Hayek ist hässig auf die SNB – jetzt provoziert er Martin Schlegel mit KI-Uhr
Eines muss man Nick Hayek lassen: Der Lenker der Swatch-Gruppe hat keine Angst, sich auch mit jenen anzulegen, die mächtiger sind als er selbst. Etwa mit Donald Trump, dessen wirre Zollpolitik er 2025 mit einer 39-Prozent-Swatch konterte. Und dessen Angriff auf den Iran er am Mittwoch vor Journalisten in Biel BE als einen «besonders dummen Krieg» taxierte.
Trump dürfte das alles gar nicht mitbekommen, da er wohl kaum die Wirtschaftsberichterstattung über die Schweizer Uhrenindustrie verfolgt. Ein anderer Widersacher dürfte die Kritik hingegen aus dem Hause der Swatch-Gruppe sehr wohl mitbekommen: Nationalbank-Präsident Martin Schlegel. Wiederholt wurde er bei der Bilanzpressekonferenz von Hayek und seinen Mitstreitern für seine Passivität kritisiert. Der «total überbewertete» Franken sei das grösste Problem für die Schweizer Industrie, grösser als Trumps Zölle oder der Iran-Krieg.
Es ist nicht das erste Mal, dass Hayek die Nationalbank und ihren neuen Chef Schlegel attackiert. «Um den Schweizer Franken gibt es viel Spekulation, und wir lassen es einfach geschehen. Das ist inakzeptabel», sagte er etwa in einem Interview mit CH Media. Doch eine Reaktion von der Notenbank oder ihrem obersten Chef habe er bis heute nicht erhalten. «Ich habe nichts gehört», sagt Hayek. Die Verantwortlichen seien «stumm».
Diese Nichtbeachtung ist es wohl auch, die Hayek zur Kreation einer Swatch-Uhr für «Martin» motiviert hat – mithilfe des auf künstlicher Intelligenz beruhenden Designtools AI Dada. Damit können Swatch-Kunden nach ihren Vorlieben ihre ganz persönliche Plastikuhr kreieren. Das hat auch der fiktive «Martin» getan, der laut Hayek – wie die drei Äffchen – «nichts sehen, nichts hören, nichts sagen» will. Folglich ist die Uhr geschmückt mit einem Männerkopf, der sich die Augen, die Ohren und den Mund zuhält.
Schützenhilfe hat sich Hayek in seiner Nationalbank-Kritik bei einem «seiner» Verwaltungsratskollegen geholt, beim früheren Nationalbank-Chef Jean-Pierre Roth. Dieser sei seiner Meinung, sagt Hayek. Und dieser hätte in schwierigen Zeiten zum Wohle der Schweiz «Kreativität» bewiesen, etwa bei der UBS-Rettung. Das sei auch nicht im Pflichtenheft der Nationalbank gestanden und trotzdem habe sie 2008 die Grossbank vor dem Untergang bewahrt.
Die Morgan-Stanley-Studie sei «Bullshit»
Viel Kritik musste sich auch die US-Grossbank Morgan Stanley gefallen lassen, die alljährlich eine Studie zur Uhrenbranche publiziert. Die Swatch Group hat auf die neueste Studie mit einem offenen Brief reagiert und darin die Analysequalität als mangelhaft, die Datengrundlage als fehlerhaft und die Methodik als fragwürdig bezeichnet. Die tatsächlichen Umsatzzahlen der hauseigenen Marken wie etwa Omega, Tissot oder Swatch würden im Schnitt um 24 Prozent von den Morgan-Stanley-Angaben abweichen.
Was die Grossbank hier präsentiere, sei «nicht seriös», letztlich sei es «Bullshit». Und es sei auch geschäftsschädigend, etwa wenn es um die Entwicklung bei den Marktanteilen gehe. «Wir haben sicher nicht Marktanteile verloren», betont Hayek.
Als Beweis präsentierte er vor den Medien zahlreiche Wachstumszahlen aus mehreren Ländern. Aus diesen wurde ersichtlich, dass der Absatz in den Lokalwährungen im zweiten Halbjahr 2025 und auch in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres merklich gestiegen ist – ausser in China.
Was die Zahlen ebenfalls zeigen sollen: Das Wachstum bei den länderspezifischen Swatch-Group-Verkäufen ist auch deutlich höher als jenes der gesamten Schweizer Uhrenbranche.
Mit diesen Wachstumszahlen will Hayek auch wegkommen von den Resultaten von 2025, das «kein gutes Jahr» war, wie er selber zugeben musste. Der Umsatz war um knapp 6 Prozent auf 6,28 Milliarden gefallen, das Betriebsergebnis (Ebit) hat sich mit 135 Millionen Franken mehr als halbiert.
Das neue Jahr jedenfalls hat laut Hayek gut angefangen – trotz Trumps anhaltendem Zollchaos und trotz des vom US-Präsidenten entfachten Kriegs in der Golfregion, wo die Swatch-Gruppe rund 5 bis 10 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet.
Hayek jedenfalls will vorerst seine Wachstumserwartungen nicht zurückstufen. Dafür sei es zu früh, die Folgen seien unklar. So setzt zwar die Swatch-Gruppe, die in der Golfregion 208 Läden betreibt, dort wegen der fehlenden Touristen derzeit weniger Uhren ab, in anderen Feriendestinationen, die nun noch beliebter werden dürften, sollten folglich die Absätze steigen.
Abwarten oder «wait and see», wie Hayek sagt, ist also das Motto. Das gilt in Bezug auf die Entwicklung im Krieg in der Golfregion, in Bezug auf die Reaktion der Grossbank Morgan Stanley, die bis anhin auf die konkreten Fragen der Swatch-Group nicht geantwortet hat. Und es gilt auch in Bezug auf die Nationalbank, die sich nicht zu Hayeks Kritik geäussert hat. Jedenfalls bis jetzt nicht. (aargauerzeitung.ch)
