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Wagner statt Rechtsrock: Richard Spencer ist der Prototyp des neuen Neonazis

Diese Woche ist der rechtsextremen Splitterpartei Pnos ein Coup gelungen. Sie konnte das Aushängeschild der Altright-Bewegung in den USA, Richard Spencer (40), als Redner für ihren Parteitag am 1. Dezember gewinnen. Sollte Spencer einreisen dürfen, was fraglich ist, würde er auf den Präsidenten der Pnos, Dominic Lüthard (35), treffen.

Pascal Ritter / Schweiz am Wochenende



FILE - In this Dec. 6, 2016 file photo, Richard Spence speaks at the Texas A&M University campus in College Station, Texas. An attorney for associates of white nationalist leader Spencer says he'll sue Ohio State University and the University of Cincinnati if they don't agree by Friday, Oct. 13, 2017 to make campus space available for him to speak. A Georgia college student contacted both schools recently about renting space in the latest effort to have Spencer speak on college campuses.  (AP Photo/David J. Phillip, File)

Ob Richard B. Spencer (40), das Aushängeschild der rechtsradikalen Altright-Bewegung Ob Spencer in die Schweiz einreisen kann, ist offen. Bild: AP/AP

Es wird das Treffen zweier Rechtsextremisten mit Musikgehör, wenn auch mit sehr unterschiedlichen Vorlieben. Lüthard wurde über den Rechtsrock der Skinhead-Szene politisiert. Er gründete die Band Indiziert und schrie Texte wie «Homos an den Nordpol» von der Bühne.

Richard Spencer dagegen hat zwar auch eine musikalische Vergangenheit in der Schweiz, allerdings in einem anderen Genre. Er absolvierte im Jahr 2002 ein Praktikum am Zürcher Opernhaus, wie er auf Anfrage sagt. Er half dem Regisseur Robert Wilson (77), Richard Wagners «Ring der Nibelungen» zu inszenieren.

Spencer erinnert sich: «Es war eine interessante Arbeit, auch wenn ich vor allem Kaffee gekocht habe.» Es ist eine Pointe der Geschichte. Während Lüthard vor Glatzköpfen im Berner Oberland Kampflieder sang, half Spencer, der «weisse Nationalist», in Zürich, den Lieblingskomponisten von Adolf Hitler zu inszenieren.

Neonazis geben sich gemässigt

Es passt, dass sich Spencer und Lüthard nun treffen. Denn die Pnos versuchte in den letzten Jahren, wegzukommen vom Sound der Skinheads hin zu etwas wohlklingenderen Tönen. Seit im Jahr 2006 eine Richterin das damalige Parteiprogramm der Pnos als «kollektive Schmähung der Ausländer» bezeichnet hatte, weil Fremden darin die Menschenrechte abgesprochen würden, frass die Partei Kreide. Das heutige Programm klingt wie ein durchschnittliches rechtspopulistisches Pamphlet.

Was die Pnos an Richard Spencer faszinieren dürfte, ist sein Talent, für seine rechtsextreme Ideologie Wind zu machen, ohne dass es gleich überall nach Nationalsozialismus stinkt. Wenn er sich Nazi-Rhetorik annähert, dann auf eine gewiefte Weise.

Dazu ein Beispiel: Zwei Wochen nach der Wahl von Donald Trump schrie Spencer am Ende einer Rede, «Hail Trump, hail our People, hail Victory» in den Saal. Darauf hoben einzelne Männer im Publikum die Hand zum Hitlergruss. Der Skandal schien perfekt. Doch dann trampte ein Journalist der «New York Times» in die Falle.

Als er schrieb, Spencer habe «Heil Victory», also «Sieg Heil» geschrien, erging gegen ihn der Vorwurf der «Fake News». Und der war formal gesehen nicht ganz falsch, denn Spencer hatte nicht das deutsche «Heil», sondern das englische «hail» benutzt, das man auch als «es lebe» übersetzen kann.

Spencer spricht nicht Nazi-Sprache, er benutzt Codes, die seine Anhänger dann schon verstehen. Die «New York Times» musste zähneknirschend korrigieren. Es ist diese Kunst des Kryptofaschismus, welche die hiesigen Rechtsextremen an ihren amerikanischen Vorbildern fasziniert.

Erfolg hatte die Pnos mit ihrer gemässigten Rhetorik bisher nicht. Laut dem grünen Politiker und Beobachter der rechten Szene, Hans Stutz, gelinge es der Pnos zwar immer mal wieder, eine neue Sektion zu eröffnen. Dafür gingen aber andere ein. Konkret sei die Pnos zwar zurzeit in der Region Basel sehr aktiv, gleichzeitig sei sie in der Innerschweiz, wo sie einst mehrere Sektionen hatte, nicht mehr präsent.

