Schweiz
Ostschweiz

Sex unter Geschwistern: St.Galler Justiz muss Fall neu prüfen

Sex unter Geschwistern: St.Galler Justiz muss Fall neu prüfen

02.03.2022, 12:0002.03.2022, 13:11

Die St.Galler Anklagekammer muss sich ein zweites Mal mit einem Fall befassen, in dem es um sexuelle Handlungen zwischen einem Jungen mit seiner eineinhalb Jahre jüngeren Schwester geht. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Die Anklagekammer habe es unterlassen, in rechtlicher Hinsicht zu prüfen, ob der Junge Zwang ausgeübt und so die Willensbildung seiner Schwester beeinflusst habe, schreibt das Bundesgericht in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil. Die Vorinstanz war davon ausgegangen, dass sich das Mädchen seinem Bruder eigenständig hätte entgegensetzen können.

Damit habe die Anklagekammer nicht berücksichtigt, dass es sich beim Opfer um ein zwar urteilsfähiges, aber stark beeinflussbares Kind gehandelt habe, schreibt das Bundesgericht. Das Mädchen habe die sexuellen Handlungen ab einem gewissen Zeitpunkt als «nicht mehr ok» empfunden, sich aber nicht gewehrt.

Grosse Verbundenheit

Der Junge sei in sexuellen Belangen auffällig reif gewesen. Er sei die wichtigste und engste Bezugs- und Vertrauensperson seiner Schwester gewesen und habe die einseitige Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse gewünscht.

Die ersten sexuellen Handlungen zwischen den eng verbundenen Geschwistern ereigneten sich, als die Kinder sieben und sechs Jahre alt waren. Sie begannen mit «kindlichen Doktorspielen», wie das Bundesgericht in seinem Urteil ausführt. Zwischen dem zehnten und dreizehnten Lebensjahr des Mädchens vollzog der Bruder dann wiederholt Analverkehr an seiner Schwester.

Geistergeschichten

Als sie etwa elf Jahre alt war, wollte das Mädchen dies nicht mehr und glaubte ihrem Bruder auch nicht mehr die Geschichten über Geister, die ihn sonst plagen würden, oder die Kopfschmerzen. In den Jahren 2019 und 2020 kam es schliesslich zu zwei Gefährdungsmeldungen.

Der Junge zeigte sich selbst an, so dass die Jugendanwaltschaft Ermittlungen aufnahm. Gegen die Einstellung des Verfahrens im Frühling vergangenen Jahres legte das Mädchen Beschwerde ein. Die Anklagekammer wies diese ab. Das Bundesgericht hat ihre Beschwerde nun teilweise gutgeheissen. (Urteil 6B_968/2021 vom 31.1.2022) (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
19 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
*Butterfly*
02.03.2022 14:23registriert Februar 2022
Wo um Himmelswillen waren denn die Eltern bzw. das enge Umfeld... ?
12117
Melden
Zum Kommentar
avatar
Wurm-Hoschi
02.03.2022 15:45registriert Juli 2021
Bei solchen Berichten würde ich es begrüssen, wenn die Kommentarfunktion von Beginn weg abgeschaltet würde.
13033
Melden
Zum Kommentar
19
«Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bevölkerung das möchte»
Betreibt der Bundesrat im Kampf gegen die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» Schwarzmalerei? Und nimmt er die Ängste der Bevölkerung wegen der Zuwanderung ernst genug? Justizminister Beat Jans bezieht Stellung im grossen watson-Interview.
Bei der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» zeichnet sich ein knappes Rennen ab. Laut neuster GFS-Umfrage würden je 47 Prozent Ja beziehungsweise Nein stimmen. Wie erklären Sie sich das?
Beat Jans:
Dieses Ergebnis nehmen wir ernst, aber es überrascht mich nicht. Bei Migrationsfragen war die Bevölkerung schon früher gespalten. Wie im Fussball gilt: Der Match dauert 90 Minuten. Es ist alles offen. Ich bin in der ganzen Schweiz unterwegs. Wenn ich mit den Menschen konkret über den Initiativtext spreche, wächst die Skepsis. Vielen wird klar, dass die Initiative leere Versprechen macht und erhebliche Probleme mit sich bringt.
Zur Story