Schweiz
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Maskenproduktion gestartet: Was die Schweiz jetzt noch für eine Lockerung braucht

Um die Ausbreitung des Coronavirus aufzuhalten und gleichzeitig den landesweiten Lockdown zu lockern, spielen vier spezifische Faktoren eine besonders wichtige Rolle. Wir beleuchten, welche das sind und wie gut die Schweiz aktuell gewappnet ist.



Der Kampf gegen das Coronavirus ist mühsam – auch in der Schweiz. Doch die letzten Tage gaben Hoffnung. Die Covid-19 Kurve flacht ab, die Massnahmen des Bundes helfen im Kampf gegen die Pandemie.

Vergangene Woche verlängerte der Bundesrat den Lockdown um eine Woche bis zum 26. April. Gab aber im gleichen Atemzug bekannt, dass danach eine Lockerung der Massnahmen folgen soll.

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Wie diese Lockerung im Detail aussehen wird, wird die Regierung aller Voraussicht nach am Donnerstag präsentieren. Wie der Blick in andere Länder zeigt, sind vier Punkte aber besonders wichtig, damit es nicht zu einer zweiten Ausbruchswelle des Virus kommt.

So braucht die Schweiz genügend Antikörpertests und Schutzmasken. Ausserdem müssen neue Fälle mittels Contact-Tracing schnell erkannt und isoliert werden. Schliesslich müssen die Schweizer über genügend Disziplin verfügen, um einen weiteren Ausbruch zu verhindern. So ist der Stand der Dinge im Moment:

Antikörpertests

Warum brauchen wir sie? Mit flächendeckenden Antikörpertests kann festgestellt werden, wie der Durchseuchungsgrad in der Bevölkerung aussieht. Experten gehen davon aus, dass sich eine Herdenimmunität einstellt, wenn etwa 60 Prozent der Bevölkerung bereits eine Coronavirus-Ansteckung hinter sich hat.

Wo stehen wir hier? Die Schweiz hat bereits einige Antikörpertests importiert. Nun müssen diese aber auf ihre Validität untersucht werden. In einem weiteren Schritt versucht die «Swiss School of Public Health» (SSPH+) mit ihrer Initiative Corona Immunitas alle Forschungen zu diesen Antikörpertests zu koordinieren.

Bis die Schweiz also flächendeckend und zuverlässig auf Antikörper testen kann, ist es noch ein langer Weg.

Was die Schweiz im Kampf gegen das Coronavirus braucht: Schutzmasken, Contact-Tracing, Antikörpertests

Bild: watson

Schutzmasken

Warum brauchen wir sie? Nicht alle Coronavirus-Infizierten leiden an Symptomen der Lungenkrankheit Covid-19. So bewegen sich Menschen in der Öffentlichkeit, die das Virus zwar im Körper tragen, dies jedoch nicht wissen. Wenn also alle Personen im öffentlichen Raum Schutzmasken tragen, wird eine unbewusste Übertragung des Virus erschwert.

Wie viele bräuchten wir? Einer ETH-Studie zufolge bräuchte die Schweiz während drei Monaten etwa 360 Millionen Schutzmasken, um sowohl das Gesundheitspersonal wie auch die Schweizer Bevölkerung zu versorgen. Diese Studie geht davon aus, dass jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, eine Schutzmaske trägt.

Wie viele haben wir? Im Moment können Schweizer Gesundheitsinstitutionen mit genügend Schutzmasken versorgt werden. Doch hier ist längerfristig Nachschub gefragt. Dafür sollen in der Schweiz FFP-Masken der Stufe 2 hergestellt werden. Weil die dafür benötigten Maschinen jedoch noch nicht geliefert wurden, ist die Produktion noch nicht angelaufen.

Dafür produziert die Flawa Consumer GmbH seit vergangenem Wochenende Universalmasken. Diese sind für die allgemeine Bevölkerung gedacht, die Standards für die Spitäler erfüllen sie nicht. Claude Rieser, CEO des Unternehmens, bestätigte gegenüber dem «Kassensturz», man könne pro Woche 200'000 solcher Masken herstellen.

Was die Schweiz im Kampf gegen das Coronavirus braucht: Schutzmasken, Contact-Tracing, Antikörpertests

Bild: watson

Contact-Tracing

Warum brauchen wir das? Um eine zweite Infektionswelle zu verhindern, müssen neue Fälle erkannt und isoliert werden. Mit einem Contact-Tracing können alle Personen, die mit einem Neuinfizierten im Kontakt waren, ermittelt und isoliert werden.

