Schweiz
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Geht es nach Voi, sollen die orangen Scooter schon bald durch neun Schweizer Städte rollen. bild: zvg/instagram voi

E-Trotti-Verleiher Voi will Bern, Luzern und Winti aufmischen – doch es gibt einen Haken

Nach Zürich und Basel schwappt die E-Scooter-Welle in zahlreiche weitere Schweizer Städte über. Doch die Behörden bremsen die Expansion.



In den Zentren von Zürich und Basel stehen sie mittlerweile fast an jeder Ecke. Die Leih-E-Scooter der Start-Ups mit den knalligen Namen wie Flash, Bird oder Tier.

Bald könnten die E-Trottis in vielen weiteren Schweizer Orten zum Stadtbild gehören. Wie watson-Recherchen zeigen, sucht das schwedische E-Scooter-Start-Up Voi per Stelleninserat Mitarbeiter für folgende Schweizer Städte:

Wann genau die E-Scooter in den entsprechenden Orten verfügbar sein werden, kann Claus Unterkircher, Schweiz-Verantwortlicher von Voi, noch nicht sagen. «Wir sprechen uns immer zuerst mit den Städten ab, statt einfach loszulegen.» Am weitesten fortgeschritten scheinen die Pläne in Genf. Dort sucht Voi bereits Wartungsspezialisten für die kleinen Flitzer.

Bislang sind Leih-Trottis in der Schweiz nur in Basel und Zürich verfügbar. Voi will nun als sogenannter «First Mover» den Markteintritt an den anderen Orten forcieren. Denn bei den E-Scooter-Firmen tobt ein knallharter Verdrängungskampf. Auch Flash hat angekündigt, bald in weitere Schweizer Städte zu expandieren.

Bern bremst Trotti-Anbieter aus

Ganz so einfach ist dies aber nicht. Der Berner Verkehrsplaner Karl Vogel bestätigt zwar auf watson-Anfrage, dass die Stadt von mehreren E-Scooter-Anbietern kontaktiert worden sei. Der Knackpunkt: Im Gegensatz zu Zürich oder Basel braucht es für die Nutzung des öffentlichen Raumes in Bern eine Bewilligung. Das entsprechende Bewilligungsverfahren für E-Scooter werde derzeit ausgearbeitet. Dieses soll sicher bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. «Für diesen Sommer reicht es nicht. Die E-Trotti-Anbieter müssen sich bis 2020 gedulden», sagt Vogel. Bern hat sich als selbsternannte Velo-Hauptstadt die Förderung des Fahrradverkehrs auf die Fahne geschrieben. Passen die E-Scooter überhaupt in diese Strategie? «Wir wollen sicher nicht verhindern, dass E-Trotti-Anbieter zu uns kommen», so Vogel. Voi muss sich also zumindest in der Bundesstadt gedulden.

Zürich versucht derweil den Wildwuchs der Free-Floating-Anbieter einzudämmen. Pro Gefährt verlangen die Behörden von den Firmen eine saftige Gebühr von zehn Franken pro Monat. Davon lässt sich Voi nicht abschrecken. Man stehe hinter der Gebührenregelung, da diese Rechtssicherheit schaffe. «Wir wollen in der Schweiz die Nummer 1 werden», sagt Unterkircher.

Zieht sich Lime nach Brems-Fail aus der Schweiz zurück?

Arg in der Defensive ist hingegen der E-Trotti-Verleiher Lime, der einst als Branchenerster in die Schweiz expandiert ist. Nach einer von watson aufgedeckten Unfallserie holte das Unternehmen Anfang Januar alle 500 E-Scooter von der Strasse. Inzwischen sind auch die grünen Velos eingezogen worden. Verschwindet Lime nun ganz aus der Schweiz? Man prüfe derzeit, wie man sich für «dieses Frühjahr positionieren werde», lässt ein Sprecher verlauten. Man sei aber zuversichtlich, schon bald wieder in Zürich unterwegs zu sein.

Das steckt hinter dem E-Trotti-Boom

Der Wettbewerb tobt weltweit um die Marktführerschaft: Amerikanische E-Scooter-Start-Ups wie Lime und Bird haben schon Hunderte Millionen Dollar von Investorengeldern eingesammelt und sind bereits Milliarden wert. Die Sharing-Giganten sind in Hunderten Städten rund um den Globus präsent. Jetzt nimmt der Hype auch in der europäischen Start-Up-Szene rasant Fahrt auf. So hat Flash erst kürzlich nicht weniger als 20'000 E-Scooter in China bestellt.

Auch die Kriegskasse von Voi ist prall gefüllt. Laut eigenen Angaben verfügt Voi gegen 90 Millionen Dollar allein für die Expansion in Europa. Heute ist das Start-Up in 17 Städten in acht europäischen Ländern aktiv.

