Schweiz
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Staatssekretaer Mario Gattiker, Staatssekretariat fuer Migration, Andreas Eschbach, Betriebsleiter,  Ali Abdirisaq, Fluechtling aus Somalia und Mitarbeiter bei Gemuese Eschbach, Nationalrat Jacques Bourgeois, Direktor Schweizer Bauernverband, Xavier Moret, Obstproduzent aus Martigny, von links nach rechts, referieren anlaesslich einer Medienkonferenz zum Thema: Fluechtlinge als Arbeitskraefte in der Landwirtschaft, am Mittwoch, 20. Mai 2015, auf dem Hofgut von Eschbach in Fluellinsdorf Basellandschaft. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Viel Aufmerksamkeit und Applaus für ein bedenkliches Projekt: Der Bauernverband an der Medienkonferenz. Bild: KEYSTONE

Chrampfen für 3200 Franken im Monat: Das Flüchtlingsprojekt des Bauernverbandes ist scheinheilig

Der Bauernverband präsentiert sich mit einem Arbeitsprogramm für Flüchtlinge der Öffentlichkeit als Wohltäter. In Wirklichkeit brauchen die Bauern billige Arbeitskräfte, die sie wegen der MEI-Kontingentierung nicht mehr zu kriegen drohen. 



Pilotprojekt: Bauern stellen Flüchtlinge ein

Tönen tut es toll: Die Bauern helfen bei der Integration von Flüchtlingen, geben jenen Arbeit und Lohn und einen Platz in der Mitte der Schweizer Gesellschaft, die sonst untätig herumhocken müssten. 

Aber man ahnt, dass das Pilotprojekt des Bauernverbandes und des Staatssekretariats für Migration besser tönt, als es wirklich ist. 

Die schöne PR-Botschaft lässt einen aus zwei Gründen stutzen. Einerseits weil die Flüchtlinge das Personalloch im Landwirtschaftsbereich stopfen, das die von der Bauernpartei SVP gewollte MEI-Kontingentierung erst hinterlassen wird. Und andererseits weil Flüchtlinge mit dem Status «vorläufig aufgenommen» mit einer Bewilligung ihres Wohnkantons ohne weiteres arbeiten dürfen. 

Die Bauern brauchen sie dazu nicht. Und sie brauchen sie auch nicht, um einen anständigen Lohn zu verdienen. 

Salär unter dem Mindestlohn

Nur 2300 Franken sollen die Flüchtlinge im ersten Monat Knochenarbeit in der Landwirtschaft verdienen – weil sie nicht aus dem landwirtschaftlichen Polen kämen, sondern in erster Linie aus Nordafrika und deshalb zuerst eingearbeitet werden müssten, so das Argument von Bauernverbandspräsident Markus Ritter. 

Markus Ritter, Praesident Schweizer Bauernverband, spricht an einer Medienkonferenz, am Freitag, 3. Januar  2014, in Romanens. Von Familien bewirtschaftete Bauernbetriebe sollen im Agrarmarkt eine bessere Position erhalten. Das fordern der Bauernverband sowie die Hilfsorganisationen Swissaid und Helvetas zum UNO-Jahr der baeuerlichen Familienbetriebe. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes. Bild: KEYSTONE

Das ist eine schlechte Ausrede für die vom Bund sanktionierte Schlechterstellung einer Bevölkerungsgruppe. In jedem gewöhnlichen Arbeitsvertrag ist eine Probezeit verankert, die nicht tiefer entlohnt wird als die reguläre Arbeitszeit. 

So hingegen ist die Regelung geradezu eine Einladung, Flüchtlinge für nur wenige Wochen zu Dumping-Löhnen anzustellen. Und auch ab dem zweiten Monat wird's für die Flüchtlinge nicht besser: 3200 Franken müssen reichen. Für Logis in Asylzentren, für Essen und Versicherung.

Profit ohne Gegenleistung

Das ist Ausbeutung mit Segen des Bundes, notabene durch eine Branche, die vom selben Bund bereits massiv subventioniert wird und deren Lobby unverhältnismässig stärker ist als ihr Beitrag zur Schweizer Wertschöpfung. 

Zyniker möchten rufen, die Bauern profitierten so von einer Human-Resources-Subvention und das – wie bei den Direktzahlungen – ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen, ohne einen Gesamtarbeitsvertrag einzuführen, ohne anständige Arbeitsbedingungen zu versichern. 

Selbst Ritter gab zu: Schweizer arbeiten nicht zu diesen Bedingungen.

Damit ist das mit Stolz verkündete Projekt des Bauernverbandes, dessen Vertreter so gar nicht flüchtlingsfreundlich eingestellt sind, alles andere als solidarisch. 

Sondern schlicht eine lukrative PR-Aktion.

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