Schweiz
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Keine Maskenpflicht, kein Contact-Tracing und trotzdem öffnet die Schweiz am Montag

Am Montag folgt in der Schweiz die zweite Etappe der Lockerungen der Coronavirus-Massnahmen. Neben weiteren Geschäften sollen auch die Schulen, Bars und Restaurants den Betrieb wieder aufnehmen. Ein grosser Schritt in Richtung Normalität, doch wie halten wir die Fallzahlen unter Kontrolle?



Mit dem Coronavirus-Lockdown hat die Schweiz ihre Fallzahlen von über 1000 Neuinfektionen pro Tag auf zuletzt 66 reduziert. Der Lockdown kann also als Erfolg verbucht werden. Nun beginnt aber eine neue Phase im Kampf gegen die Pandemie. Die Normalität soll so weit wie möglich wieder hergestellt werden, ohne dass wir eine zweite Welle riskieren.

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Wie dieser Balanceakt funktioniert, zeigt das Beispiel Südkorea. Hier wird besonders auf das Tragen von Mundschutzmasken in der Öffentlichkeit, rigidem Contact-Tracing von Neuansteckungen und Disziplin beim Einhalten der Hygienebestimmungen gesetzt. Weiter könnten Antikörpertests bei der Ermittlung der Durchseuchung helfen.

Kann die Schweiz ab Montag das südkoreanische Vorbild imitieren? Dieser Check zeigt es:

Schutzmasken

Seltene Maske: Stefanie Prezioso Batou (Sol/GE) arbeitet an ihrem Platz, am ersten Tag der ausserordentlichen Session der Eidgenössischen Räte zur Corona-Krise, am Montag, 4. Mai 2020 im Nationalrat in einer Ausstellungshalle der Bernexpo in Bern.

Bild: KEYSTONE

Warum brauchen wir sie? Nicht alle Coronavirus-Infizierten leiden an Symptomen der Lungenkrankheit Covid-19. So bewegen sich Menschen in der Öffentlichkeit, die das Virus zwar im Körper tragen, dies jedoch nicht wissen. Wenn also alle Personen im öffentlichen Raum Schutzmasken tragen, wird eine unbewusste Übertragung des Virus erschwert.

Wie viele bräuchten wir? Einer ETH-Studie zufolge bräuchte die Schweiz während drei Monaten etwa 360 Millionen Schutzmasken, um sowohl das Gesundheitspersonal wie auch die Schweizer Bevölkerung zu versorgen. Diese Studie geht davon aus, dass jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, eine Schutzmaske trägt.

Wie viele haben wir? Im Moment können Schweizer Gesundheitsinstitutionen mit genügend Schutzmasken versorgt werden. Doch hier ist längerfristig Nachschub gefragt. Dafür sollen in der Schweiz FFP-Masken der Stufe 2 hergestellt werden. Bereits Ende April sind zwei entsprechende Maschinen aus Shanghai in der Schweiz eingetroffen. Sie sollen 80'000 bis 100'000 solcher Masken herstellen können – täglich. Die Maschinen gehen aber laut der Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli erst Mitte Mai in Betrieb.

Doch für eine Eindämmung braucht nicht nur das Gesundheitspersonal solche Schutzmasken, auch die Bevölkerung kann sich gegenseitig damit schützen, zum Beispiel im ÖV oder beim Einkaufen. Auch hier produziert die Schweiz fleissig Masken.

Der Bundesrat hat aber bisher keine allgemeine Maskenpflicht beschlossen. So sollen sie zwar dort eingesetzt werden, wo der Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann, Schweizer dürfen aber weiterhin ohne Maske einkaufen gehen oder den ÖV benutzen. Die grossen Detailhändler und Apotheken sind vom Bund mit Masken beliefert worden, um diese zum Selbstkostenpreis an die Bevölkerung abzugeben.

Coronavirus Schweiz: Wie viele Schutzmasken haben wir?