Die Investoren hoffen, mit der neuen Mobilitätsform in Zukunft das grosse Geld zu machen. Denn die Nutzer fahren auf die flinken Roller ab. Lime verzeichnete seit Beginn über sechs Millionen Fahrten mit ihren E-Scootern. Laut einer Studie ersetzt jeder dritte Scooter-Trip eine Autofahrt. Die Unternehmer erhoffen sich darum nichts weniger, als den innerstädtischen Verkehr weltweit zu revolutionieren. Und zwar schon bald.

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Feuerwanze 24.04.2019 17:13
    Highlight Highlight Solange alle Rücksicht aufeinander nehmen, kann sich von mir aus jeder so fortbewegen, wie er will. Gut wäre zudem, wenn Verkehrsplaner dafür sorgen könnten, dass jeder seinen Platz hat. Ich gebe aber zu, dass das nicht einfach ist.
  • Kampfsalami 24.04.2019 16:30
    Highlight Highlight Wie so oft wenn es um E-Trottis etc. geht muss ich schmunzeln. Diese Dinger sind einfach nur günstig produzierter Mist, wo es doch richtig tolle Geräte gibt. Kosten hald dann 1500 aufwärts. Hinzu kommt: Ich fahre seit über 20 Jahren Skateboard Downhill. Mein E-Skate ist eine Wucht hat mich aber 2000gekostet. Aber eben: Zuerst habe ich richtig gelernt zu fahren und fahre heute noch mit Motorradschutzausrüstung. Das Problem sind all die Anzugsträger, Hippsters und Weitere welche denken so ein Trotti sein ein Spielzeug. Und zum Schluss:
    😍😍Evolve GTX😍😍
  • Gubbe 24.04.2019 15:15
    Highlight Highlight Wann kommen die Flügel von Ikarus? Wo liegt den Winti?
  • CogitoErgoSum 24.04.2019 14:37
    Highlight Highlight Bitte NICHT auf dem Trottoir.
  • Blister 24.04.2019 14:00
    Highlight Highlight Kann mich jemand aufklären, wo diese Dinger nun fahren dürfen?! Strasse, Veloweg, Trottoir?
  • Tanuki 24.04.2019 13:33
    Highlight Highlight Ich bin nicht gegen diese Miet E-Scooter. Es sollte jedoch klare Stationen dafür geben wo man sie abholt und auch wieder zurück stellt. Geht ja auch bei gewissen Velo Verleiher.
    • Christian Börner (1) 24.04.2019 14:42
      Highlight Highlight Bitte nicht. In Luzern sind diese von der Stadt betriebenen Verleihbikestationen eine Zumutung. Überall blockieren sie ausgerechnet die am besten gelegenen Plätze: am nächsten zum Bahnhofseingang / zur Haltestelle / zur Sehenswürdigkeit etc. Diese Stationen haben normale Veloparkplätze ersetzt und sind damit ein fest installierter ausgestreckter Mittelfinger für normalen Velofahrer (idR. die Anwohner), inkl. eigener Polizeitruppe. Wer sich dort abstellt, wird vom städtisch finanzierten Velodienst an eine beliebige andere Stelle umparkiert und darf suche. Nein danke!
  • Hein Doof 24.04.2019 13:23
    Highlight Highlight Diese Trottinets sind doch weder auf der Strasse noch auf dem Trottoir erlaubt in der Schweiz, oder nicht?
    • loplop717 24.04.2019 15:32
      Highlight Highlight Doch sicher man darf damit überall fahren wo auch das Fahrrad darf.
  • Cédric Wermutstropfen 24.04.2019 12:41
    Highlight Highlight Wer benutzt solche Angebote vor allem? Wahrscheinlich eher jüngere Personen. Diese faulen Säcke sollen zu Fuss gehen.

    In Schweizer Städten kann man sich das nun wirklich sparen, selbst in der „Grossstadt“ Zürich kommt man zu Fuss ziemlich schnell überall hin, wenn man denn flott ausschreitet, und für Gestresste haben wir ja ein gutes ÖV-Netz in der Schweiz.
    • Devante 24.04.2019 18:27
      Highlight Highlight Bin 38, somit wohl nicht mehr „jung“, der bus zu stoss-zeiten ist so rappelvoll und die e-trottis sind witzig, flink und von der Geschwindigkeit her gedrosselt. Stört niemanden und ich muss nicht in den grusig überfüllten 72er einsteigen. Win win
  • aglio e olio 24.04.2019 12:27
    Highlight Highlight "Laut einer Studie ersetzt jeder dritte Scooter-Trip eine Autofahrt."
    Trifft das für Städte zu die ein gut ausgebautes ÖV Netz haben?

    Ich finde ja, dass man mit Velo oder zu Fuss alle Kurzstrecken gut abdecken kann. Da brauchts dann keine zusätzlichen Stromfresser und tut mehr für die Gesundheit.
  • Matrixx 24.04.2019 12:19
    Highlight Highlight Wo kann man eigentlich die Typengenehmigung dieser Scooter einsehen?

