Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Rupperswil (AG) am Samstag, 10. Maerz 2018. Das Bezirksgericht Lenzburg verhandelt in der kommenden Woche den Vierfachmord von Rupperswil. Der Angeklagte ist ein 34-jaehriger Schweizer aus Rupperswil. Der auf vier Tage angesetzte Prozess beginnt am Dienstag in den Raeumlichkeiten der Mobilen Polizei in Schafisheim - unweit des Tatortes in Rupperswil. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bild: KEYSTONE

Fall Rupperswil: Ein Polizist plauderte Interna aus – das könnte für ihn teuer werden

Die Staatsanwaltschaft hat ein sistiertes Verfahren wieder aufgenommen. Sie wirft dem Dienstchef Forensik im Aargau vor, Täterwissen ausgeplaudert zu haben

Noemi Lea Landolt / ch media



Das Verfahren gegen einen Polizei-Offizier der Kantonspolizei Aargau war sistiert. Nun wurde es wieder an die Hand genommen, weil ein anderer Mann freigesprochen worden ist. Es geht um ein Detail im Fall Rupperswil, das inzwischen öffentlich ist. Damals war es das nicht.

Rückblende: Am 21. Dezember 2015 hat Thomas N. in Rupperswil vier Menschen die Kehlen durchgeschnitten. Lange wusste die Öffentlichkeit nicht, was genau sich an diesem Vormittag im Einfamilienhaus abgespielt hatte. Wie üblich in solchen Fällen informiert die Staatsanwaltschaft zurückhaltend. Details, die nur der Täter wissen kann, sollen geheim bleiben.

Doch im Laufe der Ermittlungen erwähnten Personen plötzlich, sie hätten gehört, dass den Opfern die Kehlen durchgeschnitten worden seien. Diese Information hätten sie von Stephan (Name geändert). Die Staatsanwaltschaft befragte Stephan. Er sagte, er habe die Information von seiner Schwiegermutter oder seiner Ehefrau, er wisse es nicht mehr genau.

Pikant: Die Schwiegermutter ist die Lebenspartnerin des Dienstchefs Forensik der Kantonspolizei Aargau. Stephan vermutet, dass seine Schwiegermutter die Information von ihrem Partner habe.

Die Chronologie des Vierfachmords von Rupperswil

Verfahren gegen Polizisten sistiert

Mit seiner Aussage belastet Stephan den Polizei-Offizier. Hat er Täterwissen ausgeplaudert? Die Staatsanwaltschaft eröffnet gegen den Polizisten ein Verfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung. Die Ermittler befragen aber auch die Lebenspartnerin des Polizisten. Sie wollen wissen, ob sie erzählt habe, dass den Opfern die Kehlen durchgeschnitten worden seien.

Diese sagt, sie habe das nicht weitererzählt, da sie das gar nicht gewusst habe. Ihre Tochter, Stephans Ehefrau, sagt das Gleiche. Deshalb eröffnet die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Stephan. Sie wirft ihm vor, eine falsche Zeugenaussage gemacht zu haben. Das Verfahren gegen den Polizei-Offizier wird sistiert.

Letztes Jahr kam es vor dem Bezirksgericht Lenzburg zum Prozess. Stephan führte damals aus, er sei sich zu 100 Prozent sicher, dass er die Information von seiner Schwiegermutter oder seiner Frau gehabt habe. Eine andere Quelle als den Polizei-Offizier könne er ausschliessen.

Stephans Sohn, der als Zeuge vor Gericht aussagte, belastete den Offizier sogar zusätzlich. Dieser habe ihm auf einem Spaziergang geraten, bei der Einvernahme möglichst vage zu bleiben. Stephans Sohn sagte vor Gericht, er habe erst später begriffen, dass es dem Polizisten nur darum gegangen sei, seine eigene Haut zu retten.

Gerichtspräsident Daniel Aeschbach sprach Stephan schliesslich nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» frei. Seine Aussagen seien glaubhaft. Inzwischen ist der Freispruch rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat das erstinstanzliche Urteil nicht weitergezogen.

Polizist ist weiterhin im Dienst

Der Freispruch von Stephan hat Auswirkungen auf die Ermittlungen gegen den Polizei-Offizier. Das sistierte Verfahren gegen ihn sei wieder an die Hand genommen worden, sagt Fiona Strebel, Mediensprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft. Es gelte die Unschuldsvermutung. Der betreffende Polizist arbeite weiterhin bei der Kantonspolizei, sagt Samuel Helbling, Mediensprecher des Departements Volkswirtschaft und Inneres. Welche Auswirkungen ein allfälliger Schuldspruch auf das Arbeitsverhältnis hätte, kann Helbling noch nicht sagen. «Zuerst muss das Urteil abgewartet werden.»

Doch nicht nur das Verfahren gegen den Polizisten hat einen Zusammenhang mit Stephans Freispruch. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft auch Stephans Ehefrau und die Partnerin des Polizeioffiziers im Visier. Sie wirft den beiden das vor, was sie auch Stephan vorgeworfen hatte: falsches Zeugnis.

Auch für die zwei Frauen gilt die Unschuldsvermutung, solange das Gericht nicht geklärt hat, ob sie die Wahrheit gesagt haben. Ob sie wirklich nicht wussten, dass den Opfern die Kehlen durchgeschnitten worden waren.

