Schweiz
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Zuwanderung hat keinen Einfluss auf Löhne – sagt das Seco



Arbeiter arbeiten bei der SBB-Baustelle beim Hirschenpark unter dem Bierhuebeli, am Mittwoch, 22. Mai 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer).

Bild: KEYSTONE

Die Personenfreizügigkeit mit der EU hat bisher weder zu einer Verdrängung der Ansässigen vom Arbeitsmarkt noch zu Lohndumping geführt. Zu diesem Schluss kommt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auch in seinem 15. Observatoriumsbericht.

Zwar gibt es zwischen Zugewanderten und Ansässigen je nach Herkunftsregion teilweise grosse Lohnunterschiede. Diese liessen sich aber mehrheitlich durch allgemein lohnrelevante Faktoren wie Bildung, Berufserfahrung, Branche oder berufliche Stellung erklären, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit im Seco, am Montag vor den Medien in Bern.

Zwischen 2010 und 2018 verdienten Zuwanderer aus der EU durchschnittlich 0,8 Prozent mehr als Ansässige. Trägt man allen relevanten Faktoren Rechnung, wendet sich der leichte Vorteil in einen leichten Nachteil: Die Zuwanderer verdienten 0,4 Prozent weniger.

Osteuropäer verdienen deutlich weniger

Dieser Unterschied zur ansässigen Bevölkerung sei als sehr gering einzustufen, heisst es im Bericht. Man könne praktisch von einer Gleichbehandlung sprechen - mit einer Einschränkung: Osteuropäer verdienten 9,8 Prozent weniger, bei Berücksichtigung aller relevanten Faktoren immer noch 5,9 Prozent. Eine mögliche Erklärung liegt gemäss dem Bericht in mangelnden Sprachkenntnissen.

Bei Grenzgängern und Zuwanderern aus Südeuropa liegt der unerklärte Lohnunterschied bei minus 4,5 Prozent beziehungsweise minus 4,3 Prozent. Zuwanderer aus Nord- und Westeuropa dagegen verdienten 13,5 Prozent mehr, bei Berücksichtigung aller Faktoren indes nur 2 Prozent. Die grössten nicht erklärbaren Lohnunterschiede zeigen sich im Kanton Tessin. Grenzgängerinnen und Grenzgänger verdienten dort 8 Prozent weniger als Schweizer oder niedergelassene Ausländer.

120'000 Dienstleistungserbringer

Lohndumping droht aus Sicht der Gewerkschaften vor allem bei der Temporärarbeit und den Entsendungen. Das Personal von Entsendefirmen ist im Herkunftsland angestellt - zu wesentlich tieferen Löhnen als in der Schweiz. Im Letzten Jahr hätten die Kontrolleure bei einem Fünftel der Betriebe zu tiefe Löhne festgestellt, sagte Daniel Lampart, Chef-Ökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).

Heute arbeiten jährlich rund 120'000 ausländische Dienstleistungserbringer in der Schweiz, Entsandte und Selbständige. Das Seco relativiert die Zahl: Dies entspreche einem Arbeitsvolumen von 0,7 Prozent, sagte Zürcher. Lampart wies seinerseits darauf hin, dass der Anteil in einigen Branchen 10 Prozent oder mehr betrage. Ohne die flankierenden Massnahmen (Flam) würde sich die Situation stark zuspitzen.

Flankierende Massnahmen nötig

Dass die Flam eine wichtige Rolle spielen, betonen auch das Seco und die Arbeitgeber. Sie hätten sich bewährt und seien weiterhin notwendig, sagte Seco-Direktorin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch. Diese Ansicht teilt Roland Müller, der Direktor des Arbeitgeberverbandes.

Die Arbeitgeber glauben indes, dass das Schutzniveau auch beibehalten werden könnte, wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Kompetenz zur Beurteilung der Lohnschutzmassnahmen hätte, wie es das institutionelle Rahmenabkommen vorsieht. Die Gewerkschaften zweifeln weiterhin daran: Der eigenständige Lohnschutz müsse gewährleistet sein, sagte Lampart.

Nettozuwanderung konstant

Einig sind sich das Seco, die Arbeitgeber und die Gewerkschaften beim Nein zur Begrenzungsinitiative, mit welcher die SVP die Personenfreizügigkeit beenden will. Sie betonen, dass sich die Zuwanderung nach den Bedürfnissen der Wirtschaft richte - und sich seit dem Rekordjahr 2013 halbiert habe.

2018 lag die Nettozuwanderung aus dem EU/EFTA-Raum bei 31'200 Personen und blieb damit gegenüber dem Vorjahr praktisch konstant. Der Rückgang der Jahre 2013 bis 2017 setzte sich auf Grund der etwas stärkeren Arbeitskräftenachfrage im letzten Jahr jedoch nicht mehr weiter fort.

