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Die neue Arena
quelle: â© gian vaitl zã¼rich
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Jonas Projer hat neue Spielzeuge – diese fünf Dinge musst du über die neue «Arena» wissen

Die «Arena» tut einen schüchternen Schritt in die richtige Richtung: Die neue Sendung ist dynamischer, abwechslungsreicher und fokussierter – in ihrer ersten Ausgabe aber auch etwas chaotisch. Und zum Leidwesen aller geht Moderator Jonas Projer in dieser Hektik fast unter.



Kurz vor Sendungsbeginn bringt sich Jonas Projer, Redaktionsleiter und Moderator in Personalunion, auf der neuen Studiotreppe im kalten Beton-Look in Stellung. In wenigen Sekunden wird er die erste Ausgabe der neuen «Arena» anmoderieren. Er wird dynamisch zum eingeübten Applaus die Treppe hinuntersteigen, zur ersten «Arena» mit neuem Konzept begrüssen und dabei ein bisschen wie ein Soldat klingen. Vielleicht ist es die Nervosität.

Die neue «Arena» ist die «Arena», wie Projer sich eine gute «Arena» vorstellt. «Er hat das neue Konzept entscheidend mitgeprägt», erklärt Thomas Schäppi, Programmentwickler beim SRF vor der Aufzeichnung. Die «Arena» werde sachlicher, relevanter und innovativer – nicht zuletzt dank den Studio-Designern, Programmierern und, natürlich, «dank Jonas Projer».

Zu tun hat es der «Arena»-Dompteur an diesem Freitagabend mit einem aufbrausenden und etwas renitenten Jean Ziegler, einer emotionalen GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser und den Nationalräten Jakob Büchler (CVP) und Adrian Amstutz (SVP) – Profis im Platzieren von Parolen, weniger im Beantworten von einfachen Ja-Nein-Fragen. 

Das Thema der Sendung: Die Neutralität der Schweiz. Um zu überwachen, ob die Politiker auch die Wahrheit sagen, sind Experten zugegen: Völkerrechtsprofessor Oliver Diggelmann und Ex-Botschafter Paul Widmer. Meister ihres Fachs zwar, in der Sendung jedoch etwas hilflos platziert. Dazu aber später mehr. 

Zunächst mal die wichtigsten fünf Punkte zur neuen «Arena». 

1. Jonas Projer hat eine Treppe!

Das neue «Arena»-Studio ist doppelstöckig – «das hat sonst niemand», versichert Programmentwickler Schäppi. Auf dieser Treppe betritt «Arena»-Dompteur Projer sein Revier. Der Platz zwischen den Pulten der Gäste (auch diese, wie die Treppe, aus Holz und in Beton-Optik, passend zur Devise «harte Debatten») gehört ihm.

Während der Sendung flitzt Projer von Pult zu Pult, um zu redselige Gäste sanft an der Schulter zu packen und in den Prüfstand zu bitten. 

Und damit wären wir schon beim nächsten Punkt:

2. Jonas Projer hat einen Prüfstand! 

Es ist das beste Element der neuen «Arena»: Wenn es Projer beliebt, beruft er einen Gast ans Glas-Pültchen, dem Prüfstand. Dort nagelt er den Auserwählten auf ein bestimmtes Thema fest. Relativ früh in der Sendung bringt Projer so SVP-Fraktionschef Amstutz ins Schwitzen. Geht es mit der Neutralität der Schweiz klar, dass die Schweizer Käseindustrie von den Sanktionen der EU gegen Russland profitiert? Amstutz windet sich und kann keine befriedigende Antwort liefern.

Auch Tiana Angelina Moser entlockt Projer im Prüfstand Aussagen, die über die bequem platzierten Parolen hinausreichen. Moser, die einen Schweizer Sitz im UNO-Sicherheitsrat fordert, sieht sich mit dem Dilemma konfrontiert, dass die UNO derweilen über Militärsanktionen entscheidet, das Schweizer Militärgesetz (der Paragraph wird eingeblendet) jedoch eine Teilnahme an Kampfhandlungen zur Friedenssicherung ausschliesst.

3. Jonas Projer hat ein iPad! 

Schon vor der Sendung kündigt Programmentwickler Schäppi es an: Informatiker haben Jonas Projer ein iPad programmiert. Ein iPad! Was Projer daraus hervorzaubern wird, verrät er nicht. Wichtig muss es sein, denn kurz vor Aufzeichnungsbeginn ist es Projers einzige Sorge: «Liegt das iPad auf dem Pult?», fragt er die Regie. 

Projer braucht es dann aber doch nicht so oft: Nur acht Mal kommt das wahrscheinlich innovativste Ding der ganzen Sendung zum Einsatz. Projer koordiniert damit die Einspieler: Aussagen von Christoph Blocher, Zitate aus einer Nationalfonds-Studie, Animationen zu Waffenexporten. Was wann kommt, bestimmt Projer. «Es hätte noch viel mehr Material im iPad gesteckt», sagt Projer nach der Sendung. Er habe es aber nicht gebraucht. 

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4. Jonas Projer hat keinen Experten-OFF-Knopf!

Weniger Spielraum hat Projer bei den Experten-Inputs. Völkerrechtler Diggelmann und Diplomatie-Experte Widmer können selber buzzern, wenn sie einen Einwand haben. Damit lösen sie eine dramatische Tonabfolge aus, die streifenförmigen Leuchtdioden an der Wand spielen sofort verrückt, die Experten-Glatzen erstrahlen in rotem Scheinwerfer-Licht. 

Die erste Arena aus dem neuen Studio
v.l. Modrator Jonas Projer und die beiden Einspruchexperten
17.4.2015
Copyright: SRF/Oscar Alessio
NO SALES
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Projer, Diggelmann, Widmer. bild: srf

Das geht nicht ganz auf. Als Diggelmann einmal gegen Amstutz Einspruch erhebt, schwingt bereits Moser eine flammende Rede. Der Einwurf Diggelmanns kommt unvermittelt und zusammenhangslos daher. Man hat den Eindruck: Jonas Projer hätte den Einsatz der Experten besser selber dirigiert.

5. Jonas Projer hat noch Spielraum! 

Wenn Jonas Projer die Debatte mitbestimmt, wenn er die Gäste im Prüfstand in den Schwitzkasten nimmt und es schafft, eine Dramaturgie in die Sendung zu bringen (und nicht nur das Chaos zu begleiten), ist die «Arena» mit dem neuen Konzept auf gutem Weg. «Das ist unser Baby, das erst noch Laufen lernen muss», sagt Projer im Anschluss an die Sendung.

Das ist richtig – vieles funktioniert noch nicht. Die Experten sind, abgesehen vom roten Scheinwerfer, zu farblos, ihre Aussagen zu wenig erkenntnisstiftend und ihr Einsatz falsch gewählt. Die neuen Ton-, Licht- und Grafikelemente bringen zwar Abwechslung, aber auch Hektik. Und Politiker, die aneinander vorbeireden und sich darin überbieten, wer öfters und länger im Kosovo war, kann auch Projer nicht abstellen.

Und: Dass die Sendung nicht live und unter Einbindung von Social-Media-Kommentaren ausgestrahlt wird, lässt die drei eingeblendeten Aufrufe, sich unter #srfarena über die Sendung zu äussern, etwas gar hilflos daherkommen. Schade – nie gab es wohl eine so angeregte Twitter-Diskussion wie bei dieser «Arena». 

Doch Projer wäre nicht Projer, wenn die heutige «Arena» seine Traumsendung wäre. «Darauf arbeiten wir hin», sagt er am Ende, «aber das ist die «Arena», die ich machen will.» 

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