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Karin Keller-Sutter, vorne, von der FDP wurde auf Anhieb gewaehlt, waehrend SP-Politiker Paul Rechsteiner, hinten, in eine zweite Runde muss, aufgenommen am Sonntag, 18. Oktober 2015, bei den Eidgenoessischen Wahlen 2015 im Kanton St. Gallen im Pfalzkeller der Stadt St. Gallen. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Karin Keller-Sutter nach ihrem Wahlerfolg gestern im Pfalzkeller der Stadt St.Gallen. Im Hintergrund Paul Rechsteiner von der SP. Er muss in eine zweite Runde.
Bild: KEYSTONE

Karin Keller-Sutter: Mit 0 Tweets und 0 Facebook-Posts zum Glanzresultat: «Ich bin halt alte Schule» 

Karin Keller-Sutter schaffte die Wiederwahl ins Stöckli problemlos. Die FDP-Politikerin über die Gründe für ihren Social-Media-Verzicht. Und weshalb genau das der Schlüssel zum Erfolg ist.



67'367 Stimmen hätten Karin Keller-Sutter (FDP) gereicht, um das absolute Mehr im ersten Wahlgang im Kanton St.Gallen zu erreichen. Die 52-Jährige machte gestern 103'258 Stimmen (67,61 Prozent) und setzte sich spielend gegen die restlichen acht Kandidaten – unter ihnen Paul Rechsteiner (SP) und Thomas Müller (SVP) – durch. Facebook und Twitter benötigte sie für das Glanzresultat nicht. 

Wie viele Gratulationen hatten Sie heute Morgen nach Ihrer Wiederwahl in den Ständerat auf Facebook?
Karin Keller-Sutter: Keine Einzige. 

Wie bitte?
Ich habe weder einen Facebook-, noch einen Twitter-Account und das wird auch so bleiben.

«Ich gehe zu den Menschen, kommuniziere direkt mit ihnen. So können sie mich spüren und ich denke, das hilft, glaubwürdig zu sein.»

Warum?
​Bei Twitter sehe ich schlicht keinen Mehrwert. Tweets von Politikern interessieren meiner Meinung nach vor allem Journalisten und erreichen keine Breite. Mit einem Tweet kann man nichts Substanzielles absetzen. Ich verspüre kein Bedürfnis, ständig meine Befindlichkeit ins Netz zu stellen ... 

Die Freisinnige Karin Keller-Sutter (SG), aeussert sich waehrend einer Pressekonfernz der FDP, ueber die Bilateralen, am Freitag, 9. Oktober 2015, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Karin Keller-Sutter

Die politische Karriere von Karin Keller-Sutter begann 1992 als Gemeinderätin von Wil SG. 1996 wurde sie in den Kantonsrat von St. Gallen gewählt, zwischen 1997 und 2000 war sie Präsidentin der FDP des Kantons St.Gallen. Als Regierungsrätin stand sie ab dem Jahr 2000 dem Sicherheits- und Justizdepartement vor, zudem war sie Präsidentin der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD). Die Wilerin engagierte sich für das neue Asyl- und Ausländergesetz sowie einen konsequenten Vollzug. Sie führte einen besonderen Schutz für Opfer von häuslicher Gewalt ein und erhöhte die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum. Für ihre harten Massnahmen – auch im Zusammenhang mit Fussballfans – erntete sie nicht nur Lob. 2011 kandidierte Keller-Sutter für einen Bundesratssitz, wurde aber nicht gewählt. Seit Oktober 2011 sitzt sie im Ständerat. (feb) 

... Facebook ist aber eine andere Geschichte. Weshalb sind Sie dort nicht präsent? 
Das stimmt. Facebook hat eine andere Qualität. ​Mir fehlt jedoch schlicht die Zeit, diese Plattform seriös einzusetzen. Ich habe genug zu tun, nur schon mit Mails beantworten. Zudem gibt es ein paar gute weitere Gründe, warum ich von Facebook die Finger lasse.

Welche?
Ich habe mich schon immer für den Schutz der Privatsphäre stark gemacht. Dieser ist bei Facebook ein Problem. Ich bin weiterhin skeptisch, was den Missbrauch von Daten betrifft. Was geschieht tatsächlich mit den Daten, die wir auf Facebook stellen? Weil ich das nicht weiss, grenze ich mich lieber ab. 

Trotzdem: Der Wahlerfolg der SVP zeigt, dass grosse Präsenz auf Sozialen Medien bei den Wählern ankommt. Wie können Sie es sich leisten, darauf zu verzichten?
​Videos wie «Welcome to SVP» mögen vielleicht neue Wähler mobilisieren. Ich jedoch setzte auf Kontinuität. Ich bin seit über 20 Jahren Politikerin und bin präsent mit meinen Fachthemen – und das in der realen Welt, nicht im Netz.

«Überzeugende Politik ist auch in der heutigen Zeit wichtiger als Oberflächlichkeiten zu verbreiten über Soziale Medien.»

Wie transportieren Sie das?
Indem ich ​mich auf die Arbeit in meinem Kanton, dem Kanton St.Gallen, konzentriere. Ich folge Einladungen aus der Ostschweiz, gehe zu den Menschen, kommuniziere direkt mit ihnen. So können sie mich spüren und ich denke, das hilft, glaubwürdig zu sein. 

Reicht das? Was ist das Erfolgsrezept Ihres diesjährigen Wahlkampfes?
Ich führte einen relativ zurückhaltenden Wahlkampf. Nebst mir waren lediglich drei Kollegen im Wahlstab. Unser Motto war «lieber nicht zu viel». Wir setzten auf Plakate und schickten einen Flyer in alle Haushalte. Damit riefen wir uns in Erinnerung. Wir sagten uns, wir wollen präsent, aber nicht omnipräsent sein. 

Sie führten in diesem Sinne einen «Old-School-Wahlkampf»? Kann man das so sagen?
Ja, in diesem Bereich bin ich halt alte Schule, wenn sie so wollen​. Vielleicht passt «herkömmlicher Wahlkampf» noch besser. Ich bin mir und meiner bürgerlichen Politik treu geblieben und ich bin überzeugt, dass das auch in der heutige Zeit wichtiger ist als Oberflächlichkeiten zu verbreiten über die Sozialen Medien. 

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