Wann kommt es? Am Osternwochenende wurde bekannt, dass Apple und Google in einer noch nie dagewesenen Zusammenarbeit das automatisiertes Contact-Tracing per Smartphone vorantreiben wollen. Schweizer IT-Experten und Wissenschaftler der ETH arbeiten seit Wochen bereits mit Kollegen aus anderen Ländern an einer solchen Lösung.

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat derweil «Vorarbeiten» für eine Schweizer Tracing-App bestätigt. Unter anderem ist zu klären, wie die Verifizierung (von positiven Corona-Tests) per App abläuft.

Die App freiwillig runterladen müsste aber am Ende immer noch die Bürgerin selbst. Doch die Bereitschaft dazu ist da. Das zeigte ein Pandemie-Monitoring der SRG, das in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle sotomo realisiert wurde. Rund zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung gaben an, dass sie grundsätzlich bereit wären, eine solche App runterzuladen.

Was die Schweiz im Kampf gegen das Coronavirus braucht: Schutzmasken, Contact-Tracing, Antikörpertests

Bild: watson

Disziplin

Warum brauchen wir sie? Auch wenn die Fallzahlen zurückgehen und der Bund seine Massnahmen lockert, muss die Bevölkerung der Schweiz immer noch die Hygienevorschriften und Social-Distancing-Regeln einhalten. Tut sie das nicht, müssen die Massnahmen wieder verschärft werden.

Wie sieht es damit aus? Die Schweiz hat die erste Pandemie-Phase «nicht so schlecht gemeistert». Diese «Zwischenbilanz» zog Bundesrat Alain Berset am Dienstag nach einem Treffen mit der Berner Kantonsregierung. Die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus seien auch über die schönen Ostertage generell gut eingehalten worden, von einigen Ausnahmen abgesehen.

Doch die Disziplin könnte bröckeln. Das zeigt ein Pandemie-Monitoring der SRG. Gemäss Studienautoren gibt es eine «substanzielle Opposition», die sich gegen die strengen Massnahmen des Bundes zu wehren beginnt. Gefordert wird vor allem, dass der wirtschaftliche Lockdown gelockert und Geschäfte baldmöglichst wieder geöffnet werden.

Schweiz kämpft gegen das Coronavirus: Der Stand der Dinge

Bild: watson

Hinweis der Redaktion

Dieser Artikel wurde in einer ersten Version am 9. April publiziert. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wurde er auf den neusten Stand gebracht und erneut publiziert.

(ohe/leo/sda)

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hofer Ernst 16.04.2020 09:33
    Highlight Highlight Vielen Dank an Flawa, dass diese schweizer Firma jetzt Schutzmasken produziert. Dies wird in den nächsten Monaten der Schweizer Bevölkerung enorm helfen um die Pandemie zu meistern.
  • Rethinking 16.04.2020 05:59
    Highlight Highlight Wenn wir ehrlich zu uns selber wären ist keine dieser Voraussetzungen erfüllt...

    Und bis alle erfüllt sind wird es wohl locker Juli...
  • Weniger 16.04.2020 02:13
    Highlight Highlight Es geht eventuell ( Situationsbedingt) auch ohne Maske
  • Weniger 16.04.2020 02:04
    Highlight Highlight …. Eventuell ist es auch möglich , ohne Maske die Haare schneiden zu lassen.
    Benutzer Bild
  • BVB 16.04.2020 00:56
    Highlight Highlight Kein Contact-tracing, die Bereitschaft überwacht zu werden darf nicht salonfähig werden.
  • imposselbee 15.04.2020 22:40
    Highlight Highlight Hört doch auf zu spekulieren, was es braucht um den (bösen) Bundesrat zu „besänftigen“. Ganz einfach, die Risikogruppen werden „weggesperrt“ und der Rest feiert eine grosse Party für 3 Monate und gut ist die Herdenimmunität. Natürlich geht das in die Hose, weil es noch keine bessere Therapie gibt (oder es gibt sie bereits, aber noch nicht offiziell). Man kann die WIR-tschaft nicht derart schockieren und erwarten, dass es keine Gegenreaktion gibt. Von einem Extrem ins andere, so wird das jetzt ein paar Jahre laufen, in immer kleineren Wellen.
  • fritzfisch 15.04.2020 22:02
    Highlight Highlight Es bleibt dabei, diejenigen welche die notlager hätten auffüllen sollen haben voll und ganz versagt. Die verantwortung übernehmen wird wie immer niemand. Statdessen kriegen wir immer wieder zu hören dass das material welches nicht vorhanden ist, so gut wie nichts nützt. Wers glaubt...
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 15.04.2020 21:20
    Highlight Highlight Diese Universalmasken von Flawa sind allenfalls als WC-Papier oder Nastüechli zu verwenden. Grundsätzlich völlig nutzlos, aber für einen Franken spülen die dennoch rasch mal ein paar Millionen in die Geschäftskasse.