Ob Spencer einreisen kann, ist offen. Es gib das unbestätigte Gerücht eines Einreiseverbots im Schengenraum. Spencer sagt: «Ich weiss nichts von einem Einreiseverbot. Ich bin zuversichtlich, dass ich kommen kann.» (aargauerzeitung.ch)

Sieg Fail! Warum Nazis (sonst noch) Volldeppen sind

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79Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Statler 14.10.2018 22:35
    Highlight Highlight My 2c: Das Problem ist, dass man solches Gedankengut nicht verbieten kann. Also, man kann schon, aber deshalb verschwindet es ja nicht einfach auf wundersame Weise, sondern schwelt dann einfach weniger sichtbar vor sich hin, um im geeigneten Moment umso stärker wieder hochzukochen (qed).
    Man kann die Spencers nicht verhindern, sehr wohl aber, dass ihnen die Leute nachlaufen. Ein Redeverbot macht ihn höchstens interessanter und dank Youtube & Co. ist ein Verbot auch recht sinnfrei. Und die Chance, dass ihm auch Leute zuhören, die ihn sonst ignoriert hätten, ist bei einem Verbot ebenfalls gross.
  • Ökonometriker 14.10.2018 21:19
    Highlight Highlight Das Perverse ist, dass Spencer nur gewinnen kann: darf er auftreten, so kann er seine Ideologie des Fernhaltens unliebsamer Ausländer weiterverbreiten.
    Wird er abgewiesen, so wird durch das Fernhalten von ihm als unliebsamem Ausländer seine Ideologie sogar noch von Europa vorgelebt - und er kann bei seinen Anhängern einen auf Opfer machen, die Wut steigern und so noch mehr Macht gewinnen.
  • derEchteElch 14.10.2018 12:38
    Highlight Highlight So kalte und gefühlslose Augen. So hasserfüllt wie sein Ausdruck auf dem Foto ist. Den Typen möchte ich nicht hier in der Schweiz haben!
  • David Steger 14.10.2018 08:54
    Highlight Highlight Erinnert mich irgendwie an das Buch "die Welle"...
  • Oiproll 14.10.2018 08:41
    Highlight Highlight Rechtsrock ist höchstens der Sound der Boneheads. Oi,Early Reggae,Ska,Rocksteady und Two Tone und auch gerne mal ein bisschen Hardcore ist der Sound der Skinheadszene!!! Und Gott sei dank wollen Neonazis vom Image der Skinheads wegkommen. Solches Rassistenpack hat bei uns nichts zu suchen!
  • Michael Angst (1) 14.10.2018 00:23
    Highlight Highlight Was zur höll isch es Pamphlet?
    • Schne 14.10.2018 10:02
      Highlight Highlight Eine Schmähschrift.
    • Spooky 14.10.2018 10:04
      Highlight Highlight Schmähschrift
    • SemperFi 14.10.2018 10:37
      Highlight Highlight GIDF
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lew Bronstein 13.10.2018 22:15
    Highlight Highlight Immer das gleiche mit den Rechtsextremen hier: Reden gross von Meinungsfreiheit und Demokratie, aber nur solange es sie selber betrifft. Kommen sie dann irgendwo an die Macht, ist sofort Schluss mit Meinungsfreiheit - dann gilt nur noch ihre Meinung, die Andersdenkenden werden mundTOT gemacht.
    • R. Peter 14.10.2018 01:08
      Highlight Highlight Gebau wie bei den LinksEXTREMEN oder jeden anderen —extremen...
    • Darkside 14.10.2018 03:35
      Highlight Highlight Ich bin ja wirklich alles andere als rechts und halte die PNOS für einen bestenfalls bemitleidenswerten Verein, aber was Du da sagst trifft leider genauso auf die heutigen Linken zu. So trauen sie z.B. unserer Demokratie nicht zu, dass sie einen verwirrten Neonazi aus den gespaltenen USA, der zu maximal 80 nationalistischen Kleingeistern spricht, ertragen kann.
    • FrancoL 14.10.2018 09:24
      Highlight Highlight @Darkside. Geht es bei der Meinungsfreit um „ertragen“ können? Dann müssten Sie die Menschenrechte auch noch etwas umschreiben, zB im Bereich der Folter.
    Weitere Antworten anzeigen
  • FrancoL 13.10.2018 21:43
    Highlight Highlight An alle die bei den Nazis und Symathisanten von Meinungsfreiheit schwärmen rate ich die Meinungsfreiheit in Nazideutschland genauer zu studieren.
    • Roterriese 13.10.2018 21:57
      Highlight Highlight Das Schöne an Menschenrechten ist ja, dass sie universal für alle gelten, auch für Nazis.
    • Olmabrotwurst 13.10.2018 22:00
      Highlight Highlight Wenn man Nazi war ging das.
    • FrancoL 13.10.2018 22:12
      Highlight Highlight @Roterriese: Das hätte man den Nazis beibringen müssen, bin sicher dass sie das sofort verstanden hätten.
      Es ist schon störend das heute ein Roterriese der Meinung ist die Menschenrechte würden für alle gelten und wohl zudem der Meinung ist das Nazis dies beherzigen würden.
      Unterirdisch!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Citation Needed 13.10.2018 20:49
    Highlight Highlight Finde den Aufhänger über die Musik (Deutschrock vs Wagner) zwar interessant, der sollte aber nicht über den absoluten BS hinwegtäuschen, den dieser Typ von sich gibt. Identitärer BS, mit Blut- und Bodengeschwurbel in bester Nazi-Manier. Kommt alles so proper und aufrecht daher (richtig und wichtig der Hinweis, wie Spencer den tumb-völkischen Nazismus neu codiert und so viele an der Nase rumführt), ist aber der alte Seich von der Überlegenheit der weissen Rasse.
  • meine senf 13.10.2018 20:26
    Highlight Highlight Hitler war auch schon Wagner-Fan, von dem her heisst das gar nichts.

