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Wirtschaft

Shein: Chinas umstrittener Billigmode-Riese hat Expansionspläne

Shein eröffnet immer wieder Pop-up-Geschäfte. Mit diesem Konzept möchte der umstrittene Händler aus China auch in die Schweiz kommen.
Shein eröffnet immer wieder Pop-up-Geschäfte. Mit diesem Konzept möchte der umstrittene Händler aus China auch in die Schweiz kommen.screenshot: shein.com

Shein schielt auf die Schweiz: Das hat Chinas umstrittener Billigmode-Riese vor

Kein anderer Kleiderhändler steht mehr für die sogenannte «Fast Fashion» als das chinesische Onlineportal Shein mit seinem ultragünstigen Sortiment. Doch der Verkauf übers Internet reicht ihm nicht mehr aus – und damit ist er nicht allein.
14.01.2023, 19:01
Benjamin Weinmann / ch media

Sport-Leggins für 8 Franken. Ein Trägerkleid für 9 Franken. Ein Hoodie für 10 Franken. Die Auswahl beim chinesischen Onlineportal Shein ist gross. Und vor allem: Sie ist billig. Innerhalb von gerade mal 15 Jahren hat sich die Firma zu einem Moderiesen entwickelt, dank einer jungen, kauffreudigen und insbesondere weiblichen Kundschaft.

Seit vergangenem Jahr gilt Shein (ausgesprochen: She-in) gar als grösster Modehändler der Welt, nachdem er in einer Finanzierungsrunde vergangenen Frühling mit 100 Milliarden Dollar bewertet wurde – mehr als die spanische Zara-Mutter Inditex und H&M zusammen. 10'000 Personen arbeiten für den Händler.

Mode zu Billigstpreisen: Das ist das Kerngeschäft des chinesischen Onlineriesen Shein.
Mode zu Billigstpreisen: Das ist das Kerngeschäft des chinesischen Onlineriesen Shein.screenshot: shein.com

Shein setzt auf die so genannte Ultra-Fast-Fashion: Modische Kleiderstücke, oft inspiriert und kopiert von teuren Originalen, die in kürzester Zeit von rund 5000 Billiglieferanten hergestellt werden. Täglich gelangen bis zu 9000 neue Artikel in den Onlineshop, die von bezahlten Influencerinnen beworben werden. Aber auch Promis wie Katy Perry, Khloé Kardashian und Rita Ora haben sich in die Shein-Marketingmaschinerie einspannen lassen.

Feindbild von Umweltorganisationen

Angeboten wird, was auf Social Media gerade im Trend liegt. Mit der Folge, dass ein Grossteil der Ware schnellvergänglich ist und nach kurzer Zeit im Müll landet. Zudem ist wenig über die Herstellung in den Nähereien und Färbungsfabriken bekannt. Für Nachhaltigkeitsorganisationen wie Greenpeace gilt Shein denn auch als grosses Feindbild.

Wegwerf-Mode von Shein in der Kritik
Der chinesische Grosskonzern ist schon länger im Visier von Menschenrechts- und Umweltorganisationen. Die Nichtregierungsorganisation Public Eye kritisiert die Arbeitsbedingungen der Angestellten. Diese müssten teils bis zu zwölf Stunden am Tag Stoff vernähen. Die Löhne seien zudem nicht existenzsichernd. Der britische TV-Sender «Channel 4» spricht sogar von 18-Stunden-Tagen. Greenpeace moniert derweil die Folgen für die Umwelt der Shein-Produktion. Die Umweltorganisation hat Kleidungsstücke und Schuhe für Männer, Frauen, Kinder und Kleinkinder von Shein gekauft und diese untersuchen lassen. Das Ergebnis: 15 Prozent enthielten gefährliche Chemikalien, die gegen EU-Grenzwerte verstossen. In 32 Prozent steckten gefährliche Chemikalien in besorgniserregenden Mengen.

Dies hält den chinesischen Konzern derweil nicht davon ab, weiterzuwachsen. Bemerkenswert ist dabei der kürzlich vollzogene Schritt in Japan. In der Metropole Tokio hat der Onlinehändler erstmals einen permanenten Shop eröffnet. Auf 200 Quadratmetern und zwei Etagen werden Kleiderstücke ausgestellt, die mit einem QR-Code versehen sind. Die Einkäufe werden also auch im Geschäft online abgewickelt. Zudem finden darin auch Modeschauen und andere Events statt.

Shein-Pop-up-Filiale in der Schweiz als Ziel

Bei diesem Showroom soll es nicht bleiben. Shein-Sprecherin Charlene Lee sagt zwar auf Anfrage, dass der Fokus auf dem Onlinegeschäft bleibe. Mit Pop-up-Filialen wolle man der Kundschaft die Shein-Mode aber erlebbar machen.

Solche temporären Filialen lanciert der Konzern regelmässig in verschiedenen, internationalen Städten. «Wir werden weiterhin damit expandieren.» Dabei hat der Konzern auch die Schweiz im Visier, wie Lee bestätigt: «Wir können zwar momentan noch kein Datum für die Schweiz kommunizieren, aber wir arbeiten sehr hart daran, diesen Schritt zu realisieren.»

