der Grünliberale lächelte müde.

Trotzdem gelang es Gilli nicht wirklich, das Feuer unter den Gästen zu entfachen – vielleicht hatte er Thomas Minder zu Beginn doch ein bisschen zu lange über den Schaffhauser Berg Randen referieren lassen.

ARCHIV --- ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN WAHLEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Der parteilose Staenderat Thomas Minder verfolgt eine Debatte im Staenderat, am Donnerstag, 4. Dezember 2014 waehrend, der Wintersession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Minder hat mehr Freude am Wandern als am Wahlkampf.
Bild: KEYSTONE

Minder: «Wunderschön! Ich empfehle das allen!» Gilli: «Sie haben keine Wahlzettel verteilt?» Bruderer: «Ist doch gut!»

Für einmal also kuschelige Stimmung in dem Studio, wo sich auch schon Christoph Blocher und Jacqueline Badran an die Gurgel gingen und vor Kurzem Roger Köppel und Corrado Pardini für einen Eklat sorgten.

Wie auch in jener Sendung wollte Gilli an diesem Sonntag die eidgenössische Flüchtlingspolitik besprechen: «Enttäuscht der Bundesrat? Führt er uns an der Nase herum? Muss die Schweiz ihre Grenzen schützen oder sind solche Forderungen reine Stimmungsmache?», fragte der Talk-Master die Runde. 

«Es wurde nicht ganz ehrlich kommuniziert. Man könnte mehr machen.»

Pascale Bruderer

Zurück kamen Antworten nach Wahlkampf-Agenda: Bruderer begrüsste die Ankündigung des Bundes, bis zu 5000 zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen und betonte stets, Europa in die Verantwortung zu nehmen.

«Eritreer sind für mich Wirtschaftsflüchtlinge.»

Thomas Minder

Bild

Minder echauffierte sich über die «Obenabe»-Politik des Bundesrates und erklärte die «Döblin»-Politik für erwiesenermassen gescheitert, und Bäumle forderte vom Bundesrat, den Ernstfall, dass die Schweiz zum Zielland für Flüchtlinge wird, vorzubereiten und nicht nur über die Sonntagszeitungen miteinander zu streiten. Erfrischend war Bäumles Einwand, das Potenzial von Flüchtlingen zu erkennen. Viele Syrer seien schliesslich gut ausgebildete Personen.

«Es ist Wild West! Sogar Deutschland und Österreich haben die Grenzen geschlossen.»

Minder

«Sie führen Kontrollen ein.»

Bruderer

Das war, kurz zusammengefasst, dann eigentlich auch schon alles. Gilli versuchte zwar nachzuhaken, forderte beispielsweise von Bruderer eine konkrete Aussage dazu, wie viele Menschen die Schweiz aufnehmen sollte, und von Minder, welche Gemeinden denn ohne Anordnung vom Bund Flüchtlinge unterbringen würden, erhielt aber keine substanziellen Antworten. Eine Kostprobe: 

Minder: «Gilli, wir haben ein föderalistisches System, es geht nicht dass der Bundesrat von obenabe Kontingente in die Kantone gibt.»

Gilli: «Dann müssen sie mir aber sagen, welche Gemeinden freiwillig Flüchtlinge aufnehmen würden.»

Minder: Eben, deshalb darf der Bund nicht einfach von obenabe. 

Gilli out.

Am Ende blieben dann noch 8 Minuten für die Rentenreform, die die Gäste auch nicht mehr zu packenden Debatten verleiten konnte. Gilli rundete den eher lauen Talk ab – indem er nochmals die Ständerats-Kandidaten-Keule gegen Bäumle auspackte. 

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