Bieneninitiative: Wenn Grüne und Pestizid-Befürworter kooperieren
Sie verrichten beim Bestäuben von Blüten Schwerstarbeit. Sorgen dafür, dass wir Honig haben. Dass Erdbeeren, Kirschen und Tomaten auf unseren Tellern landen. Steht man in der Badi nicht gerade auf eine Biene, kann man nichts gegen das gelb-schwarze Tier haben. Kein Wunder also, taugen Bienen bestens als sympathisches Aushängeschild einer Volksinitiative. Wer ist schon dagegen, sie stärker zu schützen?
Das haben sich auch die Imkerverbände gesagt und am Dienstag mit Verbündeten die Bienen-Initiative lanciert. Sie will in die Verfassung schreiben, dass Bund und Kantone die «Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten» sichern müssen. Die Bestände von Bienen und anderen einheimischen Bestäubern sollen gefördert und naturnahe Lebensräume qualitativ aufgewertet werden.
Wie genau die Ziele erreicht werden sollen, lässt die Initiative offen. Sie ist bewusst unverbindlich formuliert – und vereint gerade deshalb politische Gegenspieler hinter sich.
An der Medienkonferenz weibelte der Zuger Mitte-Ständerat und Imker Peter Hegglin für das Anliegen, während er sich im Parlament für erleichterte Zulassungen von bereits in Nachbarländern bewilligten Pestiziden einsetzt. Neben ihm sprach die Genfer Grünen-Nationalrätin Delphine Klopfenstein Broggini davon, dass im Kampf gegen das Insektensterben auch der Einsatz von Pestiziden reduziert werden müsse. Auch Naturschutzverbände wie WWF und Pro Natura stellen sich hinter die Initiative. Der Bauernverband unterstützt sie zwar nicht, weil er allfällige zusätzliche Gelder lieber direkt für Biodiversitätsprojekte einsetzen würde. Übermässig besorgt scheint er aber nicht.
Die Bienen-Initiative ist damit das Gegenmodell zur Pestizid-Initiative. Diese setzte mit dem Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel auf eine konkrete Massnahme. Die Bauern fühlten sich an den Pranger gestellt. Das Stimmvolk schickte das Vorhaben 2021 bachab.
Bei der Bienen-Initiative stehen die Chancen auf ein Ja besser. Zumal der Handlungsbedarf nicht von der Hand zu weisen ist: Fast die Hälfte der über 600 Wildbienenarten gilt in der Schweiz als gefährdet. Grund dafür sind unter anderem die Zersiedlung der Landschaft, fehlende Nistplätze und intensiv genutzte Ackerflächen.
Das Problem bei derart offen formulierten Initiative ist allerdings: Der Stimmbürger kauft die Biene – pardon: die Katze – im Sack. Ist die Initiative erst einmal angenommen, dürften die Grabenkämpfe erst so richtig aufbrechen. Wenn es um die Frage geht, ob der Pestizideinsatz weiter reduziert werden soll. Wie die Landwirte die Biodiversität von Randflächen noch besser fördern können. Und wie viel zusätzliches Geld der Bund trotz Spardruck künftig gegen das Insektensterben investieren muss. Zum Vergleich: Für die Jahre 2025–2030 stehen drei Millionen Franken zur Verfügung.
Angesichts der politischen Kräfteverhältnisse ist ein grosser Wurf unwahrscheinlich. Vielleicht bleibt am Ende die Erkenntnis, dass es den Initianten zumindest gelungen ist, das Thema auf die Agenda zu setzen. Und dass der eine oder andere zusätzliche Hausbesitzer deshalb im Garten ein Wildbienenhotel aufstellt. Oder Gemeinden Kiesflächen am Strassenrand durch Wildblumen ersetzen. Das klingt nach wenig, doch schon all das würde die Bienen freuen. (aargauerzeitung.ch)