Gerichtsverhandlung Vierfachmord Rupperswil

Das könnte dich auch interessieren:

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel

Biden, Warren oder Sanders? Das Rennen der Demokraten wird zum Dreikampf

Link zum Artikel

Jack Ma tritt als Alibabas Vorsitzender offiziell zurück, aber ...

Link zum Artikel

Das sind die 50 besten Spieler in «FIFA 20» – Piemonte Calcio zweimal in den Top 15

Link zum Artikel

12 neue Serien, auf die du dich im Herbst freuen kannst

Link zum Artikel

In China sind gerade 100 Millionen Schweine gestorben – das musst du wissen

Link zum Artikel

Hat Bill Gates ein schmutziges Geheimnis?

Link zum Artikel

In Jerusalem verschwinden hunderte Katzen auf mysteriöse Weise – was ist bloss los?

Link zum Artikel

«... dann laufen sie hier 3 Tage besoffen mit geklauten Stadion-Dingen rum»

Link zum Artikel

Mit 16 der jüngste Torschütze in Barças Klub-Geschichte – 8 Fakten zu Ansu Fati

Link zum Artikel

Boris Johnson verliert wegen eines Überläufers die Mehrheit und ist jetzt in argen Nöten

Link zum Artikel

Ausschreitungen bei Demo in Zürich

Link zum Artikel

Xherdan Shaqiris Alleingang ist ein fatales Zeichen

Link zum Artikel

Auch Android und Windows von massivem Hackerangriff betroffen – was wir bislang wissen

Link zum Artikel

«Diese Wahlen widerlegen eine oft genannte These über die AfD»

Link zum Artikel

Wawrinka über Djokovic: «Dass er den Platz so verlassen muss, ist natürlich nicht schön»

Link zum Artikel

«Soll ich die offene Beziehung mit dem 10 Jahre Älteren beenden?»

Link zum Artikel

Messi darf Barça ablösefrei verlassen +++ Pa Modou wieder beim FC Zürich

Link zum Artikel

Kim Tschopp zeigt den grossen Unterschied zwischen Realität und Instagram

Link zum Artikel

Wie viel Schweizer Parteien auf Facebook ausgeben – und warum wir das wissen

Link zum Artikel

Der Roadie, der mich Backstage liebte (und mir biz Haare ausriss)

Link zum Artikel

Für Huawei kommts knüppeldick – neue Handys müssen auf Google-Apps verzichten, sagt Google

Link zum Artikel

Die Hockey-WM lehnt den «Eisenbahn-Deal» ab – und das ist schlicht lächerlich

Link zum Artikel

Netflix bringt 10 Filme in die Kinos – und die hören sich grossartig an

Link zum Artikel

Verrückt, aber wahr – Stuckis Sieg, der keiner war

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Korrektiv 08.04.2019 10:46
    Highlight Highlight Drei Mal "Polizei-Offizier", dann plötzlich "Polizeioffizier". Wie passiert so etwas? Warum vergisst die Autorin mitten im Artikel ihr Wording, und warum greift das Korrektorat nicht ein? Oder habt ihr keins? Empfohlen hier übrigens: Polizeioffizier.
  • Okabe Rintarou 08.04.2019 10:14
    Highlight Highlight Ein bisschen unnötig...
  • Käpt'n Hinkebein 08.04.2019 09:55
    Highlight Highlight Bei den Familiennachtessen am Sonntagabend möchte ich mal dabei sein!
  • Asmodeus 08.04.2019 09:34
    Highlight Highlight Schlussendlich läuft es darauf hinauf dass jeder abstreitet und alle freigesprochen werden.

    Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld (Vor Allem Steuergeld).

    Aber Hauptsache das Gericht und die Anwälte verdienen was.
    • Astrogator 08.04.2019 12:56
      Highlight Highlight Grundsätzlich begrüsse ich es wenn eine Amtsgeheimnisverletzung verfolgt wird.

      Aber ob ich meine Klappe halten könnte wenn ich mit einem solchen Fall emotional stark belastet wäre?
      Menschlich nachvollziehbar wäre das Verhalten des Polizisten allemal.
      Bin beruflich mit dem Thema Schienensuizid konfrontiert, bisher nicht selbst betroffen. Aber man merkt wie sich Kollegen von einer grossen Last befreien können wenn sie darüber sprechen. Und man will nicht immer alles einem Psychologen erzählen.

40-Jähriger stach auf Schwangere ein: «Geht es noch skrupelloser?»

Ein 40-Jähriger wollte ein Baby abtreiben und seine Frau töten. «Versuchter Mord», urteilte das Bezirksgericht Aarau.

«Geht es noch skrupelloser?» Mit dieser Frage brachte Oberstaatsanwältin Carmen Laffranchi die Sicht der Anklage auf den Punkt. Als Beschuldigter stand Josef (Name geändert), ein 40-jähriger Eritreer, vor dem Bezirksgericht Aarau. Zur Last gelegt wurden ihm in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau der versuchte Mord an seiner Ehefrau und versuchter strafbarer Schwangerschaftsabbruch. Der Tathergang, so wie er in der Anklageschrift geschildert wird, war unbestritten. …

Artikel lesen
Link zum Artikel