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Ein Eurofighter beim Start: Wird er den F/A-18 ersetzen?
Ein Eurofighter beim Start: Wird er den F/A-18 ersetzen?
Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Neue Kampfjets: Airbus will die Schweiz vom Eurofighter überzeugen

Airbus will der Schweiz den Eurofighter als nächsten Kampfjet verkaufen – ein Augenschein in Estland.
27.12.2016, 04:25
henry habegger, tallinn / Aargauer Zeitung

Die Enttäuschung der Eurofighter-Crew ist spürbar. Der Höhepunkt des Tages, die Demonstration eines Eurofighter-Starts, fällt aus. Es ist jetzt keine Zeit für Vorführungen vor den internationalen Journalisten. Die deutsche Luftwaffe hat Anweisung, mit ihren fünf Kampfflugzeugen am Boden zu bleiben, um notfalls zum Alarmstart bereit zu sein. Grund ist – wie könnte es an der Ostsee anders sein – Wladimir Putin.

Ort des Geschehens: die Ämari-Luftwaffenbasis nahe der estnischen Hauptstadt Tallinn. Im Rahmen der Nato-Mission «Air Policing Baltikum» stellt die deutsche Luftwaffe derzeit Truppe und Kampfjets, die zusammen mit den in Litauen stationierten Franzosen den Luftraum der drei baltischen Staaten sichern. Das freut die Balten, die keine schlagkräftige Luftwaffe haben. Weniger Freude an der Präsenz haben die Russen im Osten. Sie provozieren unaufhörlich und testen und schrecken die Balten-Beschützer auf. Die steigen aus ihren Basen auf wie Wespen aus dem Nest.

Jetzt auf

Das kommt den westeuropäischen Nationen nicht ganz ungelegen. Es bietet die Möglichkeit, die Fähigkeiten der eigenen Kampfjets zu testen und zu demonstrieren. So auch für Airbus Defence and Space mit Sitz in München, den Hersteller des Eurofighters. Airbus will, das zeigt sich in Tallinn rasch, mit Verteidigungsminister Guy Parmelin ins Geschäft kommen: Der Eurofighter, eine Gemeinschaftsproduktion von Deutschland, Italien, Spanien und den Briten, soll der nächste Schweizer Kampfjet werden.

Seit September 28 Alarmstarts

In Ämari sorgen unbekannte, unangemeldete Russen-Flugzeuge aller Art mit ausgeschaltetem Transponder laufend für Betrieb. Sie schleichen sich in der Regel aus der Gegend von St.Petersburg nordöstlich von Estland hinunter in Richtung russische Enklave Kaliningrad im Südwesten Litauens oder umgekehrt. Durch den engen internationalen Luftraumkorridor zwischen den baltischen Staaten auf der einen und Finnland und Schweden auf der anderen Seite. Das ist nicht ungefährlich, weil die Jets von der zivilen Flugsicherung und den anderen Benutzern des Luftraums nicht erkannt werden können.

Innert maximal 15 Minuten müssen die Maschinen der Deutschen in der Luft sein. Wenn Gefahr im Verzug ist, warten die Piloten in voller Montur im Cockpit auf den Einsatzbefehl. 28 Alarmstarts haben die Deutschen seit September absolviert, als ihr derzeitiger Einsatz in Tallinn begann.

In der Luft geht es oft darum, das Russen-Vehikel zu identifizieren und den Piloten dazuzubringen, den Transponder einzuschalten. Der Russe macht das in der Regel freundlich und ohne zu murren, und die Piloten fotografieren sich gegenseitig durchs Fenster. Die Zusammentreffen mit den Russen seien bisher immer «freundschaftlich» gewesen, betonen die Deutschen. Die dürfen von ihren Raketen nur Gebrauch machen, wenn sie angegriffen werden. Der Einsatz im Baltikum ist in mancher Hinsicht eine Art Waffenmesse, ein Schaufenster der Rüstungsindustrie, die angesichts der weltweit zunehmenden Spannungen neue Absatzchancen sieht.

Für die Deutschen ist die Mission in Estland eine Art Ernstfall, der sich ihrer nicht kriegserprobten Luftwaffe sonst nicht bietet. Die Piloten sind begeistert von ihren leistungsstarken Maschinen und deren mörderischen Mitteln. Sie erzählen den Journalisten ausführlich davon. Während er im Hangar in Ämari auf den Alarmeinsatz hofft, deutet ein Flieger-Hauptmann auf die scharfen Raketen, die unter den Tragflächen seines startbereiten Eurofighters hängen. «Piloten können nie genug Raketen unter den Flügeln haben», sagt er.

