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Berner Chirurg wegen unausgereifter Implantate angeklagt

Das Amthaus in Bern, am Montag, 22. Juni 2020. Heute beginnt vor dem Wirtschaftsgericht der Prozess um die Verluste der Schweizer Hochseeflotte. Die Berner Staatsanwaltschaft wirft einem angeklagten R ...
Der Chirurg wird sich vor Gericht verantworten müssen. Er weisst alle Vorwürfe zurück.Bild: keystone

Berner Chirurg wegen unausgereifter Implantate angeklagt

21.01.2023, 13:0421.01.2023, 13:08
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Die Berner Staatsanwaltschaft hat gegen einen Berner Chirurgen Anklage wegen schwerer Körperverletzung erhoben. Sie wirft ihm vor, mehreren Patienten angeblich unausgereifte Bandscheibenimplantate eingesetzt zu haben. Der Arzt weist die Vorwürfe zurück.

Über die Anklage hatte am Samstag zuerst «Das Magazin» der Tamedia-Medien berichtet. Die Anklageschrift liegt auch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor.

Der Fall wurde 2018 durch ein internationales Recherche-Team mit Beteiligung von Tamedia publik. Der Berner Chirurg soll die Entwicklung eines Bandscheibenimplantats wissenschaftlich begleitet und das Produkt zwischen 2011 und 2013 selber sieben Patienten eingesetzt haben.

Im Februar 2019 eröffnete die Berner Staatsanwaltschaft eine Untersuchung. Nun kommt der Fall vor Gericht. Die zuständige Staatsanwältin wirft dem Chirurgen gemäss Anklageschrift vor, dass die künstliche Bandscheibe bei allen sieben Patienten versagt und einen körperlichen Schaden an der Wirbelsäule hinterlassen habe.

«Korrekt verhalten»

Im «Magazin» wies die Anwältin des Chirurgen die Vorwürfe zurück. Ihr Klient habe sich im Zusammenhang mit dem Fall «sowohl rechtlich als auch berufsethisch korrekt verhalten».

Im Schweizer Fernsehen SRF hatte der Chirurg im Dezember 2018 erklärt, während der Nachkontrollen sei ihm nie etwas aufgefallen, das nicht sein sollte. In anderswo in Europa aufgedeckten Fällen sei das Produkt wohl nicht sachgerecht eingesetzt worden.

Firma ging Konkurs

Die Prothese vertrieb die inzwischen nicht mehr existierende britische Firma Ranier. Der Berner Chirurg war an der Entwicklung des Produkts beteiligt. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, sollen bereits Tierversuche Mängel gezeigt haben. Trotzdem kam das Produkt im Jahr 2010 auf den Markt.

Europaweit soll es danach bei Dutzenden Patienten zu schweren Komplikationen gekommen sein. 2014 nahm Ranier das Implantat vom Markt. Die Firma ging Konkurs. Wann der Prozess gegen den 75-jährigen Berner Chirurgen beginnt, ist noch nicht bekannt. (sda)

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