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Ein Freiwilliger der «Brothers of Kurdistan», auf die Gabriel Pfeiffer gestossen ist.
Ein Freiwilliger der «Brothers of Kurdistan», auf die Gabriel Pfeiffer gestossen ist.bild: Gabriel Pfeiffer

Kriegsreporter Kurt Pelda: «Menschen wie Gabriel Pfeiffer haben erkannt, dass man gegen den IS jetzt etwas unternehmen muss und nicht erst, wenn die Islamisten an unsere Türe klopfen»

Der Basler Kriegsreporter Kurt Pelda ordnet den Fall des Laufentalers Gabriel Pfeiffer ein. Dieser sorgte für Aufsehen, da er im Irak eine Miliz bei ihren Kampfvorbereitungen begleitet hatte. Pelda warnt zudem, dass die Islamistengefahr unterschätzt werde.
12.06.2015, 06:4712.06.2015, 11:04
Michael Nittnaus / Aargauer Zeitung
Ein Artikel von
Aargauer Zeitung

Die Schilderungen des 21-jährigen Gabriel Pfeiffer aus Zwingen in der «bz Basel» vom Mittwoch wühlten auf. Dass ein junger Offizier zwischen Militärdienst und Studium für zweieinhalb Monate in den Nahen und Mittleren Osten reist, um vor Ort etwas gegen den Terror des Islamischen Staats (IS) zu unternehmen, ist aussergewöhnlich. Im Interview liess Pfeiffer allerdings einige Fragen unbeantwortet, die essenziell wären, um sein Engagement richtig einschätzen zu können.

Wie stark liess er sich etwa in die christliche Miliz «Brothers of Kurdistan» einbinden, die er im Irak bei der Vorbereitung auf einen Einsatz gegen den IS begleitet hatte? War er deren Militärberater, blosser Beobachter oder hatte er sogar vor, selbst zu kämpfen, was für einen Schweizer verboten wäre? 

«Ich hatte da keine Aufgabe, ich war einfach da.»
Gabriel Pfeiffer

War er zuvor teils noch ausgewichen, vervollständigt sich nun langsam das Bild. «Ich war mit den ‹Brothers of Kurdistan› nie an der Front, habe nie gekämpft», schreibt er auf Nachfrage per E-Mail aus Jordanien. Pfeiffer beteuert, nur bei der Einsatzvorbereitung im Irak dabei gewesen zu sein – und das auch nur ein paar Tage. «Ich hatte da keine Aufgabe, ich war einfach da. Wir haben viel geredet, und ich habe mein Wissen geteilt.» 

Dass er nun als potenzieller Widerstandskämpfer wahrgenommen wurde, könne ihn in Gefahr bringen, schliesslich befindet sich Pfeiffer noch immer in den ans syrische Kampfgebiet grenzenden Ländern. Wo er aktuell genau ist, möchte er denn auch nicht offenlegen. Seine Facebook-Seite ist nicht mehr abrufbar.

«Liestal ist ein Hotspot für Islamisten»

Doch was hat Pfeiffer die Wochen im Irak gemacht, wenn der Besuch bei den «Brothers of Kurdistan» nur kurz dauerte? «Ich war für fünf Wochen in Sulaimaniyya im Nordosten des Irak und arbeitete dort für ein Hilfswerk in der Flüchtlingshilfe», schreibt er. Recherchen der «bz Basel» bestätigen dies. In einem Flüchtlingslager lernte Pfeiffer dann die Kriegsveteranen der Hilfsorganisation «Squadbay» kennen, die ihm den Kontakt zu den «Brothers of Kurdistan» vermittelten. Damit schliesst sich der Kreis zum Interview vom Mittwoch.

«Menschen wie er haben erkannt, dass man gegen den IS jetzt etwas unternehmen muss und nicht erst, wenn die Islamisten an unsere Türe klopfen.»
Kurt Pelda

«Es ist gut, wenn junge Leute aus der Schweiz gegen den IS helfen wollen», sagt Kurt Pelda. Der Basler ist einer der wenigen Kriegsreporter, der noch regelmässig ins umkämpfte Gebiet nach Syrien reist und den Widerstandskampf gegen den Islamischen Staat aus nächster Nähe miterlebt hat. Zurzeit weilt er in der Schweiz. Pelda hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor dem Terror des IS zu warnen. «Unsere Politiker unterschätzen, wie gefährlich die radikalen Islamisten auch für Europa sind.» Gerade in der Schweiz lebten viele Islamisten, die den IS vor allem logistisch von hier aus unterstützen würden. Und Pelda wird noch präziser: «Liestal ist ein eigentlicher Hotspot.»

Militärjustiz stellt Schweizer «Söldnern»nach

Daher lobt er Engagements wie jenes von Pfeiffer – unabhängig davon, ob er Flüchtlingshilfe leistet oder selber kämpft. «Menschen wie er haben erkannt, dass man gegen den IS jetzt etwas unternehmen muss und nicht erst, wenn die Islamisten an unsere Türe klopfen.» Zudem sei es erfreulich, wenn junge Schweizer nicht in die «Dschihadisten-Falle» tappen und sich dem IS anschliessen, sondern dagegen ankämpfen.

Tatsächlich nennt es Pelda «die grosse Ausnahme», dass sich Schweizer ohne Migrationshintergrund im Irak oder Syrien engagieren würden. Meistens hätten sie sonst kurdische oder aramäische Wurzeln. Ein bekanntes Beispiel ist etwa der Tessiner mit syrischen Wurzeln, Johan Cosar, der Widerstandskämpfer vor Ort ausbildete und auch selbst kämpfte. 

Zurück in der Schweiz wurde er im Februar von der Militärjustiz verhaftet, später aber wieder freigelassen. Zurzeit ist Cosar untergetaucht. Oder aber der Kurde Cahit Uçar aus Zürich, der mehrmals in die umkämpfte syrische Stadt Kobane ging und als Dolmetscher arbeitete.

Pelda wurde einst selbst verdächtigt

Jetzt auf

Eine Erklärung wäre für Pelda ein möglicher christlicher Hintergrund Pfeiffers, wie er im Interview deutlich zu werden scheint. «Dass überzeugte Christen gegen den IS vorgehen wollen, nimmt zu.» In dieses Bild passen auch die «Brothers of Kurdistan»: alles Christen, vor allem aus Amerika und England. Dies liegt unter anderem daran, dass der IS konsequent die christlichen Minderheiten im Irak und in Syrien verfolgt. Pfeiffer betont zwar, dass eher «christliche Werte» als der Glaube an sich ihn und die Milizler motivieren würden. Er schreibt aber auch: «Die IS hat dem Christentum den Krieg erklärt. Ich verstehe jeden, der sich die Gräueltaten nicht mehr länger ansehen will und sich aktiv dagegen beteiligt.»

Dass Pfeiffer nun in den Verdacht geraten ist, selbst an einem fremden Krieg teilzunehmen, wie es das Schweizer Militärstrafgesetz verbietet, weckt bei Pelda Erinnerungen: Seinen ersten Zeitungsbericht aus einem Kriegsgebiet habe er 1984 als 19-Jähriger aus Afghanistan verfasst – und zwar für die «bz Basel». «Da verdächtigte mich die Schweizer Militärjustiz auch, ich hätte mitgekämpft. Doch die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos, und das Verfahren wurde eingestellt.»

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