Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Hörschaden nach Feuerwerksknall an Fussballspiel – Versicherung muss nicht zahlen



FC Luzern Fans zuenden Pyros beim Schweizer Cup Achtel Final Fussballspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Aarau am Mittwoch, 29. Oktober 2014 in der Swisspor Arena in Luzern. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Beim Fussball wird es laut. Oft auch zu laut. Bild: KEYSTONE

Das Bundesgericht erachtet die bleibende Gehörschädigung eines Mannes, die durch einen an einem Fussballspiel gezündeten Feuerwerkskörper verursacht wurde, nicht als Unfall. Die Versicherungsgesellschaft Swica muss damit nicht zahlen. Das Bundesstrafgericht hatte den Hörschaden im Verfahren gegen den Petardenwerfer als schwere Körperverletzung eingeordnet.

Das Kantonsgericht Luzern entschied im Juni 2019, dass die Explosion des Kreiselblitzes während des Super League-Spiels im Februar 2016 in Luzern und die Auswirkung auf das Opfer als Unfall zu werten seien. Aus diesem Grund verpflichtete das Gericht die Swica, bei der der Mann unfallversichert war, ihrer Leistungspflicht nachzukommen.

Während das Bundesstrafgericht für seine Beurteilung des Hörschadens auf das medizinische Gutachten abstellte, stützt sich die erste sozialrechtliche Abteilung des Bundesgericht in dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil auf das akustische Gutachten. Auch dieses wurde im Rahmen des Strafverfahrens erstellt.

Nach dem Bundesstrafgericht bestätigte im Februar 2019 auch die strafrechtliche Abteilung des Bundesgerichts die schwere Körperverletzung.

Versicherungsrechtliche Sicht

Die sozialrechtliche Abteilung hatte den Fall aus dem Blickwinkel des Sozialversicherungsrecht zu beurteilen. Entscheidend für die Bejahung der Leistungspflicht der Swica wäre das Vorliegen eines Unfalls. Ein solcher liegt gemäss Gesetz vor, wenn eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors den menschlichen Körper schädigt.

Die erste sozialrechtliche Abteilung verneint die Ungewöhnlichkeit des Ereignisses, weil an einem Fussballspiel mit einer grossen Menschenansammlung mit Lärm verursachenden Gegenständen wie Petarden, Trillerpfeifen und dergleichen gerechnet werden müsse.

Es führt zudem aus, nicht der Feuerwerkskörper als solcher habe den Hörschaden verursacht, sondern der Lärm beziehungsweise der Schallpegel. Der Explosionspegel betrug maximal 116.2 Dezibel. Dies ergab das akustische Gutachten.

Das Bundesgericht führt als Vergleich den Präventionsgrenzwert der Suva von 120 Dezibel auf, der als Grenzwert für Schallimmissionen am Arbeitsplatz für impulsartigen Schall gelte. Es weist weiter auf den maximalen Schallpegel von 125 Dezibel bei Veranstaltungen mit elektroakustisch verstärktem Lärm hin.

Das medizinische Gutachten, auf welches das Bundesstrafgericht abstellte, kam zum Schluss, empirische Erkenntnisse aus der Militärmedizin zeigten, dass ein Gewehrschuss bei verschiedenen Personen zu unterschiedlich schweren Beeinträchtigungen führen könne. Die Wahrscheinlichkeit sei zwar gering, dass der gezündete Feuerwerkskörper einen Hörschaden wie den vorliegenden hervorrufe. Es sei aber durchaus möglich. (Urteil 8C_545/2019 vom 14.11.2019) (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fernrohr 27.11.2019 20:21
    Highlight Highlight Au, Schei**e. Ich habe für nächstes Jahr zur Swica gewechselt! 😒😬
  • Stinkmuff 27.11.2019 17:15
    Highlight Highlight Was wäre wenn:
    a) einer dieser Richter selbst betroffen wäre, oder
    b) ein Kind eines Richters?

