Tausende nehmen an bewilligter Kurden-Demo in Bern teil
Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Bern für die kurdischen Gebiete in Syrien demonstriert. Sie wiesen auf die schwierige humanitäre Lage hin und äusserten Besorgnis über die Zukunft der selbstverwalteten Region.
Zur Kundgebung aufgerufen hatten kurdische Exilorganisationen, Linksaussen-Gruppierungen und weitere Kreise. Die bewilligte Demonstration stand unter dem Motto «Defend Rojava» («Verteidigt Rojava»), wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete.
Die von Kurden als Rojava bezeichnete Region liegt im Norden Syriens. Am Freitag war ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Truppen der syrischen Übergangsregierung und den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) geschlossen worden. Die Lage gilt jedoch als fragil.
In den vergangenen Wochen hat es zahlreiche Rojava-Demonstrationen in den grossen Schweizer Städten gegeben. Auch bei der Kundgebung vom Samstag führten Demonstrierende Transparente mit, auf denen etwa «Schweigen heisst Mitschuld» zu lesen war. Viele kurdische Flaggen waren zu sehen, aber auch gelbe Fahnen mit rotem Stern, dem Symbol der kurdischen Milizen in Nordsyrien.
Der Umzug führte von der Schützenmatte durch die Innenstadt, jedoch nicht am Bundesplatz vorbei. Die Polizei stellte mit einem Grossaufgebot sicher, dass die vereinbarte Route eingehalten wurde.
Schweizer Delegation ist nach Syrien gereist
Eine 13-köpfige Schweizer Delegation mit Medienschaffenden, Politikerinnen, Kulturschaffenden und Menschenrechtsaktivistinnen hat sich am Freitag auf den Weg in die selbstverwalteten Gebiete in Nord- und Ostsyrien gemacht. Sie will sich vor Ort über die politische und humanitäre Lage informieren.
In einer Medienmitteilung forderte die Delegation die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens. Dieses sieht die Eingliederung der autonomen Selbstverwaltung in den syrischen Staat vor, wobei die SDF ihre Autonomie beibehalten sollen.
Ausschlaggebend für die Reise waren gemäss Communiqué die weiterhin kritische humanitäre Lage, der Belagerungszustand sowie die Befürchtung, dass es zu einem Genozid an Minderheiten in der Region kommen könnte. Die Delegation möchte mit ihrer Präsenz zudem die wesentliche Regierung an ihre Verantwortung erinnern. (sda)
