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Überwältigt, gefesselt, in Klinik gebracht: PUK kritisiert Baukartell-Einsatz der Polizei



Die Einsätze der Bündner Polizei gegen jenen Mann, der im Unterengadin das illegale Baukartell auffliegen liess, werden von einer parlamentarischen Untersuchungskommission deutlich kritisiert. In einem wichtigen Punkt gibt die Kommission aber Entwarnung.

Die vom Bündner Kantonsparlament eingesetzte fünfköpfige parlamentarische Untersuchungskommission (Puk) legte am Dienstag in Chur einen über 270 Seiten starken Teilbericht vor. Er beschreibt drei Polizeieinsätze gegen Adam Quadroni, jenen Mann, der das Unterengadiner Baukartell, dem er vorher selber angehörte, an die Öffentlichkeit zerrte.

Adam Quadroni, Whistleblower im Buendner Bauskandal, aufgenommen am Donnerstag, 10. Mai 2018, in Ramosch. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Adam Quadroni zerrte das Bündner Baukartell an die Öffentlichkeit – und war selber Teil davon. Bild: KEYSTONE

In einem wichtigen Punkt gibt der Bericht Entwarnung. Die Puk fand keine Anhaltspunkte dafür, dass Mitglieder des Baukartells die Behörden im Vorgehen gegen Quadroni instrumentalisiert hätten.

Von Polizeigrenadieren überwältigt

Die drei untersuchten Polizeieinsätze gegen Quadroni waren auf dessen angespannte familiäre Situation zurückzuführen. Im Brennpunkt stand der Einsatz von Mitte Juni 2017, für den die Gefahr eines angeblichen Suizids oder eines erweiterten Suizids der Grund war.

Quadroni wurde von Polizeigrenadieren überwältigt, im Zuge eines fürsorgerischen Freiheitsentzuges gefesselt und mit verbundenen Augen in eine psychiatrische Klinik gebracht. Über den Grad der dabei angewandten Gewalt gehen die Meinung der Akteure auseinander. Involviert in diesen Einsatz waren neben der Kantonspolizei im Vorfeld die Kesb, der Bezirksarzt und der Sozialdienst.

Die Puk kam bei den drei untersuchten Polizeiaktionen zum Ergebnis, dass es zu einem unrechtmässigen beziehungsweise zu teils unverhältnismässigen Eingriffen in die persönliche Freiheit Quadronis und dessen Schwester gekommen sei. Die Aufsicht beziehungsweise Führungsverantwortung sei von den Polizisten nicht ausreichend wahrgenommen worden.

Polizeikommandant in der Kritik

Walter Schlegel, dem Kommandanten der Kantonspolizei Graubünden, wirft die Puk vor, die Gesamtführungsverantwortung zu wenig wahrgenommen zu haben. Er habe sich ungenügend und unkritisch mit dem Umgang der Kantonspolizei mit Quadroni auseinandergesetzt, steht im Bericht zu lesen.

Die Puk schrieb weiter, es sei der unbefriedigende Eindruck entstanden, dem Kommandanten widerstrebe eine aktive Unterstützung der Untersuchung. Das sei angesichts der Tragweite der Vorgänge unverständlich.

Im Zusammenhang mit der Verhaftung steht aber nicht nur die Polizei in die Kritik. Der Bezirksarzt war nach Meinung der Puk nicht mehr in der Lage, eine unbefangene und unabhängige Beurteilung vorzunehmen. Die Kesb wird kritisiert, weil sie trotz wiederholten Einbezugs zu keinem Zeitpunkt ein formelles Verfahren über die Familie Quadroni eröffnet hatte.

Bedrohungsmanagement einführen

Aufgrund der gewonnen Erkenntnisse macht die Puk am Schluss eine Reihe von Vorschlägen und Empfehlungen. Angeregt wird die Einführung eines kantonalen Bedrohungsmanagements, weitere Themen betreffen die Dokumentation des Handelns in der Verwaltung oder die Führungsverantwortung bei der Kantonspolizei.

