Schweiz
Zürich

Flughafen Zürich: Zwei kurdische Familien konnten den Transit verlassen

Dicle (r.) und Pelin (l.) sitzen nicht mehr im Flughafen fest, der Journalist Mustafa Mamay (M.) allerdings schon.
Dicle (r.) und Pelin (l.) sitzen nicht mehr im Flughafen fest, der Journalist Mustafa Mamay (M.) allerdings schon.Bild: watson / nfr

Pelin (13) konnte den Transit des Flughafens Zürich verlassen: «Ich bin überglücklich»

Seit sieben Wochen lebten zwei kurdische Familien im Transitbereich des Flughafens Zürich. Jetzt konnten sie diesen verlassen. Doch ob sie Zuflucht in der Schweiz finden, bleibt offen. 15 kurdische Flüchtlinge verbleiben weiterhin im Transit.
26.10.2018, 14:2927.10.2018, 04:11
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Erleichterung bei den 13-jährigen kurdischen Mädchen Dicle und Pelin. Zusammen mit ihren Familien konnten sie heute um 13 Uhr die Transitzone des Flughafens Zürich verlassen. Die Familien befinden sich nun in einer Asylunterkunft im Kanton Zürich. Die Familien waren Anfang September aus Südafrika nach Zürich geflogen, wo sie ein Asylgesuch gestellt hatten. Darauf wurden sie von den Schweizer Behörden in der Asylunterkunft im Transitbereich des Flughafens untergebracht. 

«Ich bin überglücklich, endlich draussen zu sein», sagt die 13-jährige Pelin am Telefon zu watson. Die frohe Nachricht habe sie am Freitagvormittag um 10 Uhr erhalten. Am meisten freut sie sich darüber, endlich im Freien spielen zu können und einen Spaziergang zu machen. Froh ist Pelin auch darüber, dass sie mit ihrer Familie in einem eigenen Zimmer untergebracht ist und sie Besucher empfangen kann. Auch die Familie ihrer Freundin Dicle (13) ist in einem Zimmer in der gleichen Asylunterkunft untergebracht worden.

Noch wissen die beiden kurdischen Familien nicht, wie es mit ihrem Asylverfahren weitergeht. «Unsere juristischen Vertreter kämpfen weiter. Ich hoffe, wir können in der Schweiz bleiben», erklärt Pelin. Auch wenn die Familien weiterhin befürchten müssen, nach Südafrika ausgeschafft zu werden, sagt die Teenagerin: «Im Flughafen war ich immer ängstlich, jetzt ist es besser.»

Die juristischen Hintergründe der Freilassung sind noch unklar. Die Juristin Nesrin Ulu, welche die Familien vertritt, hatte am Freitagnachmittag noch keine offiziellen Informationen vom Staatssekretariat für Migration erhalten. Die Frist für den Vollzug der Wegweisung wäre am Freitag abgelaufen. Das SEM hatte vor zwei Wochen beschlossen, nicht auf das Asylgesuch der kurdischen Familien einzutreten. Allerdings haben diese unterdessen ein Wiedererwägungsgesuch gestellt. Der Transfer vom Flughafen in eine andere Asylunterkunft könnte ein Hinweis darauf sein, dass die materielle Prüfung des Wiedererwägungsgesuchs noch nicht abgeschlossen worden ist.

Auf Anfrage von watson wollte das Staatssekretariat für Migration mit Verweis auf den Datenschutz keine Angaben zum Stand des Asylverfahrens der beiden Familien machen. Im Transit des Flughafens Zürich verbleiben weitere 15 kurdische Flüchtlinge.

Im Video: Diese Kurden leben seit 49 Tagen im Flughafen Zürich

Video: watson/Nico Franzoni
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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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John Henry Eden
26.10.2018 18:36registriert Januar 2014
Wir sollten den Mädels eine anständige Unterkunft und die bestmögliche Ausbildung bieten. Das sollten wir mit zehntausenden Teenagerinnen aus dieser Region machen.

Wenn sie dann als junge, gebildete und selbstsichere Frauen mit Ansprüchen in die Heimat zurückkehren, ist das wie ein kontinuierliches Upgrade für diese Region. Jede Rückkehrerin käme einem positiven Impact gleich.
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Sama
26.10.2018 21:27registriert August 2017
Wird auch Zeit!
Egal welche Gründe für eine Flucht bestehen, egal ob die Eltern hätten in Südafrika Asyl beantragen sollen (für mich nachvollziehbar, dass sie es nicht taten) oder nicht:
Kinder haben ein Recht auf Bildung und auf kindgerechte Freizeit - in einer normalen Asylunterkunft kann ihnen das gewährt werden, im Transitbereich des Flughafens gab es das nicht - meiner Meinung nach verstösst die Schweiz da gegen das geltende Recht der Schulpflicht.
Warum war es nicht früher möglich, die Familien in normale Asylunterkünfte zu bringen?
Viel Glück den Mädchen - ob in CH oder anderswo
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7immi
26.10.2018 18:18registriert April 2014
Sie leben ja eigentlich nicht im transitbereich, sondern in einer asylunterkunft im transitbereich...
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