Schweiz
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Interview mit SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel

«Das SRF bietet keine Überlebenshilfe für Schweizer TV-Produzenten»

Das Schweizer Fernsehen lässt eine Sendung in Deutschland produzieren und stösst damit auf massive Kritik: Mit diesem Vorgehen schade das SRF der hiesigen Branche und missachte den Service-Public-Auftrag. SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel bezieht Stellung.

Herr Gebel, das SRF lagert erneut eine Produktion aus und erneut wird dieselbe Kritik laut. Haben Sie langsam genug?
Christoph Gebel: Diese Kritik gehört dazu. Sie kommt jedes Mal, aus den selben Kreisen und mit den selben Argumenten. Wenn wir viele Aufträge ins Ausland geben würden, wäre die Kritik ja berechtigt. Aber wir produzieren die Mehrheit der Sendungen in der Schweiz und verlagern nur ausnahmsweise etwas ins Ausland.

Christoph Gebel
Abteilungsleiter Unterhaltung

Copyright: SRF/Oscar Alessio
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Christoph Gebel ist seit drei Jahren Unterhaltungschef beim SRF. Zuvor war der 54-Jährige Programmleiter DRS 1 / DRS Musikwelle. Bild: SRF/Oscar Alessio 

Wie viele Sendungen werden denn im Ausland produziert?
Im Bereich Unterhaltung publizieren wir 70 Sendungen, davon werden vier komplett im Ausland gemacht. Das sind ‹Die grössten Schweizer Talente›, ‹Jobtausch›, ‹Mini Beiz, dini Beiz› und ‹Funnymals›. 66 Sendungen werden also hier produziert. Zwei Drittel vom SRF und unserer Tochterfirma TPC. Der Rest wird von Schweizer Firmen produziert, wie beispielsweise mit B&B Endemol Schweiz und Faro TV

Für die Produktion von «Mini Beiz, dini Beiz» hat das SRF mit ITV Studios Germany aber keine Schweizer Firma engagiert. Warum nicht?
Wir haben das Projekt ausgeschrieben, 11 Firmen haben insgesamt 60 Konzepte eingereicht. Ein Drittel der Firmen kam aus der Schweiz. Aber die Qualität der Konzepte war zu wenig überzeugend. Das ist auch ein Stück weit als Kritik an die hiesigen Produzenten zu verstehen.

Über zehn Konzepte aus der Schweiz waren zu schlecht? Das kann doch nicht sein. 
Leider doch. Ich muss sagen, ich war etwas enttäuscht über das Ergebnis des Verfahrens. Wir geben ja vor, wie viel wir für die Produktion bezahlen. Alle hatten also dieselben Spielregeln. 

Aber nicht dieselben Kosten: Gemäss unseren Informationen bezahlt das SRF 15’000 Franken für eine Sendung. Ein Schweizer Produzent müsste aber 8000 mehr verlangen, um kein Minusgeschäft zu machen. Die hiesigen Firmen können es sich also gar nicht leisten, fürs SRF zu produzieren. 
Mehr als zehn Firmen haben mit ihrer Bewerbung ja gezeigt, dass sie die Sendung zu dem Geldbetrag, den wir zahlen, produzieren könnten. Entscheidend für eine Vergabe sind das redaktionelle Konzept, die Erfahrung in der Produktion einer täglichen Sendung und die Qualität. Aber ich verstehe auch, dass sich die Branche mehr Aufträge erhofft. Die hiesigen Produzenten sind einem ständigen Existenzkampf ausgesetzt. Der TV-Produktionsmarkt ist in der Schweiz nicht sehr gross. 

«Der Standort Schweiz reicht nicht für eine Zusage.»

