Schweiz
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Schlägerei am Mordprozess in Zürich: Vater aus Saal geworfen



Das Gebaeude des Bezirksgerichts an der Wengistrasse 30 in Zuerich fotografiert am 3. Oktober 2016 in Zürich. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

Das Bezirksgericht Zürich. Bild: KEYSTONE

Bei der Fortsetzung des Mordprozesses am Bezirksgericht Zürich ist es am Donnerstagmorgen zu einem kurzen Eklat gekommen. Der Vater des mutmasslichen Haupttäters schlug einen Mitbeschuldigten in der Pause mit der Faust gegen die Brust. Der Richter warf den Vater danach aus dem Saal.

Nach der Pause rief der Richter den im Zuschauerraum sitzenden Vater auf und sprach ihn auf den Vorfall in der Pause an. Dieser stritt den Schlag jedoch ab.

Daraufhin mischte sich der Bruder des Hauptbeschuldigten ein, der aber vom Richter zum Schweigen gebracht wurde. Es kam zu einem kurzen, lauten Disput, worauf der Richter den Vater kurzerhand aus dem Saal warf. Danach wurde der Prozess fortgesetzt.

Die Anwältin des türkischen Mitbeschuldigten forderte dabei einen Freispruch vom Hauptvorwurf der Gehilfenschaft zur vorsätzlichen Tötung und eine bedingte Geldstrafe. Angemessen sei eine bedingte Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 100 Franken. Auf einen Landesverweis des in der Schweiz geborenen und aufgewachsenen Mannes sei zu verzichten.

Waffe in die Hand gedrückt

Bei der Verhandlung am Bezirksgericht geht es um eine tödliche Auseinandersetzung zwischen zwei Männergruppen. Der mutmassliche Haupttäter und das damalige Opfer, ein 30-jähriger Kampfsportler und Türsteher, verband eine lange Feindschaft.

Auf die frühen Morgenstunden des 1. März 2015 vereinbarten sie ein Treffen in Zürich-Affoltern, wo jeder mit ein paar Kumpels erschien. Es kam zu einer Auseinandersetzung, an deren Ende der Türsteher erschossen am Boden lag.

Unbestritten ist, dass der Hauptbeschuldigte, ein heute fast 36-jähriger Schweizer mit kosovarische Wurzeln, seinem heute 25-jährigen türkischen Kumpel in jener Nacht eine Schusswaffe gab. Diese nahm der Türke in der Jackentasche zu dem Treffen mit.

Einzig aus Sicherheitsgründen, habe er das getan, sagte seine Anwältin in ihrem Plädoyer. Für den Staatsanwalt dagegen war klar, dass er damit rechnen musste, dass der Hauptbeschuldigte sie gegen seinen Feind einsetzen würde. Dies habe er zumindest in Kauf genommen – ein klarer Fall von Gehilfenschaft.

Strittig war, wie die Waffe vom Türken in die Hände des Haupttäters gelangte. Der Türke macht geltend, er habe einen Warnschuss in die Luft abgegeben, worauf die Streitenden auseinander gelaufen seien. Der Schweizer habe ihm die Waffe dann aus der Hand gerissen und auf die flüchtenden Gegner geschossen. Der Hauptbeschuldigte will sie jedoch vom Türken in die in die Hand gedrückt bekommen haben.

Urteil am 11. März

Die beiden Verteidiger des mutmasslichen Haupttäters und die Verteidigerin des zweiten Mitbeschuldigten, eines 35-jährigen Tschetschenen, werden am nächsten Verhandlungstermin, am 3. März, plädieren. Die Urteilseröffnung ist für den 11. März angekündigt.

Damit ist nun der grösste Teil der Anträge bekannt. Für den Hauptbeschuldigten fordert der Ankläger eine lebenslange Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 30 Franken, zudem soll der Mann ordentlich verwahrt werden.

Der Tschetschene soll mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten und einer ebenso bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Franken bestraft werden, und der Türke mit 6 Jahren Freiheitsentzug und 180 Tagessätzen zu 50 Franken. Er sei zudem für 5 Jahre des Landes zu verweisen.

Die Familie des Getöteten verlangt insgesamt 160'000 Franken Genugtuung sowie Schadenersatz. Und einer der Kollegen des Getöteten, der damals nur zufällig nicht von Schüssen getroffen wurde, fordert eine Genugtuung von 40'000 Franken. (aeg/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Heini Hemmi 23.01.2020 17:10
    Highlight Highlight Der Aggro-Vater soll beim Rausgehen einer Prozess-Zuschauerin eine Kopfnuss verpasst haben und ist vorbestraft, weil er bei einer Schlägi an der Langstrasse herumgeballert hat. Einfach fahrlässig, dass dieser Typ unbehelligt am Prozess auftauchen kann. Es ist für die Sicherheit aller Beteiligten zu hoffen, dass man diesen Typen für den weiteren Verlauf des Prozesses im Auge behält.
  • MarGo 23.01.2020 15:22
    Highlight Highlight So Type... kei Ahnig vom Läbe, aber Hauptsach stolz...
  • ninolino 23.01.2020 14:57
    Highlight Highlight ... eine illustre Gesellschaft...
  • DerSchöneVomLande 23.01.2020 14:53
    Highlight Highlight Da gabs doch mal n sprichwort.... ach ja: " der apfel fällt nicht weit vom stamm..."
    • MartinZH 23.01.2020 15:32
      Highlight Highlight Ja, früher hiess es: "Der Apfel...". 👍 Glaube mir, Artikel sind heute total oldschool. Exemplarisch: "Gömmer Migro". Ob normale Aussage, in Frage- oder Befehlsform, das sind auch nur Details... 😉
    • MahatmaBamby 23.01.2020 16:06
      Highlight Highlight the grammar inspector strikes back
    • Der Rückbauer 23.01.2020 16:20
      Highlight Highlight Tja, Chaos auf dem Blatt, Chaos im Kopf, Chaos im Gerichtssaal....
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mutbürgerin 23.01.2020 14:36
    Highlight Highlight Die werden die Genugtuung ja nicht bezahlen können. Wird das etwa der Steuerzahler übernehmen?
  • MartinZH 23.01.2020 14:21
    Highlight Highlight "Apfel fällt nicht weit vom Stamm." 😔👎
    • bcZcity 23.01.2020 15:14
      Highlight Highlight Mentalitäten werden zum Teil vererbt, zum Teil anerzogen. Wer selber keine solche Attitüde besitzt staunt ab so viel Aggression, weil man sich nicht auf andere Art artikulieren kann.

      Dummheit kann man nur bedingt geltend machen. Ich habe aber auch schon hoch gebildete Menschen erlebt, welche aggressiv waren. Einfach auf andere Art.

      Und wer das Geld hat kann i.d.r cool bleiben und schickt gleich zuerst einen Anwalt los. Nur nütz dies einem nichts wenn es zuerst handfester wird.

      Ich denke davor ist kein Mensch gefeilt. Wir sind am Ende alles Affen mit Schulabschluss.
    • Heini Hemmi 24.01.2020 05:40
      Highlight Highlight @bcZcity:
      ...auch wenn der Schulabschluss gut gefeilt ist, ist man nicht immer davor gefeit.
    • bcZcity 24.01.2020 11:01
      Highlight Highlight @Heini
      Ja, schorry, dische Sschmartfone Taschtaturen sint nichd immer zo tolll wänn es scnell gehhen musz.

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