Bild: grafik: watson

Contact-Tracing

In this Thursday, May 7, 2020 photo, an Indian man uses Aarogya Setu app on his mobile phone in New Delhi, India. As India enters an extended coronavirus lockdown, the government is fervently pursuing contact tracing to control infections. At the heart of the effort in the country of 1.3 billion people is a smartphone app that evaluates users’ infection risk based on location services such as Bluetooth and GPS. (AP Photo/Altaf Qadri)

Bild: AP

Warum brauchen wir das? Um eine zweite Infektionswelle zu verhindern, müssen neue Fälle erkannt und isoliert werden. Mit einem Contact-Tracing können alle Personen, die mit einem Neuinfizierten in Kontakt waren, ermittelt und isoliert werden.

Wann kommt es? Eine Contact-Tracing-App wird in der Schweiz wohl erst im Juli für die breite Bevölkerung verfügbar sein. Also etwa ein Monat nach der letzten Öffnungsphase in der Schweiz. Zwar gibt es bislang weltweit noch keine gut funktionierende App, trotzdem dürfte die Schweiz im Juli im internationalen Vergleich hinterher hinken.

Das Tracing von Kontakten von erkrankten Personen kann aber auch von Personen durchgeführt werden. Im Moment überlassen der Bund und das BAG dies aber den Kantonen. Es gibt keine schweizweite Koordination dafür.

Was die Schweiz im Kampf gegen das Coronavirus braucht: Schutzmasken, Contact-Tracing, Antikörpertests

Bild: watson

Disziplin

Die Stimmung der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. (Archivbild)

Bild: KEYSTONE

Warum brauchen wir sie? Auch wenn die Fallzahlen zurückgehen und der Bund seine Massnahmen lockert, muss die Bevölkerung der Schweiz immer noch die Hygienevorschriften und Social-Distancing-Regeln einhalten. Tut sie das nicht, müssen die Massnahmen wieder verschärft werden.

Wie sieht es damit aus? Nach der Verkündung des Lockdowns am 16. März sind die Bewegungsdaten der Schweizer stark zurückgegangen. Dies zeigten Zahlen der ETH Zürich. Mittlerweile bröckelt jedoch diese Disziplin. Jede Woche bewegen sich die Schweizer im Schnitt wieder häufiger und weiter von ihrem Wohnort.

Bilder aus der ganzen Schweiz, in der grosse Gruppen von Menschen dicht an dicht an Gewässern sitzen und die Sonne geniessen, werden immer häufiger. Die Kantonspolizei «stellt eine gewisse Ermüdung beim konsequenten Einhalten der Regeln gegen das Coronavirus fest», wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Mit der Öffnung am Montag dürfte auch das Social Distancing der Bevölkerung ins Wanken kommen. Wie stark, ist aber noch nicht abzuschätzen.

Die Schweiz lockert Coronavirus-Massnahmen: Wie sieht es mit der Disziplin aus?

Bild: watson

Antikörpertests

Coronavirus Impfstoff Forschung (Symbolbild)

Bild: Shutterstock

Warum brauchen wir sie? Mit flächendeckenden Antikörpertests kann festgestellt werden, wie der Durchseuchungsgrad in der Bevölkerung aussieht. Experten gehen davon aus, dass sich eine Herdenimmunität einstellt, wenn etwa 60 Prozent der Bevölkerung bereits eine Coronavirus-Ansteckung hinter sich hat.

Wo stehen wir hier? Die Schweiz hat bereits einige Antikörpertests importiert. Nun müssen diese aber auf ihre Validität untersucht werden. In einem weiteren Schritt versucht die «Swiss School of Public Health» (SSPH+) mit ihrer Initiative Corona Immunitas alle Forschungen zu diesen Antikörpertests zu koordinieren.

Roche-Chef Severin Schwan hatte versprochen, bis Anfang Mai zuverlässige Antikörpertests auf den Markt zu bringen. Bis Juni sollen genügend hergestellt werden können, um massenhaft zu testen. Bisher steht die Validität dieser Tests aber weiter aus.

Was die Schweiz im Kampf gegen das Coronavirus braucht: Schutzmasken, Contact-Tracing, Antikörpertests

Bild: watson

Hinweis der Redaktion

Dieser Artikel wurde in einer ersten Version am 9. April publiziert und am 15. sowie am 27. April geupdatet. Aufgrund der Öffnung am Montag wurde er auf den neusten Stand gebracht und erneut publiziert.

(ohe/leo/sda)

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