Rekrutierung wird schwieriger

Dem Seco sei bewusst, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich vom Freizügigkeitsabkommen profitiert hätten, sagte Ineichen-Fleisch. Für das Seco sei aber unbestritten, dass das Abkommen ein ansehnliches wirtschaftliches Wachstum und Wohlstandszuwachs für die Schweizer Bevölkerung gebracht habe.

Auf die Frage, ob das auch ihr Chef - SVP-Bundesrat Guy Parmelin - so sehe, sagte Ineichen-Fleisch, alle seien sich einig, dass die Schweiz Fachkräfte benötige. Unterschiede gebe es in der Frage, nach welchem System diese rekrutiert werden sollten.

Gemäss dem Bericht ist die Rekrutierung von Arbeitskräften in der EU heute wegen der besseren Wirtschaftslage dort tendenziell schwieriger als noch vor fünf Jahren. Da in den nächsten Jahren der Anteil der jüngeren Personen in allen Regionen der EU schrumpfen wird, dürfte sie laut dem Seco noch schwieriger werden. (aeg/sda)

In diesen Branchen ist der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau am grössten

Zeitungen austragen für einen Hungerlohn

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    Alle Leser-Kommentare
  • chäsli 03.07.2019 08:42
    Highlight Highlight Ich weiss nicht was hier los ist, die Zuwanderung hat doch keine Wirkung auf die Löhne beim SECO ?
  • Schneider Alex 03.07.2019 06:20
    Highlight Highlight Wirtschaftspolitisch relevante Massnahmen können leider nicht im Labor getestet werden. Dass die PFZ einen wesentlichen Einfluss auf das Lohnniveau in der Schweiz hat, kann aber aus Plausibilitätsgründen wohl niemand ernsthaft abstreiten. So kann man denn mit Fug und Recht davon ausgehen, dass das Lohnniveau und die Anstellungschancen von Schweizer Arbeitnehmenden besser wären bei einer geringeren Zuwanderungszahl.
  • Schneider Alex 02.07.2019 06:31
    Highlight Highlight
    „Es ist offensichtlich, dass die Einwanderung eine dämpfende Wirkung auf das Lohnniveau in der CH ausübt. Dieser Druck kann in der Unterbietung von bisherigen branchenüblichen Lohnstandards bestehen oder in der Verhinderung von Lohnsteigerungen in der Hochkonjunktur. So hat die starke Zuwanderung von mehrheitlich höher qualifizierten Arbeitskräften aus der BRD in der Hochkonjunkturphase der Jahre 2006/2007 den Lohnauftrieb bei Mittelschichtenstellen und Kaderstellen sicher gedämpft (was ja unausgesprochen immer auch die Absicht der Personenfreizügigkeit war). “ (Rudolf H. Strahm)
  • murrayB 01.07.2019 23:25
    Highlight Highlight Wenn Bewerber mit KV-Abschluss aus dem Tessin mit 2'500.- Lohnvorstellungen pro Monat zu uns in Norden kommen, muss mir keiner sagen, dass die Personenfreizügigkeit zumindest im Tessin keinen Einfluss hat...
  • Newski 01.07.2019 21:52
    Highlight Highlight Zuwanderung hat keinen Einfluss auf Löhne sagt das SECO?

    Dazu fällt mir nur folgendes ein:
    Blöd ist nicht der, welcher diesen Unsinn erzählt, blöd ist derjenige, der diesen Unsinn glaubt.
  • Nicolas D 01.07.2019 21:09
    Highlight Highlight 1. Warum beschäftigt sich das SECO ständig mit der Zuwanderung, obwohl sie angeblich keinen Einfluss hat? Warum fallen solche Untersuchungen immer postitiv aus? Ganz einfach: Weil es Propaganda ist!
  • WID 01.07.2019 11:40
    Highlight Highlight Fragt doch mal die ArbeitnehmerInnen. Wirkliche Lohnerhöhungen sind sehr selten und der Umgang mit dem Personal ist bedeutend weniger partnerschaftlich als früher. Das geht nur, wenn genug Personal vor der Türe steht.
  • ingmarbergman 01.07.2019 11:21
    Highlight Highlight Economiesuisse = SVP

    Economisuisse sagt, Zuwanderung hat keinen Einfluss auf Löhne. SVP wird gleich laut schreien und behaupten dass die Zuwanderung die Löhne drückt.

    So funktioniert Populismus.

    Die Armen gegen die Ärmsten ausspielen und den Reichen die Taschen füllen.
    • Scott 01.07.2019 16:39
      Highlight Highlight "Economiesuisse = SVP"

      Die SVP will die Zuwanderung begrenzen. Warum sollte sie also eine Studie in Auftrag geben, die aufzeigen soll, dass Zuwanderung keinen negativen Einfluss hat?

      Die SVP ist nicht für alles "Negative" verantwortlich. Ideologisch verblendet ist und bleibt es leider schon.

In Bern kostet eine Wohnung deutlich mehr als in Berlin und Wien

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