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Warum private Medien bei Crans-Montana schneller waren als das SRF

Warum private Medien bei Crans-Montana schneller waren als das SRF – oder eben nicht

«20 Minuten» täuscht die Leserinnen und Leser mit einer zurückdatierten Meldung über die Brandkatastrophe.
13.01.2026, 22:2913.01.2026, 22:29
Francesco Benini / ch media

Die privaten Medien waren in der Silvesternacht agil und nahmen sofort die Berichterstattung über die Brandkatastrophe in Crans-Montana auf. Die finanziell komfortabel ausgestatteten Sender der SRG verhielten sich hingegen träge und brauchten Stunden, bis sie erste Meldungen publizierten.

epa12621415 Members of the media work in front of the area where an unidentified origin fire broke out at the 'Le Constellation' bar and lounge leaving people dead and injured, during New Ye ...
Medienleute am 2. Januar vor der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana.Bild: keystone

Diesen Vorwurf erhoben das Online-Portal «Inside Paradeplatz», die «Weltwoche», und auch dieses Medium ging auf das Thema ein. Die Kritik ist relevant im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Halbierungsinitiative: Warum soll jeder einzelne Haushalt im Land fürderhin 300 (statt 200) Franken für die Medienabgabe aufwenden, wenn die SRG-Sender mit journalistischer Behäbigkeit negativ auffallen?

Nun ergeben Recherchen: Der Vorwurf an die Adresse der SRG ist nicht haltbar. Versagt hat in der Unglücksnacht nicht der öffentlich finanzierte Rundfunk, sondern ein privates Medium.

Journalist kennt Mitteilung, bevor sie geschrieben wird

Als Beleg für die Überlegenheit der Privaten wurde verschiedentlich eine Meldung von «20 Minuten» zitiert: Am 1. Januar schrieb dieses Nachrichtenportal um «1.48 Uhr»: In Crans-Montana sei um 1.30 Uhr ein Brand ausgebrochen. Beim Unglück seien mehrere Menschen ums Leben gekommen, wie die Polizei bestätige.

Diese Meldung fasste ein Communiqué zusammen, das die Walliser Kantonspolizei geschrieben hatte. Lag es bereits kurz nach Ausbruch des Brandes vor, wie «20 Minuten» suggerierte? Nein. Die Kantonspolizei verschickte die Mitteilung um 8.07 Uhr.

Wie ist es möglich, dass «20 Minuten» den Inhalt des Communiqués mehrere Stunden vor dessen offizieller Publikation kannte? Eine plausible Erklärung gibt es dafür nicht. Naheliegend ist vielmehr, dass ein Journalist eine Meldung im News-Ticker des Online-Portals um mehrere Stunden zurückdatierte.

Schon wenige Minuten nach dem Ereignis will «20 Minuten» gemäss – mittlerweile korrigiertem – Ticker berichtet haben.
Schon wenige Minuten nach dem Ereignis will «20 Minuten» gemäss – mittlerweile korrigiertem – Ticker berichtet haben.Bild: sc chmedia/20min

Das ist ein schwerer journalistischer Fehler. Im Online-Journalismus ist Schnelligkeit ein wichtiges Kriterium. Offenbar wollte «20 Minuten» den Eindruck einer besonders zeitnahen Berichterstattung erwecken.

In Wahrheit war der Hauptkonkurrent von «20 Minuten» zuerst: Der «Blick» beschäftigt einen Korrespondenten im Wallis. Ihm fielen am 1. Januar am frühen Morgen Schreckensmeldungen auf dem Netzwerk Telegram auf. Er informierte sofort die Redaktion in Zürich. Nach 6 Uhr publizierte «Blick.ch» die erste Meldung in der Deutschschweiz zur Brandkatastrophe.

Die Nachricht wurde von den anderen Nachrichtenportalen übernommen und zum Teil mit eigenen Bildern und Kurzfilmen aus den sozialen Medien ergänzt. Srf.ch/news nahm die Berichterstattung über den Brand in Crans-Montana nicht mehrere Stunden, sondern ein paar Minuten später als «20 Minuten» auf. Das war kurz nach 7 Uhr. Eine Stunde später publizierte die Walliser Kantonspolizei ihre erste Medienmitteilung und kündigte eine Pressekonferenz an.

Kritik am linearen Fernsehen hält an

Eliane Loum-Gräser, Sprecherin von «20 Minuten», erklärt auf Anfrage: Der Newsticker von «20 Minuten» sei inzwischen korrigiert und mit einer Richtigstellung ergänzt worden: «Der Redaktion ist beim Einrichten des Tickers ein Fehler unterlaufen, indem sie diesen Eintrag auf den ungefähren Ereigniszeitpunkt zurückdatiert hat. Der Ticker wurde aber erst nach einer Erstmeldung um 6.44 Uhr, in der korrekt der ‹Blick› zitiert wurde, eingerichtet.»

«20 Minuten» begann die Berichterstattung also fünf Stunden später, als es der publizierte Zeitstempel vermuten liess. Der zeitliche Vorsprung auf die SRG ist eine Täuschung.

Die Kritik am Rundfunk reisst aber nicht ab. Im Zentrum steht dabei, wie das lineare Fernsehen über die Brandkatastrophe berichtete. Der Medienunternehmer Roger Schawinski sagte am Montag auf Radio 1: Die Tragweite des Falles sei sofort zu erkennen gewesen. Die deutschen Fernsehanstalten hätten am 1. Januar Sondersendungen ausgestrahlt, nicht aber das Schweizer Fernsehen.

Als SRF drei Tage später am Abend ein grosses Sonderprogramm zu Crans-Montana zeigte, wurde es von Nik Hartmann aus der Unterhaltungsabteilung moderiert. Die Informationssparte schaffte es nicht, einen Moderator aufzubieten. (aargauerzeitung.ch)

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149 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Chaose
13.01.2026 22:49registriert Januar 2014
SRF hat am 1.1. im Radio von früh bis spät laufend und sehr ausführlich berichtet. Ist nirgends erwähnt, sollte aber nicht vergessen gehen, wenn man schon (unangebrachterweise) Erbsen zählt in der Sache.
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Beat_
13.01.2026 22:56registriert Dezember 2018
Ich brauche keine Sondersendung. Schon gar nicht um stundenlang zu hören, was könnte und was hätte und möglicherweise...
Und für Fakten braucht es Zeit.
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Ameo
13.01.2026 22:39registriert Oktober 2025
Als ob es eine Rolle spielt, wenn man am 1. Januar um 6 Uhr oder 10 Uhr die Meldung in einem der vielen Medien mitbekommt. Ändert genau nichts an der Tragödie.
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Schaumstoff in der Kritik: Hornbach und Jumbo reagieren
watson hat sich bei Hornbach, der Baumarktkette, in der Jacques Moretti laut eigenen Angaben das im «Le Constellation» in Crans-Montana verbaute Material gekauft hat, ein Stück Akustikschaumstoff besorgt.
Gegenüber der Walliser Justiz erklärte Jacques Moretti, der Betreiber der Bar «Le Constellation», dass er den Akustikschaumstoff, der an der Decke des Kellerraums der Bar befestigt war, bei Hornbach gekauft habe. Wir wollten wissen, welche Warnhinweise die Baumarktkette zu dieser Art von Schaumstoff gibt.
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