Schweiz
Offen gesagt

Waffenrecht: Der Grund für die Niederlage der Schützen

Offen gesagt

«Liebe Schützinnen und Schützen, darum habe ich leer eingelegt ...»

Mit einer Anti-EU- und Entwaffnungs-Hysterie haben die Schützinnen und Schützen gegen das neue Waffenrecht mobilisiert. Das war aus vielen Gründen falsch.
19.05.2019, 14:0820.05.2019, 06:40

Liebe Schützinnen, liebe Schützen

Sie haben Ihr Referendum gegen das neue Waffenrecht verloren. Einigermassen krachend, sogar. Überraschend kam das nicht, denn Ihre Kampagne war schlecht gemacht. Und zwar von Anfang an.

Auch wenn das aus Ihrer Perspektive und in Ihrer Lebenswelt anders aussehen mag: Die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben noch nie im Leben eine Waffe in der Hand gehalten, geschweige denn eine abgefeuert. Es ist also der Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger komplett egal, ob, wann, wie und wo man mit welcher und unter welchen Umständen käuflich erworbenen Waffe aufkreuzen kann oder nicht.

Und es ist wohl auch nur eine verschwindend kleine Minderheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die befürchtet, dass die EU demnächst mit Waffengewalt über die Schweiz herfällt.

Entsprechend wenig hat die Strategie "Die böse EU will uns wehrhafte Schweizer entwaffnen und kolonialisieren" verfangen. Warum? Weil diese Botschaft schlicht Blödsinn und mit einem kurzen Blick in den Gesetzestext widerlegt ist.

Fairerweise muss man sagen, dass auch der populistische Teil der Kommunikationsstrategie des gegnerischen Lagers ebenfalls Humbug war: Lehnen wir die Vorlage ab, dann fliegen wir aus Schengen und stehen der geballten Weltkriminalität schutzlos gegenüber.

Kurz: Die Pumpe, der Föhn, die Bleispritze sollte einmal mehr zum Symbol erhoben werden für die Identität unseres Landes, unserer Identität als Schweizerinnen und Schweizer und zum Kompass zu unserem Platz in der Weltgemeinschaft. Kein kritisch denkender Mensch kann sich auf eine solche Diskussion ernsthaft einlassen.

Dabei hätte sich einmal mehr angeboten, sehr konkret und grundsätzlich über Rolle und Funktion der Waffe in Händen der Bürgerinnen und Bürger zu debattieren. Es gibt aus historischer Perspektive durchaus gute Gründe, dem Gewaltmonopol des Staates eine Bewaffnung der Regierten als Notkorrektiv gegenüber zu stellen. Und es gibt aus aktueller Perspektive ebenso drängende Motive, die Zahl der sich im Umlauf befindenden Waffen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Eine solche Debatte, die zu Erkenntnisgewinn statt auf die Reste-Rampe der Nationalsymbolik geführt hätte, hätte ich mit Interesse verfolgt. Und als Militärhistoriker a.D. und Stimmbürger allenfalls sogar mit einer Stimme belohnt.

Lieber Gruss

Maurice Thiriet

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