Die letzte Schweizer Typenwahl gewann 2008 der Gripen. Obwohl der französische Rafale und der Eurofighter dem kleinen Schweden in Sachen Luftpolizei, Luftverteidigung und Erdkampf klar überlegen waren. Und der Rafale war besser als der Eurofighter. Das soll diesmal anders sein.

Der Eurofighter verfüge mittlerweile über das bessere Radar, sei für eine weit längere Lebensdauer zertifiziert als der Rafale (und auch als der F/A-18). Gleichzeitig brauche der im Unterhalt teure Flieger weniger Unterstützungspersonal als früher. Und nicht zuletzt wird der Eurofighter nun mit einer Reihe von Lenkwaffen für den Erdkampf ausgerüstet. Der Eurofighter habe bessere Flugleistungen, stärkere Triebwerke, eine bessere Steigrate. In einem Land mit vielen Bergen wie der Schweiz ist das aus Sicht von Airbus ein starker Trumpf.

Evaluation ab 2018, Entscheid 2020
Schon ab 2018 will Verteidigungsminister
Guy Parmelin
(SVP) einen weiteren Versuch
zur Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs
starten. Der letzte Anlauf
ging schief: Das Stimmvolk lehnte
2014 den noch von Ueli Maurer aufgegleisten
Kauf des Gripen als Ersatz
für den alten Tiger-Kampfjet ab.

Parmelins
vorläufiger Fahrplan sieht
vor, den Typenentscheid im Jahr
2020 zu fällen. Diesmal soll es um
den Ersatz nicht nur des Tigers, sondern
auch des F/A-18 gehen. 2022
soll das Parlament die Mittel für den
neuen Jet sprechen, der bis zu 10 Milliarden
Franken kosten könnte. Zwischen
2025 und 2030 sollen die neuen
Jets nach und nach geliefert werden.
Ins Rennen steigen dürften neben Eurofighter
auch der französische Hersteller
Dassault (Rafale) und mindestens
ein Amerikaner: Lockheed Martin mit
dem F-35. Auch Saab dürfte es mit dem
Gripen noch einmal versuchen.

Lockheed
Martin hat die Agentur Farner mit
einem Medienmonitoring beauftragt,
Saab setzt nach wie vor auf Hirzel Neef
Schmid. Unklar ist, auf welche Agentur
Dassault setzt. (HAY)

Rafale gegen Eurofighter?

Die Deutschen, die gerne den Eurofighter für die Schweiz produzieren würden, sind optimistisch. Florian Taitsch, Sprecher von Airbus Defence and Space, sagt zur «Nordwestschweiz»: «Der Eurofighter ist seit 2008 ‹erwachsen› geworden. Er ist mittlerweile ein echtes Multirole-Flugzeug mit ausgezeichneten Eigenschaften für das Bekämpfen von Flugzielen als auch für den Erdkampf ausgelegt. Wir sind überzeugt, mit dem Eurofighter ein äusserst leistungsfähiges Flugzeug mit einem sehr stimmigen Gesamtpaket anbieten zu können.»

Es könnte in der Schweiz zu einem Zweikampf kommen zwischen Rafale und Eurofighter. Die Franzosen arbeiten längst am Projekt, der Verteidigungsminister war bereits bei Bundesrat Parmelin.

Auch Airbus baut bereits die Schweizer Kampagne auf: Der Konzern hat gemäss Recherchen die PR-Agentur Furrer Hugi in Bern angeheuert. Für die Hersteller geht es um viel: Sowohl die Franzosen als auch Airbus kämpfen mit Haken und Ösen um Aufträge. Und in die Schweiz, dieses Vorzeigeland, das in den Augen vieler Anbieter keine Geldsorgen hat, würden alle besonders gern liefern. Derweil antwortet der estnische Kommandant der Ämari-Basis, Ülar Lõhmus, ohne zu zögern auf die Frage, welchen Jet er am liebsten hätte: «Den F-35». Das ist der Bomber, den der zukünftige US-Präsident Donald Trump in einem Tweet als viel zu teuer kritisiert hat.

Am Tag nach dem Tallinn-Besuch zeigt sich, warum die Eurofighter keine Zeit hatten für die Journalisten. Laut lettischen Medien waren drei russische Kampfjets, zwei Su-27 und ein SU-30, unangemeldet in Richtung Kaliningrad unterwegs. Zu Wasser war in der gleichen Richtung eine russische Korvette, ein Kriegsschiff also, unterwegs und kam der lettischen Grenze bedrohlich nahe. Wenig später tauchte mit gleichem Kurs auch noch ein russisches Jagd-U-Boot auf.

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