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Migros und Coop werden wegen hoher Preise bei Joghurt, Käse und Co. angeprangert

Die beiden Grosshändler verlangen laut geleakten Daten hohe Preise bei Molkereiprodukten. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung zweier Westschweizer Publikationen.
01.07.2022, 19:59
Gabriela Jordan / ch media

Die Lebensmittelhändler Migros und Coop brüsten sich gerne damit, faire Preise gegenüber Produzenten und Konsumenten anzubieten. Im Kontext der ­aktuellen Inflation ist dies besonders wichtig. Geleakte Preis-Daten zeigen jetzt allerdings ein anderes Bild: Diesen zufolge haben die beiden Grosshändler bei Molkereiprodukten teilweise unanständig hohe Margen von bis zu 92 Prozent.

Die beiden Detailhändler verfügen zusammen über eine grosse Marktmacht in der Schweiz.
Die beiden Detailhändler verfügen zusammen über eine grosse Marktmacht in der Schweiz.Bild: KEYSTONE

Zu diesem Schluss kommen die beiden Westschweizer Publikationen «Le Temps» und «Heidi.news». Sie haben gemeinsam geleakte Preis-Daten von der Milchgenossenschaft Laiteries Réunies Genève (LRG) ausgewertet. Die Server von LRG seien Anfang April gehackt und einige Daten im Darknet verbreitet worden. Da diese Daten von öffentlichem Interesse seien, hätten sich die beiden Publikationen entschieden, einen Teil davon zu veröffentlichen.

Auf Basis der Daten wurden die Einkaufs- und Verkaufspreise von 77 Produkten analysiert. Das Ergebnis: Die Bruttomargen bei Coop betragen im Schnitt 57 Prozent, bei Migros 46 Prozent, beim Grossmarkt Aligro 35 Prozent und bei Manor 34 Prozent. Händler, die weniger als zehn Produkte vermarkten, wie Denner oder Volg, wurden aus der Stichprobe ausgeschlossen.

Joghurt Sojasun, Tam-Tam und Tomme Vaudoise

Weil nicht alle Händler die gleichen LRG-Produkte verkaufen würden, sei der Vergleich der Margen nur eingeschränkt möglich, heisst es weiter. Dennoch sind die Ergebnisse aufschlussreich. Zum Beispiel kauft die Milchgenossenschaft LRG die Viererpackung des pflanzlichen Joghurts Sojasun mit Heidelbeergeschmack für 1.21 Franken ein und für 1.70 Franken an Coop weiter. Coop verlangt dafür dann 3.35 Franken und erzielt eine Marge von 92 Prozent.

Im Gegensatz dazu erzielt Aligro eine um die Hälfte geringere Marge, da der Grossmarkt seiner Kundschaft ein besseres Angebot für ein teureres Produkt macht. Manor kauft noch teurer ein, bietet aber ebenfalls einen tieferen Preis als Coop.

Weitere Beispiele: Bei den Tam-Tam Chocolats beträgt die Marge der Migros 58 Prozent, jene von Coop 39 Prozent. Beim Tomme Vaudoise du crémier haben beide Grosshändler eine ähnliche Marge von 66 Prozent. Laut dem Bericht sind diese Margen die höchsten von Europa. Eine Marge von rund 25 Prozent müsste für Milchprodukte aber reichen – in Frankreich erzielten Händler gemäss Berechnungen von Preisüberwachern Margen von 19 bis 34 Prozent.

Bei der Preisüberwachung des Bundes sind bereits Meldungen über diesen Bericht eingegangen. Ob eine Intervention nötig sei, werde derzeit ermittelt. «Es ist von grösstem öffentlichem Interesse, sich für die Margen im Lebensmittelsektor zu interessieren», sagt Stellvertreter Beat Niederhauser. Aufgrund der hohen Marktmacht von Migros und Coop funktioniert der Markt im Lebensmittelhandel nur bedingt. Kartellrechtlich ist eine marktbeherrschende Stellung jedoch nicht verboten. Damit die Wettbewerbskommission aktiv wird, braucht es Hinweise auf Absprachen oder Missbrauch. (aargauerzeitung.ch)

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133 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rethinking
01.07.2022 20:29registriert Oktober 2018
Auch bei BIO Produkten sahnen die Detailhändler kräftig ab…

Dabei wäre allen geholfen wenn hier die Preise tiefer wären und die Hersteller mehr erhalten würden…
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Roro Hobbyrocker
01.07.2022 20:29registriert August 2016
Hey aber wenn der Milchpreis bei den Bauern um 2 Rappen steigt, beim Kunden gleich 5 Rappen mehr verlangen (siehe Laktosefreie Milch). Kein Problem sind ja Genossenschaften.
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w'ever
01.07.2022 20:38registriert Februar 2016
selbst wenn der preisüberwacher intervenieren würde, hat sich danach je mal etwas für den konsumenten verbessert?
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