    Mietscooter sind erlaubt, aber alle anderen motorisierten Fahrzeuge ausser Fahrrad, Motorrad und Autos sind verboten?
    Kann mich jemand aufklären, warum ih mit dem Ding rumfahren darf, nicht aber mit meinem eigenen e-Fahrzeug?
  • DailyGuy 24.04.2019 12:04
    Highlight Highlight Ich finde auch, dass wir Verfahren und Bewilligungen haben müssen, aber wie kann es ein (!) Jahr dauern bis so ein Bewilligungsverfahren überhaupt steht? Also denke jetzt mal in einem bis zwei Monaten sollte so etwas stehen?
    • Astrogator 24.04.2019 12:13
      Highlight Highlight Fristen...
      Es wird ein Vorschlag gemacht, der wird beraten, es gibt eine Vernehmlassung, das ganze wird überarbeitet, wieder beraten und irgendwann dann mal verabschiedet.

      Nicht, dass ich nicht auch der Meinung bin das ganze ist ein wenig peinlich, aber zur Erklärung.
  • metall 24.04.2019 11:58
    Highlight Highlight Die Dinger sind vielleicht schon cool. Man sieht aber so bescheuert aus wenn man damit fährt. Mal sehen ob ich mich daran gewöhnen kann.
  • WID 24.04.2019 11:56
    Highlight Highlight Diese e-Trottis wie auch die e-Velos nerven nur noch. Sie stehen herum wo es gerade passt und gefahren wird auf dem Trottoir.
    • The Real Deadpool 24.04.2019 12:21
      Highlight Highlight Also eigentlich nerven ja dann die Leute, die sie benutzen und keine Rücksicht nehmen und die Dinger einfach irgendwo stehen lassen?
    • WID 24.04.2019 12:27
      Highlight Highlight @The Real Deadpool: ja, da hast Du Recht. Wenn sich 10% daneben verhalten leidet halt das Gesamtansehen. Ist wie überall.
  • Musta Makkara 24.04.2019 11:50
    Highlight Highlight Das Argument mit der gesparten Autofahrt scheint mir ein Hütchentrick, um diese Materialschlacht (wie lang war nochmals die erwartete Lebensdauer eines E-Trottinetts?) zu kaschieren. Denn soweit ich es verstehe zielt dieses Angebot im Vergleich z.B. zu den E-Bikes auf jüngere Spontankundschaft ab, bei der die Option wohl tatsächlich eher Pedes, Velo oder ÖV (allenfalls Taxi/Uber) wäre. Gibt es dazu Daten?
    • Musta Makkara 24.04.2019 12:34
      Highlight Highlight Möglicher, nur leicht spekulativer Ausschnitt aus der im Artikel erwähnten Studie ("ersetzt jeder dritte Scooter-Trip eine Autofahrt"):

      Interviewer (befragt eine Gruppe von drei Partygängern um 5 Uhr morgens vor dem Club die seit 10 Minuten versuchen, mit der Lime App einen Bird klarzumachen): "Würdet ihr jetzt lieber mit dem Auto nach Hause fahren als mit dem Scooter?"

      Proband (einer von Dreien, die anderen sind unterdessen eingeschlafen): "Aaldewodefaaak?..."

      Q.E.D.
  • Astrogator 24.04.2019 11:50
    Highlight Highlight Kleiner Tipp am Rande für Leute die günstig einen E-Roller wollen. Diese Mietdinger werden regelmässig mit in Züge genommen und dort liegengelassen. Wenn die Betreiberfirmen nicht für jeden einen Suchauftrag auslösen, werden sie früher oder später günstig versteigert.
  • DocShi 24.04.2019 11:37
    Highlight Highlight Also in Paris waren die E-Scooter schon praktisch. Aber auch teuer. 15 Cent pro Minute.
    Man sollte also wissen wo man hin will. Dann geht es. Und macht Spass.
  • Tomtom64 24.04.2019 11:32
    Highlight Highlight Ist Laufen, Velo- oder OeV-Fahren wirklich so schädlich und anstrengend, dass wir jetzt noch E-Scooters auf den jetzt schon übernutzten Trottoirs und Strassen brauchen?

    • Evan 24.04.2019 11:37
      Highlight Highlight Wenn ich mit dem E-Trotti schneller ans Ziel kommen kann als zu Fuss und gerade kein Velo habe, dann ist mir so ein Trotti recht, und lieber als der Bus.
    • Musta Makkara 24.04.2019 11:56
      Highlight Highlight Insbesondere praktisch ist ein E-Trotti für den Weg zum Fitnesscenter oder zum Physio, wo dann den Konsequenzen des alltäglichen Bewegungsmangels effizient entgegengewirkt werden kann.
    • Raffaele Merminod 24.04.2019 12:33
      Highlight Highlight Musta Makkara: Treffender kann man es nicht ausdrucken!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Evan 24.04.2019 11:32
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