Müssten hier nicht sie als öffentlich-rechtliches Unternehmen mit einem Service-Public-Auftrag Schützenhilfe leisten und Schweizer Produzenten unterstützen? 
Wir bieten keine Subventions- und Überlebenshilfe für Schweizer TV-Produzenten. Und der Standort Schweiz alleine reicht nicht für eine Zusage. Man kann doch nicht mit dem Bonus Schweiz das Gefühl haben, Qualitätsdefizite aufholen zu können! Mein Auftrag ist es, eine qualitativ gute Sendung zu bringen. Das ist für mich Service Public und da mache ich keine Kompromisse. Aber man kann es bekanntlich nie allen recht machen. Und wir müssen nun mal auch privatwirtschaftlich funktionieren. 



Zurück zu «Mini Beiz, dini Beiz»: Stimmt es, dass Sie eine Game-Show in petto haben, falls die Sendung floppt?
Ja das stimmt. Wir haben einige Sendungen in petto. Es ist so: Drei Monate wird die neue Soap laufen. Das ist eine Testphase. Und deshalb brauchen wir Ersatzsendungen. Falls ‹Mini Beiz, dini Beiz› auf dem Markt gute Chancen hat, kommt die Firma in die Schweiz und arbeitet unter Schweizer Marktbedingungen. 

Bis dann arbeiten die Angestellten der ITV Germany, die ja perfektes Schweizerdeutsch beherrschen müssen – also Schweizer sein werden –, vermutlich zu deutschen Löhnen fürs SRF. Ist das vertretbar?
Mit der Summe, die wir bereitstellen, können anständige Löhne bezahlt werden. Sonst würden wir intervenieren. 

«Mit der Summe, die wir bereitstellen, können anständige Löhne bezahlt werden.»

Sie kennen also die Löhne?
Nein.

Wie wollen sie dann intervenieren, wenn sie die Löhne nicht kennen?
Wir gehen davon aus, dass die Angestellten gut verdienen. Sonst würden wir das hören. Aber eigentlich interessiert es mich nicht. In Geschäftsprozesse greifen wir nicht ein, das wäre interventionistisch.

Das SRF könnte aber, wenn es schon kostengünstig im Ausland produziert, die Gebühren senken, lautet eine Forderung. Was sagen Sie dazu?
Unsere Geschäftsleitung vertritt die Maxime, dass wir die Gebührengelder möglichst sorgsam verwenden. Service Public heisst auch, dass der Zuschauer weiss, dass sein Geld gut angelegt ist. 

Weiss er das? Auf Fragen zu den Ausgaben des SRF erhält man nie Antwort. 
Das Gesamtbudget des SRF ist transparent. Aber es ist für Aussenstehende schwierig, Zahlen einzuordnen. Für manche sind beispielsweise 100’000 Franken viel Geld, für manche wenig. Es ist also schwierig, mit den Zahlen umzugehen. Zum Teil werden wilde Spekulationen gemacht. 

«Wir nehmen lieber Spekulationen in Kauf.»

Weil das SRF keine Transparenz schafft.
Das Unternehmen ist immer gut mit dieser Strategie gefahren. Wir geben grundsätzlich keine Auskunft zu einzelnen Sendungsbudgets und nehmen lieber Spekulationen als Falschinterpretationen in Kauf. Und zudem: Kommuniziert watson alle Zahlen?

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    Alle Leser-Kommentare
  • MediaEye 17.07.2014 16:00
    Highlight Highlight Diese Medienmafia hat sowieso die Produktion via TPC voll unter ihrer Hand und Kontrolle!
    Werden diese Produktionen eigentlich unter der Hand vergeben oder, wie es sich eigentlich für ein öffentlich-rechtliches Unternehmen gehört, öffentlich und frei ausgeschrieben ???
  • Ruckzuck 05.06.2014 21:36
    Highlight Highlight «Herr Gebel zieht am falschen Hebel: Steuergelder dürfen niemals zur Schwächung einheimischer Unternehmen und zur Steigerung der Arbeitslosigkeit in der Schweiz verwendet werden».
  • Riccardo 05.06.2014 11:45
    Highlight Highlight ,,In Geschäftsprozesse greifen wir nicht ein, das wäre interventionistisch.'' Zum heulen! Das SRF selbst ist die allergrösste Intervention in die Privatwirtschaft! Das SRF sollte man auf den Fernsehmarkt schmeissen und Pay-TV finanziert laufenlassen. Mal schauen wie lange es bis zum Konkurs dauert.