    (Ist nicht gegen Wagner gerichtet, der starb schon bevor es Nazis gab)
    • Mutzli 13.10.2018 21:02
      Highlight Highlight Wagner war allerdings dafür einer der grossen Wegbereiter des völkischen Denkens, was dann im Nazismus seinen tragischen Höhepunkt fand. Antisemit war der gute Wagner auch noch und nicht zu knapp; so z.B. in einer Schmähschrift, die er, passenderweise für diesen Artikel, in Zürich verfasst hat. Kleiner Auszug, sorry für das folgende braune Gedöns: "[...] das unwillkürlich Abstoßende, welches die Persönlichkeit und das Wesen der Juden für uns hat, zu erklären, um diese instinktmäßige Abneigung zu rechtfertigen [...]"
    • durrrr 13.10.2018 21:33
      Highlight Highlight @meine Senf
      Dein "Senf" zeugt leider etwas von Bildungsferne. Bedenke auch dass ein Hitler seine Ideologie mehrheitlich von Vordenkern übernahm. Von dem heisst es eben schon etwas.
      Der Rest beschreibt Mutzli ziemlich gut....
    • The Writer Formerly Known as Peter 14.10.2018 11:12
      Highlight Highlight Antisemitismus war zu Wagners Zeiten leider weit verbreitet. Auch ein Henry Ford war Antisemit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rafa D 13.10.2018 20:20
    Highlight Highlight Ich bin zwar gar nicht einverstanden mit den politischen Botschaften dieser beiden Herren - trotzdem finde ich es im Sinne des Meinungspluralismus okay, wenn sie Teil des politischen Systems sind und entsprechend im Wettbewerb der Meinungen mitmachen dürfen (immer vorausgesetzt, dass sie keine Falschinformationen verwenden - nicht immer gegeben in diesen Fällen, ich weiss). Wenn die Wähler deren Ideen favorisieren, ist das einfach Demokratie. Ich muss ja nicht einverstanden sein, aber ich habe Volksentscheide grundsätzlich zu akzeptieren.
    • Gigle 13.10.2018 20:41
      Highlight Highlight Rassismus ist keine Meinung.
    • Butzdi 13.10.2018 20:46
      Highlight Highlight Hm, Rassenhass darf nie eine Plattform sein, weil deren Basis auf Lügen und Hass basiert. Genau deshalb darf dort Meinungsäusserungfreiheit beschränkt werden, weil das wiedergegebene üblen Lügen entspringt und die Allgemeinheit ein Recht auf Schutz hat.
    • Ril 13.10.2018 20:53
      Highlight Highlight Morddrohungen sind kein politischer Diskurs
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  • m. benedetti 13.10.2018 20:18
    Highlight Highlight Ich liebe Wagner Opern, er lebte von 1813 bis 1883. Ob das nun der Lieblingskomponist von Hitler war, ist mir so was von egal. Seine Kritik an Macht und Gier im Ring, sowie an der Scheinheiligkeit in Tannhäuser sind heute noch aktuell. Und dann immer wieder starke Frauen.
    • Alathea 13.10.2018 20:35
      Highlight Highlight War Wagner nicht auch bekennender Antisemit? Daran ist doch seine Freundschaft mit Nietzsche zerbrochen...
    • FrancoL 13.10.2018 21:18
      Highlight Highlight @Alathea: Zum Glück erwähnen Sie das, offensichtlich genügt es vor der Nazizeit gestorben zu sein um eine weisse Weste zu haben.
    • Dirk Leinher 13.10.2018 22:31
      Highlight Highlight Geht mir genauso, es scheint ja fast wie der Geist Wagners in den Dreck gezogen werden soll.
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