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Hansruedi Koeng, CEO der PostFinance, praesentiert das Jahresergebnis der PostFinance am Donnerstag, 19. Maerz 2015, in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Hansruedi Köng: «Klassische Retail-Banken können ganz andere Zinsmargen erzielen.» 
Bild: KEYSTONE

Postfinance-Chef Köng hält Börsengang für «intelligente Lösung»



Die Postfinance-Spitze tut sich schwer damit, dass die Politik der Post-Tochter keine Kredit- und Hypothekenvergabe erlauben will. Um dies zu ermöglichen, seht Postfinance-Chef Hansruedi Köng auch einer Privatisierung und einem Börsengang positiv gegenüber.

Als Postfinance-Chef sollte er sich zwar nicht über die optimale Besitzerstruktur auslassen, sagte Köng in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Doch er macht seine Haltung doch klar: «Ich würde mich überhaupt nicht gegen eine Privatisierung wehren», sagte er.

Auch ein Börsengang wäre eine «intelligente Lösung». Er weist aber darauf hin, dass nach heutiger Gesetzgebung die Post mindestens 51 Prozent an Postfinance halten müsste. Ein Börsengang sollte laut Köng sicherstellen, «dass keine Werte mehr vernichtet werden».

Genau das geschieht heute aus Köngs Sicht durch das Kreditvergabeverbot. Die Postfinance verliere täglich Ertragssubstanz, weil sie keine Kredite und Hypotheken vergeben dürfen. Das benachteilige sie gegenüber anderen Banken, erst recht seit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro. «Klassische Retail-Banken können ganz andere Zinsmargen erzielen.»

Dadurch, dass die Postfinance auf die Münchner Hypothekenbank ausweicht, um Hypotheken anbieten zu können, fällt zudem in Deutschland statt in der Schweiz Marge an. «Das müsste nicht so sein. Wir könnten die Kredite und Hypotheken problemlos auf die eigene Bilanz nehmen», sagte er.

Konsequenzen des Verbots

Er habe aber den Entscheid der Politik für das Kreditverbot - zuletzt bekräftigte der Bundesrat im November seine Haltung - zu akzeptieren, sagte Köng. «Aber sie sollte sich zugleich der Konsequenzen bewusst sein». Die «Benachteiligung» werde im Jahresabschluss 2016 «deutlich erkennbar» sein, kündigte er an.

Schon im ersten Quartal musste Postfinance eine Ertragseinbusse hinnehmen, wofür sie vor allem Wertberichtigungen auf Finanzanlagen verantwortlich machte. «Leider sind im zweiten Quartal auch weitere Wertberichtigungen denkbar», sagte Köng nun. Sollte Grossbritannien für einen Austritt aus der EU stimmen, rechnet Köng zudem mit «Abschreibungen im zweistelligen Millionenbereich».

Postfinance kämpft seit Jahren gegen das Verbot der Kredit- und Hypothekenvergabe. Damit Postfinance voll in den Wettbewerb zu anderen Banken treten kann, wäre aus Sicht vieler Politiker ein Verzicht auf die implizite Staatsgarantie und damit auf die heutige Besitzstruktur mit der bundeseigenen Post als Alleineignerin nötig. Dafür gilt ein Börsengang als mögliche Lösung. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 19.06.2016 12:00
    Highlight Highlight Privatisiert doch endlich den Bundesrat. Und der privatisiert dann das Parlament. Und das privatisiert dann die UBS.
  • pun 19.06.2016 11:52
    Highlight Highlight Was für ein Lauch. Wer nicht wertschätzt, bei einem Unternehmen, dass uns allen gehört, zu arbeiten und deren Verschacherung befürwortet, sollte vielleicht einfach wieder in die "freie Wirtschaft". Klingt aber so, dass er eh weg wäre, sollte der Vorstoss im Parlament durchkommen um die Chefgehälter bei Staatsbetrieben zu begrenzen.
  • Ylene 19.06.2016 11:38
    Highlight Highlight Postfinance muss Kundenvermögen zu Negativzinsen parkieren, während sie gleichzeitig den Kunden darauf noch einen kleinen positiven Zins zahlt. So wird Volksvermögen auch vernichtet. Zudem gibts mit bspw. den Raiffeisenbanken oder Alternative Bank auch etwas ethischere Banken.
  • Maffo 19.06.2016 10:09
    Highlight Highlight "Ein Börsengang sollte laut Köng sicherstellen, «dass keine Werte mehr vernichtet werden»." Aha 🤔 oder dass "Volksvermögen vernichtet wird" 😳
  • Klaus K. 19.06.2016 07:19
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