Schweiz
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Braucht es ein Fair-Porn-Label? Nein, man soll lieber für die Sexfilme bezahlen, sagt ein Schweizer Produzent

Brauchen wir, wie bei den Bananen, auch bei Sexfilmen ein Fairtrade-Siegel? Im Gespräch erklärt der Porno-Produzent Lars Rutschmann, wie Darstellerinnen abgezockt werden und was man als Konsument tun kann, um das nicht zu unterstützen.



Djure Meinen und Jenny-Louise schauen gerne Pornos – können das aber nicht immer mit gutem Gewissen tun. Denn wer weiss, ob bei der Produktion alles mit rechten Dingen zugegangen ist und alle Darsteller gut behandelt wurden? Deshalb schlagen sie ein Gütesiegel, ein «Fair-Porn»-Label für Erwachsenenfilme vor.

Lars Rutschmann hält nicht viel von der Idee. Der 36-jährige Winterthurer, auch bekannt unter seinen Künstlernamen Michael Ryan und «Wintifigger», ist selbstständiger Pornoproduzent und arbeitete mehrere Jahre für die Mascotte Film AG, einem der grössten Lizenzhändler und Produzenten für Sexfilme in Europa

Lars Rutschmann / Michael Ryan / Wintifigger

Bild: Lars Rutschmann 

watson: Braucht es ein Fairtrade-Siegel für Pornos?
Lars Rutschmann
: Nein, das ist nicht nötig. Auch wenn viele Leute dieses Bild haben: Kommerzielle Pornofilme werden nicht unter unmenschlichen Bedingungen gedreht, es gibt keinen Menschenhandel.

«Wird eine Darstellerin schlecht behandelt, schreibt sie es auf Twitter und 24 Stunden später weiss es ihre ganze Fangemeinde.»

Wie können Sie sich da so sicher sein?
Die grossen Studios können sich das gar nicht leisten, ihr Ruf steht auf dem Spiel. Wird eine Darstellerin schlecht behandelt, schreibt sie es auf Twitter und 24 Stunden später weiss es ihre ganze Fangemeinde. Ausserdem ist die Branche nicht allzu gross. Solche Sachen sprechen sich schnell herum.

Es gibt aber nicht nur die grossen Studios.
Richtig. Auf den Gratis-Streamingportalen fehlt diese Kontrolle. Dort kann ja jeder Videos hochladen. Rachepornos zum Beispiel, in denen Sexvideos ohne die Einwilligung der Beteiligten veröffentlicht werden. Das ist für die Opfer brutal. Darum rate ich: Wer mit gutem Gewissen Pornos schauen will, soll dafür bezahlen.

Aber auch dort arbeiten Frauen, die durch wirtschaftliche Zwänge in die Pornografie getrieben werden.
Das höre ich immer wieder. Natürlich machen es viele wegen des Geldes. Aber das heisst nicht, dass sie gezwungen werden. Jetzt mal ehrlich: Wie viele von uns gehen jeden Tag ohne grosse Begeisterung zur Arbeit, weil wir halt die Rechnungen zahlen müssen? Wie überall gibt es auch im Pornogeschäft solche, die Spass daran haben und andere, die vor allem aus finanzieller Motivation dabei sind.

«Am Schluss bekam die Darstellerin vielleicht gerade mal 17 Franken.»

Es gibt aber immer wieder Meldungen von Darstellerinnen, die über den Tisch gezogen werden. Auch in der Schweiz.
Ja, es gibt eine Masche, die ein Schweizer Produzent vor ein paar Jahren mehrmals abgezogen hat: Er liess die Darstellerinnen einen Vertrag unterschreiben, in dem steht, dass sie 50 Prozent der Einnahmen von ihrem Video bekommt. Dann erzählte er ihnen, er mache 10'000 Franken im Monat.

Wieviel schaute am Schluss heraus?
Ein einzelnes Video machte vielleicht nur 60 Franken aus. Für die Darstellerin blieb dann 30 Franken, und dann erzählte er noch, er habe Betriebskosten und die Mehrwertsteuer auch noch abziehen müssen. Am Schluss bekam die Darstellerin vielleicht gerade mal 17 Franken.  

Das ist in der Tat nicht viel.
Das Traurige ist: Rechtlich kann man nichts dagegen tun. Denn die Frauen haben ja einen Vertrag unterschrieben. Ich sage Neueinsteigerinnen immer: Macht so etwas nicht. Vereinbart wenigstens einen festen Betrag pro Szene, vielleicht 500 Franken.  

Wie kann ich es als Konsument vermeiden, solche Machenschaften zu unterstützen?
Man kann das Business mit dem Sport vergleichen: Es gibt eine 1., 2. und 3. Liga. In der obersten spielen die grossen Studios, da läuft alles hochprofessionell. In der 2. Liga finden sich Selbstständige, die sich auch an professionelle Standards halten, aber mit kleinerer Flamme kochen.

«Es sind oft Typen, die es einfach geil finden, mit möglichst vielen Frauen zu schlafen oder nach aussen erzählen wollen, dass sie ihr Geld mit Pornos verdienen.»

Und in der 3. Liga?
Dort tummeln sich die Produzenten, deren Niveau nicht so hoch ist. Es sind oft Typen, die es einfach geil finden, mit möglichst vielen Frauen zu schlafen oder nach aussen erzählen wollen, dass sie ihr Geld mit Pornos verdienen. Für die Darstellerinnen ist die Gefahr da am grössten, über den Tisch gezogen zu werden. Hier findet man die meisten Einsteigerinnen. Man fängt ja nicht direkt in der Champions League an. 

Wie kann ich zwischen der 2. und 3. Liga unterscheiden?
Es ist wie mit jedem anderen Unternehmen: Wie seriös kommt es daher? Sieht die Website anständig aus? Haben die Videos und Bilder eine gewisse Qualität? Wie lange existiert die Website bereits? Drittligisten sind da oft schlampig unterwegs. 

Gibt es in der Schweiz überhaupt eine Top-Liga?
Die Mascotte Film AG in Zürich gehört mit ihren Labels Magmafilm und Tabu Film zu den grössten Studios in Europa und produziert in Deutschland, den USA, Ungarn und Tschechien. Ich würde mich zur 2. Liga zählen, bin selbstständig, produziere und bin gleichzeitig Darsteller. Das gibt es in der Schweiz kaum. Und dann noch ein paar wenige aus der untersten Liga. Die Szene hier ist sehr überschaubar. 

Diese Hollywood-Grössen begannen ihre Karriere mit Pornos

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    Alle Leser-Kommentare
  • Muse_Dom 10.05.2015 08:19
    Highlight Highlight Der Artikel ist aber mal ziemlich einseitig und nichtssagend. EINE Aussage von EINER Person, die noch dazu ihr Geld damit "verdient"?
    Echt? Was soll er denn sonst sagen?
    Macht doch auch einen Artikel über, sagen wir mal, die Pelzindustrie und fragt einen Pelzverarbeiter wie die Tiere gehalten werden. Die Antworten dürften ähnlich tendenziös sein.
    • luckyw 10.05.2015 15:23
      Highlight Highlight Es ist ein Interview...
      Wie willst du da noch mehr Meinungen einbauen?
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 10.05.2015 07:59
    Highlight Highlight Soso, ein Banananplantagen besitzer findet Fair-Trade Labels bringen nichts, die Leute sollen einfach nur die teuren Bananen kaufen....

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