Der Puk-Bericht wird in der Dezembersession dem Grossen Rat des Kantons Graubünden zur Kenntnis gebracht und dort auch diskutiert. Und bereits am (morgigen) Mittwoch geht es in der Thematik weiter. Die Bündner Kantonsregierung kündigte eine Medienorientierung an, an der die Untersuchungsresultate eines externen Fachmanns zu den Ereignissen rund um Adam Quadroni präsentiert werden.

Die Arbeit der fünfköpfigen und ersten Bündner Puk überhaupt ist mit der Publikation des Teilberichts nicht beendet. Sie wird später im Zusammenhang mit den Kartellabsprachen berichten, wie sich die Amtsstellen und Verantwortlichen im Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement verhalten haben. (sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Meyer Andrej 26.11.2019 16:27
    Highlight Highlight Ja die Wahrheit tut weh und wie es überall ist, kassieren alle fleissig mit, vom kleinen unbedeutenden Bauamtsmitarbeiter, der Baufirma bis zum obersten Chef. Man lässt sich nicht gerne ins Geschäft spucken. Armselig und der Polizeikommandant machte eine ganz klägliche Figur!
    • juergy 27.11.2019 20:01
      Highlight Highlight und er darf natürlich seinen Job behalten .... 🤬🤬🤬
  • Snowy 26.11.2019 12:37
    Highlight Highlight Da es im Artikel nirgendwo erwähnt ist: Vielen Dank an die Republik für das aufdecken dieses Falles!
    • Olla 26.11.2019 14:33
      Highlight Highlight Die Republik hat so gut wie gar nichts aufgedeckt. All das was über die Jahre verteilt bei der Südostschweiz zu lesen. was die Republik getan hat, ist den Fall einmal von A-Z aufzurollen und zusammenzufassen.
    • Snowy 27.11.2019 10:29
    • Olla 27.11.2019 12:55
      Highlight Highlight Ja, das stimmt schon, weil plötzlich die ganze Schweiz aufgehorcht hat und der Druck so immer grösser wurde. Als "nur" die SO, und nicht derart konzentriert, über den Fall berichtet hat, hat es halt den Rest der Schweiz noch nicht mal ansatzweise so stark interessiert. So wurde es halt auch einfach mit dem Finger auf alles mögliche zu zeigen. So im Stil von "Ja, ja die korrupten Bündner mal wieder"...
  • DemonCore 26.11.2019 12:00
    Highlight Highlight Es ist eine alte Tradition in der Schweiz, unbequeme Leute für psychisch krank zu erklären oder ihnen 'fürsorgerisch' die Freiheit zu entziehen. Mit den Verdingkindern hat man die Taktik auf industriellem Niveau betrieben.

    Das gute an den psychiatrischen 'Patienten' ist, man konnte bis vor kurzem an ihnen Medikamente testen, ohne dass jemand dumme Fragen stellt.

    Hach.. sind wir nicht ein tolles Land.
  • GraveDigger 26.11.2019 11:58
    Highlight Highlight Hatte ich nicht vor kurzem das Angeprangert? Wenn man nichts anderes gegen eine Person in der Hand hat, aber unbequem gegen bestimmte Kreise ist, werden "Fürsorgerische Massnahmen" eingeleitet.

    Im Westen also nichts neues..
  • pontian 26.11.2019 11:45
  • Amenokal 26.11.2019 11:06
    Highlight Highlight und die Strafe fürs illegale Kartell und das Ausnehmen des Staates?
    • Olla 26.11.2019 14:34
      Highlight Highlight Kommt in einem späteren Bericht der PUK. In diesem ersten Teilbericht ging es „nur“ um die Polizeieinsätze gegen Adam Quadroni.
  • Marc< 26.11.2019 11:04
    Highlight Highlight Die Geschichte um das Bündner Baukartell und Whistleblower Adam Quadroni ist krass. Dass die PUK nun die Recherchen eines Schweizer Onlinemagazins praktisch vollständig bestätigt, sollte ein mediales Erdbeben auslösen – auch bei Watson.
  • Alteresel 26.11.2019 10:16
    Highlight Highlight Es ist dringend nötig, dass Whistleblower auch in der Schweiz geschützt werden. Dieser Mann hat nichts gemacht, als einen himmeltraurigen Sumpf aufgezeigt. Da wurden Steuergelder massiv missbraucht - und er wird psychatrisiert. Geht gar nicht!!!

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