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Fake-Video und bislang erfolglose Diplomatie: Was du zur Ukraine-Krise wissen musst

Hast du den Überblick in der Krise zwischen der Ukraine und der prorussischen Seite verpasst? Wir fassen hier die News zusammen.
19.02.2022, 18:0220.02.2022, 12:31

Die Lage in der Ukraine ist derzeit extrem angespannt. Die offizielle Schweiz warnt gar von einem «Risiko der Eskalation» und fordert die Bürgerinnen und Bürger auf, den Kontakt zur Botschaft zu suchen. Andere Länder und Organisationen, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich und die Nato, riefen am Samstag ihre Angehörigen auf, das Land zu verlassen.

Die wahre Krise herrscht aber vor Ort – wir fassen hier das Wichtigste zusammen: Im ostukrainischen Konfliktgebiet entstanden am Samstag neue Kämpfe, für die sich die ukrainische Armee und die prorussischen Separatisten gegenseitig beschuldigen. Zwei Soldaten seien dabei getötet worden. Die sogenannten «Aufständischen» reagierten am Nachmittag mit der militärischen Mobilmachung.

«Ich appelliere an alle Männer der Republik, die in der Lage sind, eine Waffe in der Hand zu halten, sich für ihre Familien, ihre Kinder, ihre Frauen, ihre Mütter einzusetzen», sagte Denis Puschilin, Oberhaupt der international nicht anerkannten «Volksrepublik Donezk». Einen ähnlichen Aufruf gab es auch im benachbarten Gebiet Luhansk – dort dürfen Männer im Alter von 18 bis 55 Jahren die Region gar nicht mehr verlassen.

Fake-Video von Puschilin

Für diejenigen, die Denis Puschilin noch nicht kennen: Er ist einer der Männer auf der Seite der prorussischen Separatisten, auf den zurzeit die ganze europäische Diplomatie schaut. Seine Auftritte von dieser Woche machten klar, dass er eine grössere Strategie in der Krise verfolgt: So präsentierte er sich als Kriegstreiber, der die aufständischen Regionen in der Ukraine bis zum «Sieg» verteidigen wolle. Die zivile Bevölkerung solle deshalb nach Russland flüchten: «Frauen, Kindern und älteren Leuten» riet er, sich in Sicherheit zu bringen.

Menschen aus der «Volksrepublik Donezk» vor der Grenze zu Russland.
Menschen aus der «Volksrepublik Donezk» vor der Grenze zu Russland.Bild: keystone

Puschilin verbreitete diese Aufforderungen gestern Freitag über seinen Telegram-Kanal. Er warnte zudem, dass die Ukraine bald den Befehl zum Sturm auf die Gebiete um Donezk und Luhansk ankündigen werde.

Nur legt eine einfache Metadaten-Recherche nahe, dass das Video gestellt war: Puschilin drehte das Video bereits am Mittwoch, 16. Februar 2022 – also zwei Tage vor der Veröffentlichung. Es sei daher alles andere als eine Reaktion auf die aktuellen Ereignisse, sondern ein vorbereiteter Schachzug, so Rechercheure der US-amerikanischen Nachrichtenwebsite «Axios» und «Bellingcat».

Video: watson/Denis Puschilin

Diplomatie in München

Was könnte zur Beruhigung der Situation helfen? Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hofft, die Ukraine und prorussischen Separatisten an einen Tisch bringen zu können. In einer solchen Situation müsse jede Gelegenheit genutzt werden, um Spannungen abzubauen, sagte der Sonderbeauftragte des OSZE-Vorsitzes in der Ukraine, Mikko Kinnunen.

Dafür gab es auch einen passenden Anlass am Wochenende: Am Samstag fand rund 1700 Kilometer vom Krisenort entfernt die Münchner Sicherheitskonferenz statt. Dort meldete sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Wort und kritisierte, wie nationale Konflikte zurzeit von der internationalen Diplomatie angegangen werden. Er warnte davor, dass die «Fehler des 20. Jahrhunderts» komplett vergessen würden. Worte des Friedens gab es aber auch von ihm nicht: «Wir werden unser Land verteidigen.» Im Gegensatz zu Puschilin betonte er aber, dass sich die Ukraine eine diplomatische Lösung statt eines militärischen Konflikts wünsche.

Die Separatisten und das russische Staatsmedium RT Deutsch schenken Selenskyjs Sicht aber keinen Glauben. Am Samstag veröffentlichte das früher als Russia Today bekannte Portal mehrere Berichte über Militärmanöver oder Explosionen – jeweils mit der Beschuldigung, die Ukraine stecke dahinter.

Und Putin?

Russlands Präsident Wladimir Putin machte sein eigenes, unpassendes Ding: Er testete seine ballistischen Raketen. Die Tests hätten nichts mit der Krise in der Ukraine zu tun, so die russische Sicht. Sie seien schon lange geplant gewesen und hätten den Zweck, «ihre Zuverlässigkeit zu testen».

Putin zeigt Nähe zu Lukaschenko.
Putin zeigt Nähe zu Lukaschenko.Bild: keystone
So sah die Rakete aus.
So sah die Rakete aus.Bild: keystone

Dass es dafür bessere Zeiten geben könnte, kam der russischen Regierung wohl jedoch nicht in den Sinn – im Gegenteil. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, dass beim Test auch der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko mit dabei gewesen war. Sein Land grenzt im Süden zur Ukraine und führt derzeit in der Grenzregion eigene Manöver durch.

Putin empfing Lukaschenko im Kreml und zeigte dabei auffällige Nähe zu ihm: Die beiden Herren verfolgten den Raketentest nebeneinandersitzend, wie ein Foto des staatlichen Mediums «Sputnik» zeigt. Diese Nähe gönnte er dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron nicht: Sie mussten fürs Gespräch mit Putin am (sehr) langen Tisch Platz nehmen. Macron macht dies aber wenig aus: Er wird morgen Sonntag mit Putin telefonieren.

Putin und Scholz am 15. Februar 2022.
Putin und Scholz am 15. Februar 2022.Bild: keystone sda
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112 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hiker
19.02.2022 18:45registriert Januar 2017
Ich kenne die Ukraine von mehreren Reisen mit einem Hilfswerk in den Westen des Landes. Die Menschen dort sind sehr arm. Es geht Ihnen seit Jahren sehr schlecht. Sie sind die Leidtragenden der Machtkämpfe zwischen dem Westen und Russland. Über diese Menschen spricht niemand. Sie tun mir leid und ich hoffe auf einen endgültigen Frieden für dieses gebeutelte Land. Vermutlich ein naiver Traum der an der Realität zu scheitern verurteilt ist.
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Shaun
19.02.2022 19:52registriert Februar 2019
Wenn ich hier die Bilder sehe, zwischen Lukaschenko und Putin?
Da haben sich zwei Aggressoren gefunden!?
Ach was? Da spielt China sicher auch noch mit?
Beängstigend!
Ich dachte, wir Leben endlich in Frieden?! Aber, die Machtgelüste gewisser Staaten sind wohl nach wie vor nicht gesättigt?!
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neutrino
20.02.2022 05:04registriert Mai 2017
Schlussendlich soll das Ganze die peinliche wirtschaftliche Unfähigkeit der Russen kompensieren: ein Land voller natürlicher Ressourcen, das sich über die halbe Erdkugel erstreckt, hat eine kleinere Volkswirtschaft als bspw. eine kleine Halbinsel (Korea) am Ende der Welt, welche Mitte des letzten Jahrhundert noch ein Drittweltland war.
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