    Solche sinnfreien Alibiübungen kann man zu Gunster der Umwelt wirklich gleich komplett bleiben lassen. Ich habe für die Alten in der Nachbarschaft letzte Woche FFP3-Masken organisiert, weil sie alle panisch wurden. Nachdem sie nun den Kassensturz sahen, fühlten sie sich etwas verarscht, weil die FFP3-Masken halt ein paar Fränkli mehr kosteten. Die verstehen den Sinn von FFP nicht.
  • M.A.S.H2020 15.04.2020 20:29
    Highlight Highlight Habe ich da was verpasst? Morgen wird der BR seinen Fahrplan für die Lockerung der Corona-Massnahmen vorstellen.

    Antikörpertests: Sind weder fertig evaluiert noch in einer genügenden Menge verfügbar, kann also keine Bedingung sein.

    Masken: 200'000 Universalmasken kan die Firma pro Woche produzieren, wir benötigen Millionen, also haben wir nicht genug. Kann also keine Bedingung sein.

    Tracing-App: Haben wir nicht, kann also keine Bedingung sein.

    Disziplin: Super, davon haben wir.

    Fazit: Die Lockerung kommt, ob wir Antikörpertests, Masken oder eine App haben, der Rest ist Gerede.

    • medmi 15.04.2020 20:45
      Highlight Highlight Tracing funktioniert bei wenig Angesteckten und wenig Kontakten problemlos manuell
    • M.A.S.H2020 15.04.2020 21:03
      Highlight Highlight @medmi
      okay, kann es sein, dass Du auch vor Corona wenig sozialen Kontakte hattest? 😉

      Mal im Ernst, hast natürlich recht, aber wir haben viele Angesteckte und eher häufig Kontakt, da geht es wohl eher weniger ohne Technik und die haben wir (noch) nicht.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 15.04.2020 21:26
      Highlight Highlight Disziplin sieht also so aus, dass die 2 Meter Abstand meist nicht eingehalten werden... ausser falls man gerade vor einem Shop beobachtet wird und dass an den Flussufern im Dutzend grilliert und rumgehängt wird. Die Bewohner in diesem Land haben nicht besonders viel Disziplin. Manche vielleicht. Aber die Mehrheit nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • medmi 15.04.2020 20:24
    Highlight Highlight Wir brauchen:
    - Tests für alle mit Symptomatik (Identifikation der Fälle)
    - Isolation der Fälle und vorsorgliche Isolation der Kontakte (Tracing) nach korrekten Richtlinien

    So werden Ansteckungsketten unterbrochen / Cluster isoliert.

    + 14 tägige Quarantäne für Einreisende aus Gebieten wo die Epidemie unkontrolliert ist.
  • Tobi-wan 15.04.2020 19:22
    Highlight Highlight Wie bekomme ich ein 2.5 jähriges Kind dazu einen Mundschutz zu tragen? Gibts überhaupt Modelle dafür?
    • iudex 15.04.2020 20:47
      Highlight Highlight Sekundenkleber
    • M.A.S.H2020 15.04.2020 21:04
      Highlight Highlight Leim auf die Maske und Hände auf dem Rücken zusammen binden?
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 15.04.2020 21:28
      Highlight Highlight Kleinkindermodelle sehen so aus.
      Benutzer Bild
  • Heini Hemmi 15.04.2020 18:56
    Highlight Highlight Schutzmasken kann man übrigens auch selber nähen. Ist erst noch nachhaltiger. Also los! Ran an die Nähmaschinen!
    • RalpH_himself 15.04.2020 21:30
      Highlight Highlight Die bringen leider genau gar nichts, es gibt YouTube-Videos wo die mit Spraydosen getestet werden - da geht einfach alles durch :(

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