Schweiz
Migration

Gericht stützt Baume-Schneider: Afghaninnen haben Recht auf Asyl

An Afghan woman weaves a carpet at a traditional carpet factory in Kabul, Afghanistan, Monday, March 6, 2023. After the Taliban came to power in Afghanistan, women have been deprived of many of their  ...
Eine Afghanin in einer Teppichfabrik in Kabul (Archivbild vom 6. März 2023).Bild: keystone

Gericht stützt Baume-Schneider: Afghaninnen haben Recht auf Asyl

Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Beschwerde von zwei Afghaninnen gegen ihre Ausweisung gutgeheissen. Demnach muss ihnen in der Schweiz Asyl gewährt werden. Das Gericht stützt damit die neue Asylpraxis des Staatssekretariats für Migration (SEM).
17.12.2023, 13:3117.12.2023, 13:37

Ein selbstbestimmtes Leben für Frauen und Mädchen in Afghanistan sei unter dem aktuellen Regime der Taliban nicht möglich, kommt das von der «NZZ am Sonntag» publik gemachte Urteil zum Schluss. Diese Diskriminierung sei flüchtlingsrechtlich ein erhebliches Verfolgungsmotiv, heisst es im Urteil, das der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt.

Das SEM hatte im September 2022 die Asylgesuche der beiden Frauen abgelehnt und deren Wegweisung aus der Schweiz verfügt. Dagegen hatten die Afghaninnen Beschwerde eingereicht.

Risiko der Zwangsheirat

Das Gericht kommt nun zum Schluss, dass die beiden Frauen als Flüchtlinge anzuerkennen sind und dass das SEM ihnen Asyl gewähren muss. Die zwei jungen ledigen Frauen seien in Afghanistan dem Risiko der Zwangsheirat ausgesetzt und hätten keine Möglichkeit zu einer Ausbildung oder Ausübung eines Berufs.

Die Rückkehr nach Afghanistan wäre laut Bundesverwaltungsgericht zudem mit «erheblichem psychischen Druck» verbunden und würde den beiden Frauen ein menschenwürdiges Leben verunmöglichen. Frauen, die dem Regime der Taliban entflöhen, würden in der Regel mit der Ausreise ausdrücken, dass der auf ihnen lastende psychische Druck nicht mehr erträglich sei, heisst es im Urteil.

Wie geht's jetzt weiter?

Im Juli dieses Jahres änderte das SEM seine bisherige Praxis und entschied nach einer Empfehlung der Europäischen Asylagentur (EUAA), Frauen aus Afghanistan in der Regel Asyl zu gewähren.

Dieser Entscheid wird am nächsten Dienstag und Mittwoch in einer ausserordentlichen Session im Parlament behandelt. Die Motionen von Gregor Rutz (SVP/ZH) und Philipp Bauer (FDP/NE) verlangen, die Praxisänderung des SEM wieder rückgängig zu machen.

Seit der Praxisänderung ist die Zahl der Asylgesuche von neu in die Schweiz kommenden Afghaninnen bisher nicht nachhaltig gestiegen, wie das SEM Ende November mitteilte. Beobachtet hat das Staatssekretariat allerdings einen saisonalen Anstieg und vermehrte Folgegesuche von Afghaninnen, die bereits in der Schweiz leben. (TAF D-4386/2022) (jaw/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Bergbahn-Mitinitiant will Zufahrt ins Kandertal beschränken
Der Mitinitiant der geplanten Bergbahn Kandersteg-Elsigenalp (LKE) hat Zufahrtsbeschränkungen für Autofahrer ins Kandertal gefordert. «Ohne Schranken im unteren Kandertal wird es nicht gehen», sagte Lukas Eichenberger im Interview mit der «Berner Zeitung».
Zur Story