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Offen gesagt

«Lieber Herr Berset: Warum?»

Die Kulanzfrist für Impfverweigerer wird verlängert. Das kostet rund 50 Millionen pro Woche. Und kippt den Spaltungserzählern weiteres Wasser auf ihre Mythenmühlen.
25.09.2021, 07:4225.09.2021, 19:38
Maurice Thiriet
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Maurice Thiriet
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Lieber Herr Berset

Eigentlich wollten Sie mit dem Bundesrat das Covid-Zertifikat für Ungeimpfte per 1. Oktober kostenpflichtig machen. Nun soll das erst ab Ende November gelten, zumindest für die, die die erste Dosis verabreicht bekommen haben.

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Warum dieser Sinneswandel? Und warum bis genau Ende November? Damit die Entscheidung, ob man sich impfen oder anstecken soll, reiflicher überlegt werden kann?

Oder doch eher, weil am 28. November über das Covid-Gesetz und damit die Zertifikatspflicht abgestimmt wird? Aus Angst, das Gesetz könnte runterfallen, weil die Impffrage politisch geworden ist?

Da hilft diese Verzögerung vermutlich wenig. Im Gegenteil.

Die geimpfte Mehrheit der Bevölkerung leidet nun länger unter verschobenen Operationen und eingeschränkter Versorgung im Gesundheitssystem. Sie darf zum Dank dafür länger die wöchentlich rund 50 Millionen Franken für Testzertifikate der Unimpfbaren mitfinanzieren. Gleichzeitig bleibt das von den Impfskeptikern als Knechtschaftspapier verteufelte Covid-Zertifikat bestehen.

So kann und wird die unheilige Allianz von verhaltensoriginellen Demagogen, politischen Profitmaximierern und massenmedialen Quoten-Bolzern bloss länger ihre abstruse Mär der «Spaltung der Schweiz» bewirtschaften.

Diese Dynamik macht aus der profanen medizinischen Impffrage unweigerlich eine politische Entscheidung.

Ein Ja oder ein Nein zu einer Covid-Impfung ist nicht dasselbe, wie ein Ja oder ein Nein zu einem Freihandelsabkommen oder einer AHV-Revision. Nach einer Abstimmung leidet allenfalls die unterlegene Minderheit unter dem Entscheid einer Mehrheit.

Im Fall der Impfverweigerung hingegen leiden alle unter dem Entscheid einer Minderheit. So wie die aus medizinischen Gründen Unimpfbaren. So wie die Kinder, für die es keine Impfung gibt. So wie die Kranken, deren Behandlungen aufgeschoben werden.

Es ist verständlich, dass man in einer direkten Demokratie wie der Schweiz versucht hat, allen den Impfentscheid selbst zu überlassen. Wie wir nun, als eines der Länder mit der tiefsten Impfquote Europas wissen, funktioniert das ebensowenig wie das freiwillige Maskentragen.

Vielleicht wäre es besser, der Bundesrat würde wenigstens mittelfristig auf klare Ansagen wechseln, wie das die Privatwirtschaft zunehmend auch tut.

Entweder man ist durch Infektion oder Impfung immunisiert. Oder man bleibt zu Hause.

Hochachtungsvoll

Ihr Maurice Thiriet

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