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Schweiz
Zürich

Datenleck bei Zürcher Justizdirektion – Infos landeten im Drogenmilieu

Datenleck bei der Zürcher Justiz – hochsensible Infos landeten im Drogen- und Sexmilieu

02.12.2022, 09:1602.12.2022, 09:41

Die Geschichte, die derzeit die Zürcher Justiz beschäftigt, mahnt an eine Netflix-Serie. Die Ingredienzien: Hochsensible Daten, Drogen, Sexmilieu. Auslöser des Trubels war eine Anfrage von drei Kantonsräten an die Zürcher Regierung, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Im Zentrum die Frage, wie es dazu habe kommen können, dass eine grosse Anzahl an Festplatten der Justizdirektion in fremde und damit falsche Hände gelangt ist. Erstunterzeichner ist der bekannte Milieuanwalt Valentin Landmann (SVP).

Auf den Datenträgern befanden sich Informationen von mehreren Zürcher Staatsanwaltschaften, von der Justizdirektion selbst und vom Psychiatrisch-Psychologischen Dienst. Es handelt sich gemäss dem «Tages-Anzeiger» um psychiatrische Gutachten, Gefährlichkeitsgutachten, Handynummern von Polizeibeamten und Daten aus dem Polizei- und Justizzentrum.

In Gang gesetzt wurde das Datenleck durch Roland Gisler, Betreiber des berüchtigten Milieulokals Neugasshof und Mandant von Anwalt Valentin Landmann. Die Bar Neugasshof war einst Stammtisch der Hells Angels, einige deren Frauen mussten am Strich anschaffen gehen. Bei einer Razzia wurden 2017 Haschisch, Marihuana, Geld und Waffen sichergestellt, mehrere Personen kamen in Untersuchungshaft. Vor wenigen Wochen wurde Gisler vom Zürcher Obergericht wegen Drogenhandels (über 400 Kg Marihuana) im grossen Stil zu vier Jahren Gefängnis und einer Rückzahlung von 633'000 Franken verurteilt, das nicht rechtskräftige Urteil werde ans Bundesgericht weitergezogen.

Festplatte
Im Fokus stehen hochsensible Daten aller Art.Bild: Shutterstock

Roland Gislers Bruder war einst für ein Unternehmen tätig, das für die Zürcher Justizdirektion Computer und Drucker entsorgte, darauf befanden sich zahlreiche, nicht gelöschten oder wiederherstellbare Daten. Über die Jahre kam Gislers Bruder zu Tausenden von Geräten, die er in die ganze Welt weiterverkauft habe. Bei seinem Drogenhandel-Prozess hat Gisler einige der Festplatten der Justizdirektion zurückgegeben.

Bezüglich der Dauer des Datenlecks gehen die Meinungen auseinander, gemäss Kommunikation der Justizdirektion habe sich der Zwischenfall 2008 zugetragen. Anwalt Landmann dementiert, er habe selber ein Dokument aus dem Jahr 2012 einsehen können.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat dem «Tages-Anzeiger» das Datenleck bestätigt, die entsprechende Strafuntersuchung sei noch am laufen. (rst)

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59 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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tonickornottonick
02.12.2022 09:46registriert September 2021
Unser Staat und Computer, Daten, Digital ... 🤦‍♀️🤦🤦‍♂️
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Chrisbe
02.12.2022 09:55registriert Oktober 2019
...entweder so, oder gleich die sensiblen Daten in eine Chinesische Cloud geben🤣
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stormcloud
02.12.2022 09:39registriert Juni 2021
Wenn das wirklich so, wie im Artikel beschrieben, in falsche Hände geraten ist, dann ist das der "Supergau" und nicht mehr gutzumachen.
Man mag sich gar nicht vorstellen , welchen Missbrauch kriminelle Personen mit diesen hochsensiblen Daten treiben können. Erpressungen, Bedrohungen, Überwachungen, Rache, Nachstellung von Angehörigen, Anschläge etc..

Da wird vielen Betroffenen ziemlich unwohl sein...
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