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St. Gallen: Der Fischotter stösst in die Linthebene vor

Der Fischotter stösst in die Linthebene vor

20.01.2026, 15:3920.01.2026, 15:39

Der Fischotter ist zum ersten Mal in der Linthebene nachgewiesen worden. Schritt für Schritt siedelt sich das einst ausgerottete Tier im Kanton St. Gallen wieder an. Unklar ist, ob es die Fischotter bereits an die Thur geschafft haben.

Der jüngst erbrachte Nachweis an der Linth reiht sich ein in die Chronologie der schrittweisen Rückkehr des Fischotters in den Kanton St. Gallen. 2021 war das Tier im Rheintal erstmals wiederentdeckt worden. Es dürfte aus Vorarlberg gekommen sein. Damals lag der letzte Nachweis ganze 49 Jahre zurück, datierte also auf das Jahr 1972.

Dank Fotofallen und Videos von 2024 wurde später klar: In Sevelen gibt es junge Fischotter und damit erstmals einen Beweis dafür, dass sich die Tiere im Kanton fortpflanzen. Nun ist mindestens ein Tier auch in der Linthebene heimisch. Unklar ist, ob es sogar mehrere sind.

«Die Rückkehr des Fischotters in die Schweiz und seine Ausbreitung im Kanton St. Gallen schreiten schneller voran als erwartet», schrieb das St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) am Dienstag in einer Mitteilung. Am Linthkanal kamen Spezialisten dem Otter wegen Bissverletzungen bei Fischen auf die Spur. Diese liessen auf den Fischräuber schliessen. Ein speziell ausgebildeter Artenspürhund fand später innert kurzer Zeit mehrere Kotspuren des Fischotters am Ufer der Linth bei Benken und Umgebung.

Als Konkurrenz zur Fischerei wahrgenommen

Dass sich Fischotter entsprechend ihrem Namen überwiegend von Fischen ernähren, machte die Tiere Jahrzehnte zuvor zur Zielscheibe. «Der Fischotter wurde als Konkurrenz zur Fischerei wahrgenommen und stark verfolgt. Zudem hat man vermutet, dass er aufgrund von Umweltgiften fortpflanzungsunfähig wurde, obwohl das nie sauber belegt wurde», sagte Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die Anwesenheit des Fischotters dürfte auch künftig Herausforderungen mit sich bringen. An der Linth befindet sich gemäss dem ANJF eines der letzten und stark geschrumpften Äschen-Laichgebiete von nationaler Bedeutung. Die Fischerei ist stark eingeschränkt und die Bejagung des Kormorans soll helfen, dass sich die Bestände erholen.

Derzeit sei noch nicht bekannt, wie sich die Rückkehr des Fischotters auf den Äschenbestand auswirken wird, sagte Dominik Thiel weiter. Als negativ bewertet Thiel die Anwesenheit des zusätzlichen, natürlichen Räubers in der Linthebene jedenfalls nicht. «Es ist eine einheimische Tierart, die vom Aussterben bedroht ist. Dass dieses Tier zurückkommt, ist sehr erfreulich, weil es die Biodiversität erhöht. Aber seine Anwesenheit kann auch zu gewissen Konkurrenzsituationen führen.»

Eine Möglichkeit, potenziell negative Einflüsse auf die Fischbestände möglichst gering zu halten, sieht das Amt für Natur, Jagd und Fischerei in naturnahen Gewässern. Diese bieten den Äschen genügend Unterschlupf und somit Schutz vor ihren natürlichen Feinden.

Aus weiten Teilen Europas verschwunden

Bei der Linth besteht hinsichtlich der Naturnähe des Flusses noch Aufholbedarf, wie Dominik Thiel weiter ausführte. «In den letzten Jahren wurden starke Aufwertungen für die Fische realisiert.» Bei Hochwasserschutzprojekten seien Ufer renaturiert und zusätzliche Strukturen für Laichplätze geschaffen worden. «Trotzdem ist es weiterhin ein eher künstlicher und strukturarmer Kanal.»

Unklar ist derweil, ob Fischotter bereits auch die Thur besiedelt haben. Indizien dafür gebe es. Das ANJF sucht diesen Winter nach entsprechenden Spuren, heisst es in der Mitteilung weiter. Wem ein Nachweis dieser «sehr versteckt und unauffälligen» lebenden Art gelinge, solle dies der kantonalen Wildhut melden.

Der Fischotter war im 20. Jahrhundert aus weiten Teilen Europas verschwunden. Seit 2009 werden in der Schweiz wieder Tiere nachgewiesen. Sie besiedeln grossräumige, miteinander vernetzte Gewässersysteme mit genügend Deckung in Form von Ufervegetation und anderen Strukturen. (sda)

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