    ,,Mini Beiz, dini Beiz'' - Service-Public? Unglaublich! Ich nenn das staatlich verodnete Volksverblödung.

    Die Billag gehört abgeschafft! Geben wir unser Geld lieber für schönere Dinge im Leben aus.
    • ullala4you 05.06.2014 14:09
      Highlight Highlight kennst du das format überhaupt?
    • Riccardo 06.06.2014 15:47
      Highlight Highlight ,,Mitte September startet die neue Vorabendsendung «Mini Beiz, dini Beiz» auf SRF 1. Darin gehen 5 Stammgäste 5 Tage lang auf Beizentour in einer Schweizer Region. Jeden Tag stellt ein Stammgast sein Lieblingsrestaurant vor – und versucht die anderen davon zu überzeugen, dass seine Beiz die beste ist.'' Quelle: http://www.srf.ch/unterhaltung/events-shows/mini-beiz-dini-beiz-die-neue-vorabendsendung-auf-srf-1


      Noch Fragen?
    • MediaEye 17.07.2014 16:02
      Highlight Highlight Billiger Abklatsch von ausländischen Privatfernsehen , zumeist LEIDER nur aus #Schland
  • MediaEye 05.06.2014 10:50
    Highlight Highlight Dieses Interview ist ein Hohn und eine Veräppelung der Zuschauer!

    Das Schweizer TV, auch die Privaten, bieten schon seit Jahrzehnten KEINE Qualität mehr!!!

    Schlechte Kopien von ausländischen Sendungen (deMol) keine hochstehenden Eigenprodukte (danke, Frau armbruster)

    Mit dieser Strategie und Politik wäre jeder Andere längst gescheitert, wenn denn nicht dieser Heimatschutz und Zwangsaufschaltung wäre.
    Und die Programmierung der Sendungen ist unter jedem Hund, trotz 7 Sendern
  • Tux 05.06.2014 09:08
    Highlight Highlight Zitat: »Wir bieten keine Subventions- und Überlebenshilfe für Schweizer TV-Produzenten. Und der Standort Schweiz alleine reicht nicht für eine Zusage.«
    Aus meiner Sicht, sollte genau mit dieser Aussage per SOFORT alle BILLAG-Zahlungen eingestellt werden.
    Immerhin bezieht dieser Herr Gebel seinen Lohn aus diesen BILLAG-Gebühren - ergo MÜSSEN alle Produktionen 100% in der Schweiz gemacht werden...
    Ausser - die GEMA bezahlt Herrn Gebel seinen Lohn - nach deutschen Ansprüchen selbstverständlich....
    Steuergelder und Gebühren sind für unsere eigenen Belangen und nicht zur Bereicherung fremder Länder... http:// A
  • mope 05.06.2014 08:39
    Highlight Highlight Sind wir doch froh und glücklich, dass es überhaupt Menschen gibt, die diese Sendungen zum Tiefstlohn produzieren wollen während die SRF Gewaltigen horrende Beträge absahnen. Sonst würde man uns am Ende via Billag noch mehr für diesen seichten Brunz abzwingen...
  • Bowell 05.06.2014 08:05
    Highlight Highlight Habe selten so ein widersprüchliches Interview gelesen. Spätestens mit dem letzten Satz wird die lausige Argumentation offensichtlich.

Bald könnte die 5. Initiative gegen Tierversuche kommen

Das Schweizer Stimmvolk dürfte erneut über ein Tierversuchsverbot entscheiden können. Eine entsprechende Volksinitiative ist auf der Zielgeraden.

Das Komitee der Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» sammelte bereits über 111'000 Unterschriften, wie dessen Website zu entnehmen ist. 100'000 sind für das Zustandekommen nötig.

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