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Gesellschaft & Politik

Die drei Neuen in der Berner Regierung

Die drei Neuen in der Berner Regierung

29.03.2026, 19:3329.03.2026, 20:22

Neue Gesichter im Berner Regierungsrat: Mit Raphael Lanz (SVP), Reto Müller (SP) und Aline Trede (Grüne) ziehen gleich drei Neue in die Kantonsregierung ein.

Raphael Lanz, SVP

Raphael Lanz (SVP), Kandidat fuer den Regierungsrat des Kantons Bern, posiert am Rand eines Podiumsgespraechs zum Portrait, am Mittwoch, 21. Januar 2026 in Bern. Am 29. Maerz waehlen die Stimmberechti ...
Bild: keystone

Der 57-jährige Thuner Raphael Lanz ist studierter Rechtsanwalt und war unter anderem Gerichtspräsident in Thun. Von 2007 bis 2010 gehörte der SVP-ler dem Stadtparlament an. 2010 schaffte er den Sprung in den Gemeinderat und wurde auf Anhieb zum Stadtpräsidenten gewählt. Von ihn versprachen sich viele frischen Wind, nachdem das Stadtpräsidium 40 Jahre lang in SP-Hand war.

Seit 2014 gehört Lanz auch dem Grossen Rat an. Er gilt als gemässigter SVP-Politiker. In seine Amtszeit als Thuner Stapi fallen der Bau des Schlossberg-Parkhauses, die Ortsplanungsrevision, diverse Arealentwicklungen und eine Steuersenkung, aber auch ungelöste Verkehrsprobleme mit teils umstrittenen Verkehrsversuchen.

Reaktion nach der Wahl

Der frisch in den Berner Regierungsrat gewählte SVP-Kandidat Raphael Lanz hat «keine Zweifel», dass die neu zusammengesetzte Regierung kollegial wirken wird. Dass eine Exekutive eng zusammensteht, sei ihm «schon immer wichtig gewesen».

Lanz erzielte als Viertplatzierten das beste Resultat unter den neuen Kandidierenden und lag somit noch vor dem Bisherigen Pierre Alain Schnegg (SVP). Dieses Vertrauen führte Lanz auch auf seine bisherige Tätigkeit als Thuner Stadtpräsident und seine damit verbundene Strahlkraft zurück.

Bisher habe er sich noch kaum damit auseinandergesetzt, Thun als Arbeitsort hinter sich lassen zu müssen.«Ich identifiziere mich sehr mit meiner Tätigkeit», sagte er zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er sei jedoch überzeugt, dass seine Nachfolge gute Arbeit machen werde.

Dass es für seinen Parteikollegen Daniel Bichsel nicht in die Regierung gereicht hat, tue ihm sehr leid. Diese demokratische Entscheidung gelte es nun zu akzeptieren. «Wir blicken gemeinsam nach vorne.»

Aline Trede, Grüne

Aline Trede (Gruene), Kandidatin fuer den Regierungsrat des Kantons Bern, posiert am Rand eines Podiumsgespraechs zum Portrait, am Mittwoch, 21. Januar 2026 in Bern. Am 29. Maerz waehlen die Stimmbere ...
Bild: keystone

Die 42-jährige Grüne Aline Trede betreibt neben ihrem Amt als Nationalrätin eine Kommunikationsfirma. Sie erlangte als Grünen-Fraktionschefin im Bundeshaus nationale Bekanntheit. Im parteiinternen Rennen um die Regierungsnominierung setzte sie sich durch gegen die Bieler Gemeinderätin Lena Frank und den Meiringer Grossrat Beat Kohler.

Die einstige Mitbegründerin der Jungen Grünen Schweiz startete ihre Politkarriere im Berner Stadtparlament, bevor sie 2013 in den Nationalrat nachrutschte. Nach verpasster Wiederwahl 2015 kehrte sie 2018 in die Grosse Kammer zurück.

Reaktion nach der Wahl

Die neugewählte Grüne Regierungsrätin Aline Trede wünscht sich für den Kanton mehr Ambitionen. Oft werde nur hervorgehoben, was alles schlecht laufe, doch der Kanton Bern habe so viele Chancen, die er nutzen könne, etwa bei der Energiewende.

Sie freue sich auf die Umsetzungsarbeit im Regierungsrat. Ein bisschen Genugtuung empfinde sie schon, dass die Grünen den SVP-Angriff auf ihren Regierungssitz abwehren konnten, sagte Trede vor den Medien in der Berner Rathaushalle.

Mit Trede freuten sich auch die Grünen Schweiz. «Dieser Moment markiert einen weiteren wichtigen Erfolg für die Grünen nach der Wahl von Balthasar Glättli in den Zürcher Stadtrat vor drei Wochen», wird Parteipräsidentin Lisa Mazzone in einer Mitteilung der Partei vom Sonntagabend zitiert.

Die Klimakrise bleibe für die Bevölkerung ein zentrales Anliegen und grüne Lösungen würden dringend und überall gebraucht.

Reto Müller, SP

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Bild: https://retomueller.be/

Der 47-jährige Sozialdemokrat Reto Müller ist ausgebildeter Lehrer. Politisch aktiv ist der Oberaargauer seit der Jahrtausendwende. Von 2003 bis 2009 war er Stadtrat in Langenthal, anschliessend Gemeinderat. 2017 wurde er zum vollamtlichen Stadtpräsidenten gewählt. Im Grossen Rat sitzt er seit 2023.

Partei-intern setzte sich Müller gegen den ehemaligen Nationalrat Adrian Wüthrich durch. Die SP-Basis gab Müller in einer Kampfwahl den Vorzug. Im Regierungsrat «erbt» Reto Müller den Sitz von Christoph Ammann, der vor seiner Zeit in der Kantonsregierung ebenfalls Lehrer war und diesmal nicht mehr zur Wahl antrat.

Reaktion nach der Wahl

Der Berner SP-Politiker Reto Müller hat sich am Sonntagabend unmittelbar nach seiner Wahl ins Kantonsparlament erleichtert gezeigt. «Der Tag war ein Wechselbad der Gefühle», sagte er. Müller hatte sich ein enges Rennen mit Daniel Bichsel (SVP) um den siebten Sitz in der Regierung geliefert. Mal lag in den Prognosen Müller vorne, mal Bichsel. «Die Hochrechnungen waren nichts für schwache Nerven», sagte Müller nach seiner Wahl.

Nun sei er erleichtert, dass das Resultat deutlicher ausgefallen sei als die Hochrechnungen. Als Berner Regierungsrat wolle er den Kanton vorwärts bringen. «Ich will mehrheitsfähige Politik machen», sagte Müller. (sda)

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