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«Dieses System ist doch krank» – Basler Arbeitslose sollen sich in Deutschland umschauen

Das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit sorgt mit einer Einladung zu einem Informationsanlass über Möglichkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Ärger bei Arbeitslosen.

Franziska Zambach / ch media



In der Schweiz haben 84,2 Prozent der Wohnbevölkerung zwischen 15 und 64  Jahren eine Stelle. Nur in Island ist die Erwerbsquote noch höher. Da in der Schweiz aber überproportional viel Teilzeit gearbeitet wird, steht sie unter dem Strich nicht viel besser da als andere Länder Europas. (Symbolbild)

Bild: KEYSTONE

Das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) lädt Basler Arbeitslose zum Informationsanlass in die Räumlichkeiten des RAV (Regionales Arbeitsvermittlungs-Zentrum) Basel-Stadt. Das Amt will Arbeitssuchenden den Markt in Deutschland schmackhaft machen. Unter dem Titel «Wohnen in der Schweiz – Arbeiten als GrenzgängerIn in Deutschland» sollen im Speziellen über 50-Jährige angesprochen werden.

«Ich sehe keinen Grund, warum ich nach Deutschland arbeiten gehen soll.»

Über die Einladung freut sich aber nicht jeder. Der 53-jährige Christian Schaub ärgert sich über die Post vom AWA. Er sucht seit knapp vier Jahren nach einer Festanstellung. In einem Post auf Facebook schreibt der gelernte Speditionskaufmann: «Nun sollen also die Schweizer in Deutschland arbeiten, da die Deutschen aufgrund der besseren Löhne in die Schweiz kommen und somit eine Lücke im deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen.»

Schaub will die Öffentlichkeit auf den Umstand aufmerksam machen. Dafür wendete er sich an verschiedene Medien. «Es ist grotesk, Basel wird von Grenzgängern überflutet. Schweizer Arbeitslose wie mich schickt man dafür zum Arbeiten nach Deutschland. Dieses System ist doch krank», sagt er zum «Blick». Er weigere sich, in Deutschland Arbeit zu suchen und fühle sich «abgeschoben». «Ich sehe keinen Grund, warum ich nach Deutschland arbeiten gehen soll.»

Eines der Probleme verortet Schaub auf Seite der Arbeitgeber. Er verlangt, dass diese mehr in die Pflicht genommen werden, zuerst Schweizer Arbeiter anzustellen und erst dann Grenzgänger zu berücksichtigen. Auch die Politik habe versagt. Massnahmen wie die Zuwanderungsinitiative würden nicht greifen. «Wer in der Schweiz lebt – egal, ob Schweizer oder Ausländer –, der soll auch in der Schweiz arbeiten können», sagt er.

Das Amt relativiert die Situation gegenüber «Blick»: «Es handelt sich um einen Informationsanlass, der sich an freiwillig interessierte Stellensuchende richtet, die ihre Kenntnisse über den deutschen Arbeitsmarkt erweitern wollen. Es findet keine Stellenvermittlung statt. Eine Verpflichtung besteht nicht.»

Das mindert den Ärger bei Christian Schaub aber nicht. Die Einladung hat seine frustrierende Situation noch schlimmer gemacht. Er werde wohl nicht am Informationsanlass teilnehmen. «Ich würde mich an dieser Veranstaltung nur zu sehr aufregen.»

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