Ärger nach Lauberhornabfahrt: «Falscher Wetterbericht» führte zu verkürzter Strecke
Normalerweise dauert die Lauberhornabfahrt fast zweieinhalb Minuten. Bei seinem Sieg am heutigen Samstag benötigte Marco Odermatt aber lediglich gut 93 Sekunden und damit 49 Sekunden weniger als im Vorjahr. Der Grund dafür: Der Start wurde oberhalb des Hundschopfs durchgeführt. Die Rennleitung fürchtete den Wind im oberen Streckenteil.
Dieser blieb aber wohl aus. «Ich bin verärgert!», schimpfte FIS-Renndirektor Markus Waldner nach Rennende gemäss «Blick», «und zwar, weil ich offensichtlich einen falschen Wetterbericht erhalten habe!» Der offizielle Wetterdienst des Veranstalters der Rennen in Wengen – die Firma von Jörg Kachelmann – sagte vorher, dass es im oberen Abschnitt den ganzen Tag winden werde. «Doch beim Rennstart um 12.30 Uhr war es oben windstill. Somit wäre ein Rennen vom Originalstart aus möglich gewesen», berichtet Waldner.
Head-Rennchef Rainer Salzgeber hatte seine Überraschung bereits vor dem Rennen geäussert. «Ich hatte während der Streckenbesichtigung nicht das Gefühl, dass man verkürzen muss. Ich habe keinen heftigen Wind gespürt.»
Doch weshalb wurde die Abfahrt am Lauberhorn dann verkürzt? «Fakt ist, dass es im oberen Streckenabschnitt bis eine Stunde vor dem Rennen stark gewindet hat», erklärte Christoph Leibundgut, der Medienverantwortliche der Lauberhornrennen. Deshalb hätten sich die Organisatoren vorzeitig für eine Heruntersetzung des Starts entschieden, um das Rennen zu sichern. Damit sollte ein faires Rennen möglich gemacht werden. «Wir haben hier lieber ein verkürztes Rennen, als einen Wettkampf vom Originalstart, in dem einer der Top-Favoriten vom Wind verweht würde», so Leibundgut, der die Meteorologen verteidigte: «Der Guggiföhn wird für sie immer total unberechenbar bleiben.»
Deutliche Kritik für den Entscheid gibt es aber von Hans Knauss. Der 54-jährige Österreicher warnte beim Blick davor, «übervorsichtig» zu werden. «Der Wind ist beim Hundschopf kein grosses Problem, weil er gut geschützt ist. Und wenn ein Rennfahrer bei der Minschkante eine Böe erwischt, ist das auch nicht so gefährlich, weil man hier ja nicht wie beim Golden Eagle in Beaver Creek 50 bis 60 Meter weit fliegt», findet Knauss und poltert: «Eine Lauberhornabfahrt ohne den Sprung über den Hundschopf ist in meinen Augen keine richtige Lauberhornabfahrt.» (nih)