  • Auric 27.11.2019 13:47
    Highlight Highlight Also das Geld von dem holen der den Böller geworfen hat
    • In vino veritas 27.11.2019 19:37
      Highlight Highlight Wenn er den welches hat. Was man bei einem durchschnittlichen Hooligan nicht erwarten kann...
  • michiOW 27.11.2019 13:31
    Highlight Highlight Wer bezahlt bei einer Körperverletzung, wenn der Täter unbekannt ist?
    • phreko 27.11.2019 16:53
      Highlight Highlight Eben die Krankenversicherung und nicht die Unfallversicherung.
    • michiOW 27.11.2019 18:00
      Highlight Highlight @phreko
      Danke.
  • Dominik Treier 27.11.2019 13:21
    Highlight Highlight Unser dümmliches Unfallversicherungsgesetz perfekt erklärt! Dieser Paragraf mit der Ungewöhnlichkeit und dem äusseren Einfluss gehört schon lange gestrichen, weil er genau zu solchen nicht nachvollziehbaren und willkürlichen Urteilen führt!

    Tipp (nicht nachmachen, nur zur Demonstration...): Wenn ihr stolpert und die Treppe runter fallt, niemals angeben gestolpert zu sein, denn dann würde kein ungewöhnliches äusseres Ereignis vorliegen, sprich dann seit ihr mit gebrochenem Bein Krank...
    Seid ihr aber über einen Ball gestolpert ist es plötzlich ein Unfall...
    Hanebüchen!
    • ingmarbergman 27.11.2019 15:51
      Highlight Highlight Dein Hobby: Unsinn im Internet erzählen..
      🤦🏻‍♂️

      Ich habe einmal die Bänder gerissen als ich die Treppe runterstolpert bin. Die SUVA hat den Fall ohne Probleme bezahlt.
    • [Nickname] 27.11.2019 16:30
      Highlight Highlight Es reicht zu sagen es war ein Misstritt.
    • Dominik Treier 28.11.2019 11:37
      Highlight Highlight Das kann reichen... Es gibt aber genügend Fälle wo das nicht gereicht hat, wenn man etwas sucht findet man es auch...
      Frage mich wer hier Unsinn erzählt indem er von sich auf alle anderen schliesst ingmarbergman...
  • sikki_nix 27.11.2019 13:20
    Highlight Highlight Ich gratuliere der Swica hezlich zu dieser administrativen Meisterleistung. Wenn dieser Flegel bereits bei 116,2 dB unbedingt einen Hörschaden haben muss, dann soll er das gefälligst auch selber bezahlen!
    • michiOW 27.11.2019 18:01
      Highlight Highlight Wer lesen kann ist im Vorteil.
  • kein Model 27.11.2019 12:31
    Highlight Highlight Ok. Und was bedeutet das Urteil jetzt?
    Wer bezahlt? Swica nicht, die Suva? Oder auch die nicht, weil der Schalldruck unter 120 Dezibel lag?

Wenn die Einwohnerzahl die Kantone definieren würde

Neuste Zahlen zeigen: In der Schweiz leben rund 8,54 Millionen Menschen verteilt auf 26 Kantone. Was, wenn in jedem Kanton gleich viele Menschen leben würden? Die Schweiz wäre eine andere.

Treue watson-Leser erinnern sich: Schon im letzten Jahr spielten wir mit den Schweizer Kantonen herum. Wir teilten sie nach Nähe zum Kantonshauptort auf (gemessen an der Luftlinie und Reisedauer) und definierten danach 20 Kantone mit den jeweils grössten Schweizer Städten.

Unser neuestes Experiment dreht sich um die Einwohnerzahl: Was, wenn jeder Kanton gleich viele Einwohner hat? Wir verteilen die 8,54 Millionen Menschen also gleichmässig auf die Kantone. Bei 26 Kantonen wären das 328'461 …

Artikel lesen
Link zum Artikel