Rote Zahlen: Verabschiedet sich die Swiss aus Genf?
Zürich ist für die Swiss der Heimathub. Der zweite Schweizer Standort in Genf-Cointrin spielt für die Airline eine viel kleinere Rolle – hier häuft die Lufthansa-Tochter Verluste an. Nun mehren sich Hinweise, dass die Schweizer Airline der Calvin-Stadt den Rücken kehren könnte, nachdem sie sich bereits vor elf Jahren vom Euro-Airport in Basel-Mülhausen zurückgezogen hat.
Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, wollen die Lufthansa-Verantwortlichen Genf bis Ende Jahr in den schwarzen Zahlen sehen. Gelingt dies nicht, werde über «drastische Abbaumassnahmen nachgedacht», heisst es in dem Bericht. Ein kompletter Rückzug aus Genf soll eine Option sein.
«Grosse strategische Bedeutung»
Auf Anfrage von CH Media sagt dazu ein Swiss-Sprecher, Genf sei und bleibe ein wichtiger Bestandteil des Streckennetzes. «Genf hat für uns eine grosse strategische Bedeutung. Die Region ist ein wichtiges internationales Drehkreuz – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Unser Anspruch als führende Airline der Schweiz ist es, langfristig in Genf präsent zu bleiben und die Westschweiz weiterhin an unser Streckennetz anzubinden.»
Gleichzeitig, sagt der Sprecher, brauche es ein Modell, das wirtschaftlich auf lange Sicht funktioniere. «Wir bewegen uns in Genf in einem der härtesten Märkte Europas: hohe Kosten, schwankende Nachfrage und ein Low-Cost-Carrier mit einem rund viermal so hohen Marktanteil wie wir. Das ist wirtschaftlich eine sehr anspruchsvolle Ausgangslage, und wir sind uns bewusst, dass die Entwicklungen in der Region aufmerksam beobachtet werden.» Mit Low-Cost-Carrier meint die Swiss Easy Jet.
Einen festen Zeitpunkt für das Erreichen der Ziele habe man nicht gesetzt. «Klar ist aber, dass wir rasch Wirkung sehen möchten. Ebenso klar ist, dass sich die Rahmenbedingungen in der Luftfahrt aktuell sehr schnell verändern. Die geopolitischen Entwicklungen im Mittleren Osten zeigen dies besonders eindrücklich.»
Mykonos und Catania gestrichen
Die Swiss wolle eine wichtige Rolle am Standort Genf spielen und den Kundinnen und Kunden ein attraktives Streckenangebot bieten. «Dieses Angebot muss aber langfristig und nachhaltig profitabel sein. Das gilt für Genf genauso wie für Zürich.» Ziel sei, den Standort Genf wirtschaftlich stabil und zukunftsfähig zu machen. «Daran arbeiten wir mit konkreten und gezielten Massnahmen: Wir passen unser Angebot an, vereinfachen Abläufe und senken Kosten», so der Sprecher.
Derweil zeigt sich, dass bereits im Sommerflugplan, der seit Sonntag gilt, Kapazitäten in Genf reduziert wurden: Ein derzeit für die Swiss eingesetztes Air-Baltic-Flugzeug wird konzernintern ausgeliehen und vorübergehend im Flugbetrieb von Austrian eingesetzt. «Für uns bedeutet dies, dass ein Flugzeug weniger für den eigenen Betrieb zur Verfügung steht», erklärt der Sprecher. Die Konsequenz: In der Sommersaison werden ausgewählte Frequenzen ab Genf reduziert; zwei saisonale Feriendestinationen werden nicht bedient. Es sind dies die Destinationen Mykonos in Griechenland und die sizilianische Stadt Catania. (aargauerzeitung.ch)

