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Seit Montag deckt die Schweiz ihren Energiebedarf auf Kredit

Seit Montag deckt die Schweiz ihren Energiebedarf auf Kredit

Seit Montag lebt die Schweiz für ihren Energiebedarf auf Kredit. Die inländischen Ressourcen reichen für den Energiebedarf rechnerisch nur bis zum 27. April.
27.04.2026, 06:0027.04.2026, 07:29

Ab dann ist das Land bis Jahresende vollständig auf Importe angewiesen – vor allem auf Erdöl, Erdgas und Uran.

ARCHIV --- ZUR ABSTIMMUNG UEBER DIE "ATOMAUSSTIEGS-INITIATIVE" STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Nuclear power plant "Goesgen" in the canton of Solothurn, Switzer ...
Die Schweiz ist auf Uran aus dem Ausland angewiesen. Bild: KEYSTONE

Das geht aus der jüngsten Berechnung der Stiftung Energie hervor. Die Schweiz deckt heute fast zwei Drittel ihres Energiebedarfs durch Importe, wie die Stiftung am Montag mitteilte. Dazu zählen sämtliche Erdölprodukte, Erdgas sowie nukleare Brennstoffe. Jährlich fliessen dafür rund sieben Milliarden Franken ins Ausland.

Der sogenannte Tag der Energieunabhängigkeit soll diese Abhängigkeit verdeutlichen: Er markiert den Zeitpunkt, ab dem die Schweiz rein rechnerisch vollständig von importierter Energie abhängig ist.

Mit einem geschätzten Energieunabhängigkeitsgrad von 32 Prozent im Jahr 2026 liegt die Schweiz im Vergleich zu den EU-Staaten im Mittelfeld. Estland führt die Rangliste deutlich an und deckt mehr als 97 Prozent seines Bedarfs durch Eigenproduktion. Auch Lettland, Rumänien und Schweden beziehen über die Hälfte ihrer Energie aus heimischen Quellen. Frankreich kommt auf 18 Prozent – dort fällt der «Tag der Energieunabhängigkeit» bereits auf den 9. März.

Geopolitisches Risiko

Ein Grossteil der importierten fossilen Energieträger stammt aus politisch instabilen Regionen wie dem Nahen Osten, Nordasien oder den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und gelangt über EU-Länder in die Schweiz. Die aktuellen Spannungen im Nahen Osten würden zeigen, wie anfällig dieses System ist, so die Energie Stiftung.

Um die langfristige Versorgung zu sichern und die Abhängigkeit von autoritären Staaten zu reduzieren, sei ein konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien im Inland sowie eine enge Zusammenarbeit innerhalb Europas entscheidend, folgert die Stiftung weiter.

Sie fordert deshalb das Parlament auf, die Energiewende voranzutreiben, das Stromabkommen mit der EU zu verabschieden und auf neue Atomprojekte zu verzichten. Diese würden zusätzliche Abhängigkeiten von Uran schaffen – mit Verweis auf die Initiative «Stop Blackout» und den Gegenentwurf des Bundesrates. (sda)

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mMn
27.04.2026 08:40registriert September 2020
"Kredit" im Titel ist nicht korrekt. Das wäre der Fall, wenn wir uns dafür verschulden. So ist es einfach Import. Wir haben aber einen Handelsüberschuss. D.h. wir exportieren ander Waren und Dienstleistungen in grösserem Umfang. Somit ist der Titel komplett falsch... er ist einfach reisserisch und somit unseriös.

Dabei wäre es ein wichtiges Thema. Wir sollten unbedingt auf im Innland verfügbare Ressource setzen. D.h. Wasser, Sonne, Wind, Holz, Geothermie und Biogas... habe ich was vergessen?
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equus asinus
27.04.2026 08:16registriert November 2023
Bei Öl und Gas verstehe ich das Argument. Bei Uran nicht. Ohne Importe kann die Schweiz auf keine Art Energie produzieren. Stahl für Stahlbeton wird importiert. Kupfer für Leitungen, Plastik für Kabelisolation, Windkraftanlagen (zumindest den Kunststoff dafür) kommt alles aus dem Ausland.
Uran ist immer ein 3 Jahresbedarf an Lager. Das könnte man problemlos auf 20 Jahre ausweiten, das hätte in einer Lagerhalle Platz. Uran kommt nicht ausschliesslich aus Schutkenstaaten.

Das ist kein Plädoyer für Atomkraft. Aber die Logik passt nicht.
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Squawk 7700
27.04.2026 07:55registriert Mai 2025
Mir egal, wir stehen eh am Abgrund. Wenn ich sage, dass es mehr Wasserkraftwerke braucht, kommen die linken, die alles verhindern wollen (wie z.B. die Erhöhung der Grimsel Staumauer), wenn ich sage, es braucht hochalpine Solarkraftwerke, kommen wieder die linken zusammen mit den rechten (Beispiel Verhinderung Solarexpress im Wallis) und wenn ich sage es braucht mehr Windenergie, dann kommen rechte und konservative Landschaftsschützer und wollen das auch noch verhindern. Aber Frankreich baut ja heiter Atomkraftwerke in Windrichtung zur Schweiz, damit wir abhängig von ihnen sind.
2010
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