Vom Online- zum Offline-Geschäft? Damit ist Shein nicht allein. Nur gelingt die optimale Verzahnung der beiden Strategien nicht immer. So gab der US-Onlinegigant Amazon vergangenen Februar bekannt, knapp 70 Geschäfte zu schliessen.

Die Expansion der Lebensmittelshops namens Amazon Fresh verläuft nicht wie gewünscht.
Die Expansion der Lebensmittelshops namens Amazon Fresh verläuft nicht wie gewünscht.bild: Matt Rourke / AP

Dabei handelte es sich unter anderem um das Format Amazon 4-star. In diesen Filialen wurden besonders gut bewertete Produkte aus dem Onlinesortiment angeboten. Und in Grossbritannien wurde die Expansion mit den Self-Service-Lebensmittelshops Amazon Fresh auf Eis gelegt.

Vom Silicon-Valley-Flop zu europäischen Playern

Der deutsche Online-Modehändler Zalando betreibt derweil 13 eigene Outlet-Shops in Deutschland. Zudem versucht er vermehrt Kooperationen mit grösseren Kleiderketten wie C&A, aber auch kleinen, lokalen Boutiquen einzugehen.

Von dieser Entwicklung möchte Vaund profitieren. Das deutsche Start-up sieht sich als reiner Markenvermittler. Sprich: Vaund bietet verschiedenen Herstellern, die keine eigenen Shops haben, eine kuratierte, physische Plattform, um ihre Artikel aus den Bereichen Mobilität, Unterhaltungselektronik, Küche, Haushalt sowie Lifestyle in Szene zu setzen.

Vaund-Shops gibt es bereits in fünf deutschen Städten. «In der Schweiz führen wir erste Gespräche mit Händlern für Vaund-Shop-in-Shops», sagt Geschäftsführer und Co-Gründer Michael Volland. Im Visier habe man die Städte Zürich, Bern, Basel und Luzern. Noch dieses Jahr soll der erste Shop eröffnet werden.

Vom Staubsauger bis zum modernen Rucksack: Das deutsche Start-up Vaund bietet Markenherstellern eine kuratierte Shoppingfläche, inklusive Beratung der Kundschaft. Nun möchte die Firma auch in die Schw ...
Vom Staubsauger bis zum modernen Rucksack: Das deutsche Start-up Vaund bietet Markenherstellern eine kuratierte Shoppingfläche, inklusive Beratung der Kundschaft. Nun möchte die Firma auch in die Schweiz expandieren.Bild: zvg

Die Idee von Vaund ist nicht neu – und muss sich langfristig erst noch bewähren. Als Vorreiter des Konzepts – in der Branche ist von Showrooming die Rede – gilt die kalifornische Firma B8ta, die ebenfalls gegen Miete Verkaufsflächen für Dritte zur Verfügung stellte, auf der die Kundschaft die Produkte anfassen und testen konnte. Im Februar, nur knapp sieben Jahre nach der Gründung, musste B8ta den Betrieb aber mangels Erfolgs wieder aufgeben.

Was sagt der Experte?

Detailhandelsexperte Martin Hotz vom Beratungsunternehmen Fuhrer & Hotz ist nicht überrascht über das Vordringen der Onlinehändler in die Einkaufsstrassen. Die Haptik, also das Anfassen und Erleben der Ware, bleibe wichtig. «Es braucht vor allem die totale Vermischung der verschiedenen Kanäle, denn die Kundinnen und Kunden sind überall unterwegs, von Social Media über den Onlineshop bis hin zum Geschäft in der Stadt.»

Zu Beginn des Internetshoppings hätten die meisten Händler den Aufbau eines Webshops der IT-Abteilung überlassen, sagt Hotz. «Sie entwickelten quasi ein Eigenleben und hatten oft wenig mit der physischen Filiale zu tun und waren nicht sehr kundenfreundlich.» Mit der Folge, dass professionelle Onlinehändler wie Zalando oder Shein mit ihrer grossen Auswahl ein einfaches Spiel hatten.

Viele Händler, so Hotz, hätten sich zu lange an das Branchenmotto namens «Ropo» festgeklammert. Das Kürzel steht für «research online, purchase offline» – also die Hoffnung, dass die Kundschaft sich zwar online informiert, dann aber im Geschäft den Kauf tätigt. «Das war einmal», sagt Hotz. Nicht, dass es dieses Verhalten nicht mehr gäbe. «Aber es funktioniert auch umgekehrt, und die sozialen Medien spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.»

Dabei bleibe es möglicherweise nicht. «Gut möglich, dass wir schon bald auch im Metaverse einkaufen.» Klar sei, dass der klassische Samstagseinkauf weiter an Bedeutung verlieren werde. «Heute können wir 24 Stunden, sieben Tage die Woche einkaufen, wann wir wollen.» Umso wichtiger werde dadurch die emotionale Inszenierung des Shoppingerlebnisses im Geschäft als Ort.

(aargauerzeitung.ch)

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58 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mandarinchen
14.01.2023 19:59registriert Oktober 2019
Keine gute Entwicklung. So wird es in Kürze nur noch Luxusmarken für sehr Reiche geben und nur noch Billigware für den Rest, produziert von modernen Sklaven.
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Schlaf
14.01.2023 19:18registriert Oktober 2019
Solch übler Ramsch gehört verboten!
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